Was, wenn die Covidioten Recht haben?

Milosz Matuschek stellt die richtige Frage: Was, wenn am Ende die Covidioten Recht haben?
Abgesehen davon, dass durch eine unvoreingenommenere Kommunikation über die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen viel unnötiges Leiden verhindert werden könnte: Was macht es mit uns, wenn wir einen großen Teil der Gesellschaft ausgrenzen, mit den Mitteln der Diffamierung und Kontaktschuld mundtot machen und uns selber als Träger der einzig wahren Moral bezeichnen – dieser ausgegrenzte Teil aber hinterher durch die Zahlen bestätigt wird?
Was macht es mit uns, wenn wir renommierte Wissenschaftler als Idioten und alle diejenigen als Spinner und Wirrköpfe bezeichnen, die sich weder mit den so leichter Hand hingenommenen Kollateralschäden noch mit der Idee einer Neuen Normalität mit Digitalen Identitäten, Impfpflicht, Bargeldabschaffung oder Kontaktverfolgung per App und Drohne nicht so schnell anfreunden können – diese Spinner und Wirrköpfe dann aber als ehrliche Mahner dastehen werden?
Wird sich nicht ein unglaublicher Verdruss über die Ausgrenzungsmechanismen, eine vertiefte Spaltung der Gesellschaft, ein Ressentiment gegenüber dem „Mainstream“ und ein gefährliches Misstrauen gegenüber Politik, Wissenschaft und Medien einstellen – denen man dann auch nicht mehr Glauben schenken wird, wenn der Wolf WIRKLICH kommt?
Anders gefragt: Was verlieren wir, wenn wir den Zweifel an der Verhältnismäßigkeit staatlicher Einschränkungen als legitim und den Protest als erlaubte Warnung vor bedenklichen Entwicklungen ansehen – und was würden wir gewinnen?

https://www.nzz.ch/meinung/kollabierte-kommunikation-was-wenn-am-ende-die-covidioten-recht-haben-ld.1574096?fbclid=IwAR27d4EYtFSMG-QfJd-ywQR5-jteqKm6z7ZSJ-llTaf57DSpsBqqZn8GQeM

Ein Kommentar

  1. Ich habe Wurzeln in der Philosophie, Kritischer Rationalismus, Karl Raimund Popper (Die offene Gesellschaft und ihre Feinde). Wahrheitsliebe drängt mich, ein Missbrauch der Wissenschaft als feindlichen Akt gegen die Gesellschaft scharf zu kritisieren.
    
Es geht um das vertrauliche Strategiepapier aus dem Innenministerium, welches angeblich nur von externen Beratern als hypothetische Empfehlungen verstanden werden darf, welche nicht auf das tatsächliche Handeln der Bundesregierung Einfluss gehabt haben muss. Und daher nun nur noch Szenarienpapier genannt wird.
    
https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/veroeffentlichungen/2020/corona/szenarienpapier-covid-19.html
    
Letztendlich werde ich auf Abschnitt 4 c1 zu sprechen kommen, aber gern noch einmal für alle Zuhörer der Hinweis: Auf Seite 1 wird mit dem Euphemismus „Das Verschweigen des Worst Case ist keine Option“ der rhetorische (nicht logisch korrekte, das ist mir bewusst) Kniff gemacht, bei den lesenden Politikern die Grundhaltung einzuschwören: „Der Worst Case ist unsere einzige Option!“
    
Das Thema der Ausformulierung des Worst Cases ist dann der Rest des Papiers. Dabei wird dann auch verdeutlicht, dass es eine Gefahr für den sozialen Frieden wäre, wenn diese Kommunikation des Worst Case nicht die Maxime des Handelns in der Krise sei. Warum? Weil einzig durch den Worst Case die Bereitschaft in der Bevölkerung zu schaffen sei, einen Lockdown ohne Proteste zu akzeptieren. – Meine Ableitung davon ist: Der Lockdown war damit schon beschlossenen Sache! Tatsächlich beschäftigen sich die folgenden „Szenarien“ auch nur noch mit der Länge des Lockdowns.
    
Und pikanterweise wird hier schon zentral mit dem R-Wert argumentiert, welchen Hr. Laschet angeblich nicht kennen wollte. War er nicht im Verteiler des Strategiepapiers? Kaum vorstellbar. Und spätestens nach der Diskussion des Strategiepapiers in Zdf und Tagesschau um den 1.4. herum wird er das strittige Papier doch hoffentlich gelesen haben – und nicht nur die Kurzfassung dieser Medien, welche sich über die Brisanz von Abschnitt 4 c und insbesondere 4 c 1 verdächtig ausschweigt.
    
Nun zu Abschnitt 4  c 1 .
    
Hier kann man schwarz auf weiß in österreichischer (ggf. auch schweizerischer, kein ß wird verwendet) Schrift lesen, wie die Bevölkerung nicht nur schockiert, sondern auch anhand der Statistik der Fallsterblichkeit mit „objektiven Zahlen“ eine zu hohe Fallsterblichkeit suggeriert werden kann!
Diese Art von Missbrauch der Wissenschaft darf in einem Land der offenen Gesellschaft nicht passieren, NICHT EINMAL aus strategischen Erwägungen, um soziale Unruhen während eines Lockdowns zu unterbinden! Das ist übelste Propaganda aus dem Handapparat der Staatssicherheit der DDR!
    
Und ich habe sogar den Verdacht, dass zur Gleichschaltung mit dem Worst Case-Wunsch der Strategen auch Rufmord und Einschüchterungen von Wissenschaftlern auf dem Programm standen, welchen der Worst Case-Kommunikation im Wege standen. Hier nenne ich einmal nur stellvertretend Frau Prof. Karin Mölling, welche sogar Trägerin des Bundesverdienstkreuzes ist! Aber emeritierte Stellvertreter reichten ggf. den Strategen auch, um allen Wissenschaftlern Angst zu machen, welche die Zahlen „zu genau“ ansehen und warnen, dass man so ja gar nicht wissenschaftlich seriös die Zahlen werten darf!
Abschnitt 4 c1 ist etwas kryptisch gehalten, insbesondere ein Satz ist etwas verunglückt, welcher einen Faktor 100 anspricht. Das musste ich erst rekonstruieren, um dann meinen ersten Eindruck bestätigt zu finden, weil ein Abschnitt verdächtig endete: „um das gewünschte Ergebnis zu erzielen“.
    
Der fragliche Abschnitt ist unten angeführt und entfaltet erst dann seine Klarheit, wenn man die umrahmenden Absätze entfernt. Eine Einleitung benennt einen potentiellen Mangel an Tests, nach dem heiklen Teil geht es nahtlos über in einen objektiven Abschnitt, wie logistisch eine hohe Anzahl Tests mit mobilen Teststationen etc. erreicht werden kann.
    
Daher hier meine „barrierefreie“ Kurzfassung, das Original kann man dann gern gegen meine Zusammenfassung halten:
    
Wir befinden uns in 4 c1 noch immer im Bereich der Strategie, der Bevölkerung den Worst Case drastisch vor Augen zu führen. Dazu wird ein fiktiver Wert von 1% Fallsterblichkeitsrate festgeschrieben (!). Es soll also suggeriert werden, einer von 100 positiv getesteten Personen wird sterben! Dann wird eine Zahl von 500 – 1000 Toten für Ende März geschätzt. Für den Faktor 1 % müsse man also 50.000 bis 100.000 infizierte Personen finden. Um diese zu finden, muss man einen Faktor 20 ansetzen, man rechnet also damit, dass einer von 20 positiv auf Corona getestet werden kann, die restlichen 19 fallen negativ aus. Damit wird dann von den Beratern empfohlen, 100.000 bis 200.000 Tests pro Tag zu fahren („im Verlauf von 10 Tagen“, es komme also auf die Gesamtsumme an).
Die ganze Berater-Strategie endet dann mit dem Hinweis: „Wenn nicht [= die Richtigkeit der Schätzung vom Faktor 20 ist gemeint], war die nötige Testkapazität unterschätzt und muss dringend hinaufgeschraubt werden, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen.“

Schaue wir und mit diesem Hintergrundwissen nun an, welche Testkapazitäten das RKI vor und während des Shutdowns gefahren hat. Wenn du zu dem Schluss kommst, dass hier bewusst die naive Fallsterblichkeit von ca. 1% suggeriert wird, dann will ich, dass alle potentiell involvierten Mitarbeiter des RKI unter Eid befragt werden, ob sie vom Innenministerium dazu mit Nachdruck angehalten wurden, „zum Zweck des sozialen Friedens für einen nun geplanten Lockdown“ die Testkapazitäten den erwarteten Sterbefällen der notwendigen Zahl 1% anzugleichen!
 
Daraufhin gilt es zu klären, ob die Regierung berechtigt war, sich wie Feinde der offenen Gesellschaft an der Wissenschaft zu vergreifen und Wissenschaftler einzuschüchtern, welche um Objektivität bemüht waren. Wer hatte hier alles geschwiegen, diese Art von Empfehlung NICHT als ZUMUTUNG für die Demokratie in den Papierkorb zu werfen, sondern als „legitime“ Empfehlungen auch nur eine Sekunde ernst zu nehmen?!
    
Und dann bitte ich um Entschuldigung bei den betroffenen Wissenschaftlern, welche eine Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen anmahnten und nicht im Sinne eines Worst Case denken wollten.

    ****
Hier findet man die tatsächlich verwendeten Testkapazitäten im Kapitel 1.5, S. 9.
    
https://fragdenstaat.de/dokumente/4181-lagebild-gemeinsamer-krisenstab-bmi-bmg-covid-19/
(Im Sinne von 4 c 1 ist zu bedenken, dass man im Umfeld von bereits erkrankten 7 % – 9 % positive Tests erreichen konnte, womit damit der „richtige“ Faktor bei  11 – 14 anstatt 20 liegt.)
    
Ergebnis: Fallsterblichkeit 1 % Ende März wurde erreicht. Mein Glückwunsch, Herr Wieler…
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/2020-03-22-en.pdf
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/2020-03-31-de.pdf
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/2020-04-01-en.pdf
 
*****

https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/veroeffentlichungen/2020/corona/szenarienpapier-covid-19.html

4 c. Maßnahmenplanung der Bevölkerung vermitteln
4 c 1 Testkapazität hoch
[…] Die anzustrebende Testkapazität (hier unter Annahme von gleichzeitigen scharfen Ausgangsbeschränkungen über mehrere Wochen) kann mit Faustregeln ermittelt werden (provisorische Erkenntnisse, müssen verfeinert werden). In der exponentiellen Phase kann man in europäischen Ländern von einer vorläufigen (naive) Fallsterblichkeitsrate (Tote geteilt durch bestätigte Fälle) von 1% ausgehen, wenn ein Grossteil aller Fälle durch Testen gefunden wird. Wenn die Fallsterblichkeit unter diesem Wert liegt, muss davon ausgegangen werden, dass die Anzahl der Toten nicht richtig gezählt wird. Wenn die Fallsterblichkeit darüber liegt, Tote * 100, so viele Fälle müssten wir finden. Um sie zu finden, braucht man unter sehr guten Bedingungen 20 * mehr Tests als die Anzahl Fälle, die man finden möchte. Rechenbeispiel Deutschland Ende März: wir schätzen, die tatsächliche Anzahl der Toten liegt bei 500-1000 (stark underreported). Das bedeutet, dass 50.000 bis 100.000 Fälle gefunden werden müssten. Wenn man einen Grossteil davon finden will, braucht man also z.B. 100.000 bis 200.000 Tests pro Tag im Verlauf von 10 Tagen, oder die Hälfte davon während 20 Tagen (wodurch der Zeitraum mit Ausgangsbeschränkungen aber länger wird und das Risiko eines Scheiterns grösser). Sobald die geschätzte nötige Testkapazität erreicht ist, wird die Anzahl neu gefundener Fälle pro Tag zunächst hochschnellen. Wenn die Schätzung richtig war, kommt sie nach der Zeitspanne (z.B. nach 10 Tagen) wieder herunter. Wenn nicht, war die nötige Testkapazität unterschätzt und muss dringend hinaufgeschraubt werden, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen.
 


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