Als Boétie diesen Text niederschrieb war er um die 20, sehr wahrscheinlich sogar erst 18 Jahre jung. Veröffentlicht wurde der Text erst mehr als zwei Jahrzehnte später 1574 (auf deutsch erstmalig 1593) durch protestantische Revoluzzer, die sich davon erhofften, den Widerstandswillen der Bevölkerung in den sogenannten Hugenottenkriegen erneut zu entfachen. Sein Jugendfreund Montaignes sah dies nicht gern, weil er um das königlich-loyale Erbe Boéties (er war ab 1553 Gerichtsrat) fürchtete. Er ordnete den revolutionären Text eher als „Jugendsünde“ ein.

Gut 200 Jahre galt der Text als vergessen, als er im 19. Jahrhundert ein Revival erlebte. Er galt in anarchistischen Kreisen als ein frühes Dokument zivilen Ungehorsams und generelle Ablehnung von Herrschaft jeglicher Form. Boétie glaubte nicht an den freundlichen Tyrannen, der es nur gut meint mit seinen Untertanen, um ihr Wohl zu steigern. Er sagt vielmehr, das dort wo Gewalt regiert, es keine Freundschaft zwischen Regierten und Regierer geben kann. Keine Armee der Welt kann den Tyrannen beschützen, fährt er fort. Jeglicher Schutz ist nur Fassade, nur Illusion, um Beschütztsein vorzutäuschen, um den Sturzversuch bereits in den Köpfen zu vereiteln. Auch sieht er die Günstlingswirtschaft unter einem Tyrannen wie unter jedem Herrscher wuchern und erkennt wahrhaftig, wie sich die Gauner um den König scharen, um auch von seiner Herrschaft profitieren zu können. Zur Täuschung und Ablenkung von Elend und Not lässt der Tyrann Volksbelustigungen aufführen, die er aus den Mitteln der Untertanen bezahlt, weil er selbst über kein eigenes Einkommen verfügt.

Alles Ideen, die auch dem modernen Menschen nicht unbekannt sind, weil sich die Prinzipien der Herrschaft auch 460 Jahre später nicht geändert haben.

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