Unser Leben wird immer schneller, stressiger und oberflächlicher – woran liegt’s? Am Kapitalismus natürlich, ist doch offensichtlich!

Ist das wirklich so offensichtlich? In einem Gespräch mit Rob Crusoe und Johannes von Philosophie Workout haben wir über alternative Antworten auf die Krise des Subjekts in der Spätmoderne nachgedacht.

Es handelt sich dabei um einer eher soziale und ästhetische Kritik an den Verhältnissen, wie sie von der Frankfurter Schule, insbesondere von Erich Fromm und von Herbert Marcuse, später von Neil Postman, von Alain Ehrenberg, von Hartmut Rosa oder von Gernot Böhme formuliert worden ist:

  • endloses Wachstum in einer endlichen Welt, Ressourcenknappheit, Ausbeutung der Lebensgrundlagen, Umweltzerstörung, Ausbeutung der Menschen, Beschleunigung der Arbeits- und Lebenswelt
  • immer mehr Chancen und Wahlfreiheit führen zu immer mehr Druck und Stress
  • die Technik erleichtert uns zwar den Alltag, trotzdem schaffen wir nie, was wir uns vorgenommen haben – es ist irgendwie immer zu wenig Zeit …
  • die sozialen Beziehungen lockern sich und werden oft durch oberflächliche Sozialkontakte ersetzt, die Familie verliert an Wert, die Ehe wird obsolet, Freundschaften sind nur noch virtuell …
  • wir leben in einer Spaßgesellschaft, amüsieren uns zu Tode, werden immer oberflächlicher und vom Privatfernsehen dumm gehalten …
  • der Kapitalismus entfremdet uns vom Produkt der eigenen Arbeit, von den Mitmenschen, von der Natur, schließlich von uns selbst.

Aber was wäre, wenn es gar nicht am Kapitalismus liegt, dass die Menschen heutzutage so leben müssen? Was, wenn die Schuld dafür woanders zu finden wäre …?

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3 Kommentare zu „Der Kapitalismus und das gute Leben

  1. Merkt ihr’s selber?
    BEI: 11:35 !
    HIER geht’s wieder los mit dem neurechten Jargon. Und das ist so bedauerlich.
    Jeder, der sich stur auf das Paradigma der ökonomischen Rivalität, Abgrenzung, Kontrolle & Rechtfertigung bezieht, kippt irgendwann (früher oder später) deutlich nach rechts.
    „Gutmenschen“… „Multi-Kulti“… etc… AfD/ PEGIDA-Bingo ! 😉
    Und dann geht es auch los mit den verschwörungstheoretischen Denkansätzen.
    Die krasse, blinde Dichotomie zwischen dem verteufelten Staat und der Gerechtigkeit des Marktes.

    Mit #Freiheit hat diese radikale Marktideologie nur sehr wenig zu tun…
    Es geht letztlich nur darum, die Idee der Verhandlung um ökonomische Macht zu totalisieren.

    Und wer alles vermarkten möchte, wird irgendwann über das Problem der #Commons stolpern.
    Wenn jeder darauf konditioniert ist, alles, was nicht niet- und nagelfest ist auf den Markt zu zerren oder zu horten, dann darf es keine Allmende und keine „freien“ Ressourcen mehr geben. Dann muss alles irgendwie angeeignet, eingehegt, abgemauert, eingezäunt und verriegelt werden. Weil sonst eben alles, was frei steht, gnadenlos ausverkauft und vermüllt wird. https://de.wikipedia.org/wiki/Tragik_der_Allmende

    Das Resultat der Totalisation von #Marktmacht ist schließlich ein sukzessives Abgleiten in feudalistische Strukturen, „Gated Communities“ vs. Slums und exklusive Stadtstaaten oder Burgfestungen, die sich Plutokraten dann eigenmächtig errichten können, um darin Gott zu spielen.
    Wenn das Recht selbst zur Ware wird, dann ist der Kunde wahrhaftig „König“.
    Ökonomische Abhängigkeitsverhältnisse werden zur ausweglosen Lebens-Falle.

    So stell‘ ich mir eine „freie“ Gesellschaft nicht vor.
    Und das kann auch nicht das Ende vom Lied sein.

    Wenn wir uns Freiheit wünschen geht es letztlich darum, dass wir uns jenseits der Rituale ökonomischer Kontrolle und Rechtfertigung arrangieren und einbringen.

    Solange Menschen lernen, dass sie sich Ansprüche über manipulative Marktrituale voreinander rechtfertigen müssen, werden wir mit Korruption, Gier und asymmetrischen Machtstrukturen zu kämpfen haben. Und wenn die Konzerne, Gutsherren und die ökonomischen Eliten unangenehm auffallen, dann werden die unterprivilegierten Menschen auch wieder bereitwillig Geld in einen Topf werfen, um sich Strukturen aufzubauen, in denen sie sich wieder auf so etwas wie Bürgerrechte oder Menschenrechte berufen können.
    So entstehen wiederum de facto „Staatsstrukturen“, die dann in Erbfolge wieder zu de jure Staatssystemen werden, in denen Bürgervertretungen im besten Fall demokratisch gewählt werden und gemäß vereinbarten Gesetzen politische Macht zugesprochen bekommen.

    So dreht sich die Geschichte im Kreis… Wahrscheinlich sogar in einer destruktiven, aufreibenden Spirale abwärts..
    Bis wir vielleicht (im Optimalfall) lernen jenseits von Ritualen und Konventionen ökonomischer Verhandlung zu entscheiden, was wir tun oder lassen wollen. (Oder bis wir an unserer Verstrickung in Fremdbestimmten Strukturen zugrunde gehen.)

    Die Bezugnahme auf ein System der ökonomischen Kontrolle, Verhandlung und Rechtfertigung von Ansprüchen halte ich für einen Holzweg, der immer wieder im eiskalten, schmutzigen Wasser endet.

    Gefällt 1 Person

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