Vom Nutzen und Nachteil der Masken für das Leben

Die Zustimmung zum Maskentragen ist groß, zumindest wenn man der Umfrage glaubt, die auf der Webseite der Bundesregierung Erwähnung findet.[1] Laut ihr befürworten 87 Prozent der Menschen die Maskenpflicht beim Einkaufen, 73 Prozent glauben an ihre Wirksamkeit. Die Mehrheit spricht sich also klar für das Maskentragen aus.

Und es ist klar, warum: Wenn man Angst hat und jemand bietet einem ein Mittel gegen die Angst an, dann ist man erstmal dankbar dafür, noch dazu, wenn dieses Mittel auch noch so ein sichtbares ist – zudem erscheint eine Maske an sich erstmal nicht besonders gefährlich oder schädigend, es kann ja wohl nicht groß schaden, sie zu tragen, also, was soll schon groß schiefgehen?

Masken also – eigentlich kein Problem, oder? Aber jetzt ist ja in mehr und mehr Bundesländern ein behördlicher Zwang zum Tragen von Masken angeordnet worden, und zwar großflächig und weiträumig, nämlich vor allem für unsere Kinder in den Schulen. In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel müssen alle Schüler in weiterführenden Schulen von früh bis spät durchgehend einen Mund-Nasenschutz tragen – oft von 8 bis 16 Uhr, in geschlossenen Räumen mit 30 Leuten eng an eng sitzen, und auch im Freien, beim Lernen und beim Spielen, und das bei den derzeitigen Temperaturen.

Das ist dann schon etwas anderes, als mal für ein paar Minuten Maske aufsetzen, wenn ihr beim Aldi einen Sechserpack Karlskrone kaufen geht.

Bei einer so pauschalen „Maskenpflicht“ ist die Frage schon ein bisschen brisanter, was hier grade eigentlich passiert und was schon groß schiefgehen soll. Bei KenFM spricht man schon vom staatlichen Kindesmissbrauch; aber kann das denn sein? Es ist doch nur für das Gemeinwohl, für unser aller Gesundheit, für den Schutz der Risikogruppen, und die da oben lieben doch alle, alle Menschen, sonst würden sie doch wohl nicht zu so drastischen Maßnahmen greifen?

Vom Nutzen

Was den Nutzen angeht, gibt es ein paar Studien, vor allem jüngeren Datums, die ihn wissenschaftlich belegen, und zwar die der University of Oxford, die trotz der schlechten Qualität der meisten Studien dem Gesundheitspersonal empfiehlt, Gesichtsmasken zu verwenden.[2] Man fand keine Hinweise auf einen Unterschied zwischen Operationsmasken und Atemschutzgeräte N95. Man folgert, dass große Studien noch durchgeführt werden müssen, in denen der vollständige Gesichtsschutz mit chirurgischen Masken verglichen wird.

Allerdings bestätigt dieselbe Studie: Es gab keine Reduzierung der Fälle von grippeähnlichen Erkrankungen mit Masken im Vergleich zu ohne Masken, weder in der Allgemeinbevölkerung, noch bei Mitarbeitern im Gesundheitswesen.

Eine Studie des Institute of Labor Economics aus dem Juni 2020 stellt fest, dass Gesichtsmasken die kumulative Zahl der registrierten Covid-19-Fälle in einem Zeitraum von 10 Tagen nach der Einführung der Maskenpflicht zwischen 2,3% und 13% reduziert haben.[3] Sie kommt zu dem Schluss, dass Gesichtsmasken die tägliche Zuwachsrate der gemeldeten Infektionen um etwa 40% reduzieren.

Und die Studie von Professor Holger Schünemann in The Lancet vom Juni 2020 vermutet, die Verwendung von Gesichtsmasken könnte zu einer großen Verringerung des Infektionsrisikos führen.[4] In einem Interview mit der Berliner Zeitung sagt Schünemann: »Dass Masken einen Effekt haben, ist deshalb schon ziemlich sicher. Nur nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin – und auch wegen anderer Schwächen der Studien – reicht das eben nicht, um von mittlerer oder hoher Sicherheit zu sprechen.«[5]

Die WHO hat übrigens ebenfalls im Juni ihre Ansicht, dass Masken nichts bringen, geändert. Gegenüber der BBC räumte sie allerdings ein, dass ihre Aktualisierung der Maskenpolitik nicht auf neue Erkenntnisse, sondern auf „politische Lobbyarbeit“ zurückzuführen sei.[6] Die BBC sagte:

»Uns war von verschiedenen Quellen mitgeteilt worden, dass der WHO-Ausschuss, der die Beweise prüfte, die Masken nicht befürwortete, sie aber aufgrund politischer Lobbyarbeit empfahl. Dieser Punkt wurde der WHO vorgelegt, die nicht dementierte.«

Ich wiederhole: Die BBC recherchiert, dass die WHO die Maskenpflicht aus Lobbyismus-Gründen empfiehlt! Sie legt diese Vorwürfe der WHO vor und diese dementiert das nicht einmal!

Was bedeutet »nutzen«?

Aber trotzdem: Masken nutzen einigen Studien zufolge offenbar doch. Aber was heißt hier überhaupt „nutzen“? Was heißt, die Masken funktionieren?

Wenn ich mir z. B. ein Orangennetz überziehe statt einen Baumwolllappen – nutzt der dann nicht irgendwie auch, weil ja dadurch die Tröpfchen ein Stück weit eingedämmt werden? Da würde ja niemand wirklich von nutzen sprechen, oder? Inwieweit unterscheidet sich denn eine handelsübliche Stoffmaske, die Community Maske oder auch die Alltagsmaske, wie sie jetzt ein wenig verräterisch genannt werden soll, von einem Orangennetz vor Mund und Nase? Doch höchstens graduell. Welcher Grad an Undurchlässigkeit ist denn jetzt aber jetzt genau der, den ich brauche, um von einer echten Effizienz der Maske zu sprechen – und daher auch von der Angemessenheit einer Maskenpflicht?

Andererseits: Wenn ich Kinder dazu verpflichten würde, sich Plastiktüten über den Kopf zu ziehen, hätte das nicht denselben nutzen? Würde das nicht sogar noch mehr „funktionieren“? Aber niemand würde das empfehlen, weil einfach die „Nebenwirkungen“ dann doch zu heftig wären. Aber warum wird die Frage nach den Nebenwirkungen in den Verordnungen und Erlassen zur Maskenpflicht überhaupt nicht erörtert? Müsste ich nicht, um von wirklichem „Funktionieren“ zu sprechen, oder auch von Effizienz und Verhältnismäßigkeit, erstmal wissenschaftliche Evidenz zu den Nachteilen haben, die ein Tragen von Masken, vor allem ein langdauerndes, unfachgemäßes, pauschales und erzwungenes, vor allem bei Kindern, mit sich bringen kann?

Bei der ganzen Diskussion ist ja vor allem erstmal auseinanderzuhalten, dass eine Studie, die den Nutzen einer Maske für einen gegebenen Moment – dass nämlich im Moment des Ein- oder Ausatmens ein Teil der Aerosole abgehalten werden kann – noch lange keine Aussagekraft über den Nutzen einer Maskenpflicht für alle hat.

Wenn man sagt, die Maske nutze ganz klar, das sei wissenschaftlich erwiesen, und man begründet damit eine Maskenpflicht für alle Kinder eines Landes über sechs bis acht Stunden täglich bei Sommerhitze – müsste man dann nicht auch sagen: durch Massenüberwachung und Abschaffung der Privatsphäre kann man Terrorismus und Kriminalität eindämmen, also bin ich für eine pauschale Einführung von Massenüberwachung und Kontrolle?

Nach dem Patriot Act und nach den Snowden-Enthüllungen haben unsere Intellektuellen noch gesagt: Wir können doch nicht unsere Freiheiten aufgeben, nur um eine vermeintliche Sicherheit zu erlangen. Warum sagen diese Intellektuellen heute aber: Wir können durchaus eine Menge Freiheiten auf unbestimmte Zeit aufgeben, um unsere Gesundheit zu sichern? Warum überprüfen diese Intellektuellen nicht die Zahlen, die man uns präsentiert? Und warum denken sie kaum darüber nach, dass wir nicht nur Freiheiten aufgeben könnten, sondern tatsächlich auch Gesundheit – wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren, soll Benjamin Franklin einmal gesagt haben – das gleiche gilt für die Gesundheit, die wir aufgeben, um eine andere Gesundheit zu gewinnen, die aber erstmal nur eine Art neues Recht darauf ist, von Ansteckung verschont zu bleiben.

Wir können kaum die Gesundheit unserer Kinder opfern, nur um anderen das Recht auf Nicht-Ansteckung zu gewährleisten.

Vom fehlenden Nutzen

Aber ist es denn so schlimm mit den Nebenfolgen? Nicht wenige reagieren ja auf Bedenken gegenüber einem staatlichen Zwang für Kinder, acht Stunden mit Masken vor dem Gesicht rumzulaufen, mit der Rhetorik „Mimimimimi, du willst ja nur Freiheit für dein Gesicht. Als könntest du nicht mal das kleine Opfer bringen, wenn es doch für das größere Gut ist. Du bist so rücksichtslos und egoistisch, dass dir die Freiheit, dein Gesicht zu zeigen und als Superspreader durch die Welt zu gehen, mehr wert ist als die armen Risikogruppen, du neoliberaler …“

Aber meistens haben sich diese Menschen gar nicht mit den Nebenfolgen und Kollateralschäden eines langdauernden Maskentragens beschäftigt. Sie selber haben keine Probleme damit, und es fehlt ihnen die Empathie, sich in diejenigen hineinzuversetzen, die darunter leiden. Diese Menschen behaupten zwar, es ginge ihnen nur um die Schwachen, aber sind all die Kinder, die stundenlang bei Hitze Stoff vor dem Gesicht tragen müssen, nicht auch die Schwachen?

Was die wissenschaftliche Forschung angeht, gibt es dazu auch noch nicht sehr viel belastbares Material – verständlicherweise, weil wir ja gerade erst Zeuge und Opfer eines riesigen Massenexperiments sind. Und unsere Kinder die Laborratten. Es gibt eine Unmenge an Studien, die auf eine fehlende Effektivität von Masken hinweisen. Zum Beispiel wurde in dieser Metaanalyse festgestellt, dass Gesichtsmasken keine nachweisbare Wirkung gegen die Übertragung von Virusinfektionen haben.[7]

Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2020 ergab, dass Beweise aus randomisierten kontrollierten Studien mit Gesichtsmasken keinen wesentlichen Effekt auf die Übertragung der im Labor bestätigten Influenza unterstützen, weder wenn sie von infizierten Personen noch von Personen aus der Allgemeinbevölkerung getragen werden.[8] Eine Überprüfung durch das Oxford Centre for Evidence-Based Medicine vom Juli 2020 ergab, dass es keinen Beweis für die Wirksamkeit von Stoffmasken gegen Virusinfektion oder Virusübertragung gibt.[9]

Die Studie von Thomas Wieland aus dem Juli 2020 fand keine Wirkung der Einführung von Maskenpflicht in Läden und öffentlichen Verkehrsmitteln.[10] Eine länderübergreifende Studie der University of East Anglia ergab, dass eine Maskenpflicht keinen Nutzen bringt und sogar das Infektionsrisiko erhöhen kann. In 3 von 31 Studien wurde eine „sehr leicht verringerte“ Wahrscheinlichkeit festgestellt, an einer grippeähnlichen Krankheit zu erkranken.[11]

Die im April 2020 von zwei US-Professoren für Atemwegs- und Infektionskrankheiten der University of Illinois durchgeführte Untersuchung kam zu dem Schluss, dass Gesichtsmasken im Alltag keine Wirkung haben, weder als Selbstschutz noch zum Schutz Dritter.[12]

Eine 2019 durchgeführte Studie mit 2862 Teilnehmern zeigte, dass sowohl N95-Atemschutzmasken als auch Operationsmasken „zu keinem signifikanten Unterschied im Auftreten der im Labor bestätigten Grippe führten.“[13]

Eine 2016 durchgeführte Metaanalyse ergab, dass sowohl randomisierte kontrollierte Studien als auch Beobachtungsstudien zu N95-Atemschutzmasken und Operationsmasken, die von medizinischem Personal verwendet werden, keinen Nutzen gegen die Übertragung von akuten Atemwegsinfektionen zeigten.[14]

Eine weitere 2011 durchgeführte Metaanalyse von 17 Studien zu Masken und Wirkung auf die Übertragung von Influenza ergab, dass „keine der Studien eine schlüssige Beziehung zwischen dem Gebrauch von Masken/Atemschutzmasken und dem Schutz vor einer Influenza-Infektion hergestellt hat.“[15] Die Verwendung von Gesichtsmasken erwies sich im Vergleich zu Kontrollen ohne Gesichtsmaske bei medizinischem Personal ebenfalls als nicht schützend vor Erkältungen.

Der Leitartikel des New England Journal of Medicine zum Thema Maskengebrauch versus Covid-19 beurteilt die Angelegenheit wie folgt:

»Wir wissen, dass das Tragen einer Maske außerhalb von Gesundheitseinrichtungen, wenn überhaupt, nur wenig Schutz vor Infektionen bietet. Die Chance, Covid-19 bei einer vorübergehenden Interaktion in einem öffentlichen Raum aufzufangen, ist minimal. In vielen Fällen ist der Wunsch nach einer weit verbreiteten Maskierung eine reflexive Reaktion auf die Angst vor der Pandemie.« [16]

Viele Staaten, die im Frühjahr oder Frühsommer in öffentlichen Verkehrsmitteln und in Geschäften obligatorische Gesichtsmasken einführten, wie Hawaii, Kalifornien, Argentinien, Spanien und Japan, verzeichneten ab Juli immer noch einen starken Anstieg der Infektionen. Eine im Juli 2020 von japanischen Forschern durchgeführte Studie ergab, dass Stoffmasken aufgrund ihrer großen Porengröße und der allgemein schlechten Passform »keinen Schutz gegen Coronaviren bieten.« [17]

Weitere Aussagen unterstützen diese Ergebnisse: »Wir empfehlen ebenfalls nicht die Nutzung von Gesichtsmasken oder Mund-Nasen-Schutz in der allgemeinen Öffentlichkeit und im Alltagsleben« sagte beispielsweise der Vize-Präsident des Robert-Koch-Instituts Lars Schaade bei einer Pressekonferenz.[18] Auch der Starvirologe Christian Drosten äußerte sich Anfang des Jahres noch recht skeptisch zu den Masken: »Die technischen Daten dazu sind nicht gut, für das Aufhalten mit der Maske.«[19]

Und die Aussagen des schwedischen Staatsepidemiologen Anders Tergnell,[20] des Weltärztepräsidenten Frank Ulrich Montgomery[21] oder der niederländischen Gesundheitsministerin Tamara van Ark[22] sprechen eine ebenso deutliche Sprache.  

Aber, gewiss: Ein Fehlen von Evidenz ist nicht gleich die Evidenz des Fehlens von Effektivität. Es sollte allerdings skeptisch machen, wenn so viele Studien zu einem eher negativen Ergebnis kommen. Zum anderen aber muss man vorsichtig sein, dass hier nicht einfach die Beweislast umgekehrt wird: Eine Behörde verordnet eine weitreichende und drastische Maßnahme und nun hat man die Pflicht, zu beweisen, dass sie nichts bringt? Das sollte nicht unsere neuer Standard werden. Wenn uns das jemand auferlegt, dann hat er auch die Pflicht, einigermaßen klipp und klar zu begründen, inwieweit das hilft, und warum die Nebenwirkungen nicht so schlimm sein werden wie der erhoffte Erfolg.

An alle, die eine Maskenpflicht befürworten: Habt ihr eine solche Abwägung schon einmal gehört? Hat man euch genau, mit Verweis auf eindeutige Studien, nahegebracht, warum diese Maßnahme nicht mehr Leid schaffen wird als sie verhindert? Oder habt ihr einfach vertraut auf „die Experten“, die Politiker, die Behörden, „die Wissenschaft“ – ohne euch genauer damit zu beschäftigen?

Wenn ihr das bisher einfach nur gutgläubig oder hoffnungsvoll abgenickt habt – habt ihr dann nicht zu dieser Beweislastumkehr beigetragen? Und sollen wir so auch mit weiteren Maßnahmen der Politik umgehen – dass einfach erstmal gemacht wird, weil „die Experten“ sagen dass es gut sei, und wir das naiv abnicken?

Vom Nachteil

Aber es gibt tatsächlich auch Studien zu den schädlichen Folgen eines langdauernden Maskentragens. Neben einem falschen Gefühl von Sicherheit, das die WHO befürchtet – da viele jetzt nämlich denken könnten, mit Maske müssten sie keine anderen Regeln mehr beachten, keinen Mindestabstand einhalten oder keine Hände waschen – , sind dies vor allem physische Folgen wie die, dass das Lungen-, Kreislauf- und Immunsystems durch Gesichtsmasken bei körperlicher Aktivität belastet werden könnte, da die Sauerstoffreduktion und der Lufteinschluss den erheblichen Kohlendioxidaustausch reduzieren.  Als Folge der Hyperkapnie kann es zu einer Überlastung des Herzens, einer Überlastung der Nieren und einer Verschiebung zur metabolischen Azidose kommen.

Eine Studie aus dem Jahr 2015 im British Medical Journal BMJ Open ergab, dass Stoffmasken von 97% der Partikel durchdrungen werden und das Infektionsrisiko erhöhen können, indem sie Feuchtigkeit zurückhalten oder wiederholt verwendet werden.[23] Chirurgische Maskenträger hatten nach einem 6-minütigen Fußmarsch eine signifikant höhere Atemnot als Nicht-Maskenträger.[24] 19% der Träger von N95-Atemschutzgeräten entwickelten verschiedene Grade von Sauerstoffmangel im Blut.[25] Auf der Außenfläche gebrauchter medizinischer Masken wurden verschiedene Atemwegserreger gefunden, die zu einer Selbstkontamination führen könnten.[26] Es wurde außerdem festgestellt, dass chirurgische Masken ein Lager für bakterielle Kontamination sind.[27]

Beschäftigte im Gesundheitswesen, die Stoffmasken trugen, wiesen nach vier Wochen ununterbrochener Anwendung am Arbeitsplatz im Vergleich zu den Kontrollen signifikant höhere Raten grippeähnlicher Erkrankungen auf.[28]

Die erhöhte Infektionsrate bei Maskenträgern kann auf eine Schwächung der Immunfunktion während der Maskenanwendung zurückzuführen sein. Es hat sich gezeigt, dass Chirurgen nach Operationen, die sogar nur 30 Minuten dauern, eine geringere Sauerstoffsättigung haben.[29] Ärzte beobachten vermehrte Zahnfäule, Zahnfleischrückgang und starken Mundgeruch.[30]

Nicht zuletzt geht es auch um die psychischen Folgen. Hier gibt zurzeit noch wenige Studien. Die Studie zu psychologischen und psychovegetativen Beschwerden durch die aktuellen Mund-Nasenschutz-Verordnungen in Deutschland vom Juni / Juli 2020 von Daniela Prousa kommt allerdings zu dem Ergebnis, dass ca. 60% der sich deutlich mit den Verordnungen belastet erlebenden Menschen schon jetzt schwere (psychosoziale) Folgen erlebt, wie eine stark reduzierte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft aufgrund von aversionsbedingtem Mund-Nasen-Schutz-Vermeidungsbestreben, sozialen Rückzug, herabgesetzte gesundheitliche Selbstfürsorge (bis hin zur Vermeidung von Arztterminen) oder die Verstärkung vorbestehender gesundheitlicher Probleme (posttraumatische Belastungsstörungen, Herpes, Migräne).[31]

Hier gibt es sicherlich noch viel zu forschen. So lange es da noch keine gesicherten Ergebnisse gibt, bleiben unsere Kinder Versuchskaninchen.

Auch die Tatsache, dass Kinder derzeit fast nur noch als Virenträger betrachtet werden, als gefährliche Krankheitserreger, die man deswegen behandeln kann wie Vieh, oder schlimmer noch! Als Laborratten, die jetzt für ein paar Wochen dafür herhalten müssen, ein medizinisch-gesellschaftliches Großexperiment in vivo durchzuführen. Sie werden eben als Virenschleudern oder Versuchskaninchen gesehen und nicht mehr als ganze Menschen mit vielfältigen Bedürfnissen und einer Würde, die nicht antastbar sein sollte – auch diese Tatsache dürfte der seelischen Gesundheit unserer Kinder nicht gerade zuträglich sein.

Wer fängt das auf? Gibt es da etwa schulische Programme, auf die Sorgen der Kinder fachgerecht einzugehen? Zumal es vom wissenschaftlichen Standpunkt gesehen sowieso fraglich ist, ob Kinder wirklich so eine große Rolle beim Verbreiten von Coronaviren zukommt.

Der Verdacht besteht, dass es so ist wie immer. Die Politik ergeht sich in purem Aktionismus. Das ist die Logik: Wenn etwas getan werden kann, dann müssen wir es auch tun, damit man uns nicht hinterher vorwerfen kann, wir hätten nichts unternommen. Nachher werden wir nicht wiedergewählt! Das wäre das schlimmste! Was sind schon ein paar hunderttausend maßnahmeninduzierte Depressionen dagegen, dass wir unsere Posten los sind!

Gesellschaftliche Folgen

Nun, das große Problem bei der ganzen Frage nach Nutzen und Nachteil der Maske ist, dass es bislang fast nur auf das Tragen der Maske für den einzelnen bezogen ist, aber nicht auf die gesamtgesellschaftlichen Folgen. Mit genug Studien kann man vielleicht sogar eines Tages evidenzbasiert darlegen, dass es sicherer ist, Masken generell zu tragen, als auf sie zu verzichten – oder eben andersrum, weil man die Maßnahmenopfer gegen die vermeintlich vor Covid-19 beschützten Risikogruppen hält und dann sieht: Wir haben mehr Schaden angerichtet als verhindert.

Aber was kaum berechnet werden kann, sind die Folgen, die eine solche Maskenpflicht für die gesamte Gesellschaft haben kann, vor allem mittel- und langfristig. Der einzelne mag sich gut mit einer Maske abfinden können – aber wie verhindern wir, dass die bedenklichen Entwicklungen, die wir gerade vor unseren Augen ablaufen sehen, zum Selbstläufer werden und unsere Gesellschaft in den Abgrund reißen werden?

Blindes Vertrauen und Autoritätshörigkeit

Ich sehe folgende Aspekte als gefährliche gesellschaftliche Folgen einer von oben verordneten Maskenpflicht für unsere Kinder; vor allem, wenn der Nutzen derart fraglich ist und die physischen und psychischen Schäden nicht ausgeschlossen werden können:

Eine Kultur des blinden Vertrauens gegenüber den Behörden – wenn die da oben das sagen, dann wird es wohl stimmen! Und wer bin ich, das anzuzweifeln? Oder habt ihr das Gefühl, dass alle Maskenbefürworter all die Studien selber gelesen und ausgewertet haben?

Diese Kultur sagt: wenn wir sagen; dass ihr es tun sollt, dann tut ihr es, egal, wie absurd es scheinen mag. Jemanden zu etwas zwingen können, dass dieser als widersinnig erkannt hat, ist wohl die beste Methode, um ihn zu brechen. Denken wir immer an Voltaires Satz: »Wer in der Lage ist, dich Absurditäten begehen zu lassen, ist auch in der Lage, dich Ungerechtigkeiten begehen zu lassen.«

Diese Kultur sagt: Egal welche Bedenken jemand haben könnte, egal wie groß eure kognitive Dissonanz oder euer double bind ist – wir haben 2-3 Experten hier und 2-3 Studien, das muss reichen, auch wenn die sich selber innerhalb von Monaten widersprechen oder gar nicht vom Fach sind.

Dietrich Bonhoeffer hat es in seinen unsterblichen Worten über die Dummheit so ausgedrückt: »Jede starke äußere Machtentfaltung schlägt einen großen Teil der Menschen mit Dummheit. Die Macht der einen braucht die Dummheit der anderen. Unter dem überwältigenden Eindruck der Machtentfaltung wird dem Menschen seine innere Selbständigkeit geraubt, sodass dieser nun – mehr oder weniger unbewusst – darauf verzichtet, zu den sich ergebenden Lebenslagen ein eigenes Verhalten zu finden. Dass der Dumme oft bockig ist, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass er nicht selbständig ist. Man spürt es geradezu im Gespräch mit ihm, dass man es gar nicht mit ihm selbst, mit ihm persönlich, sondern mit über ihn mächtig gewordenen Schlagworten, Parolen etc. zu tun hat. Er ist in einem Banne, er ist verblendet, er ist in seinem eigenen Wesen missbraucht, misshandelt. So zum willenlosen Instrument geworden, wird der Dumme auch zu allem Bösen fähig sein und zugleich unfähig, dies als Böses zu erkennen. Hier liegt die Gefahr eines diabolischen Missbrauchs.«

Drastische Worte sicherlich, aber wenn man ehrlich ist: Wie intensiv haben denn wohl die Befürworter einer Maskenpflicht all die von mir oben genannten Studien gelesen und ausgewertet? Und wie selbstbewusst – selbstbewusst bis zur Arroganz – sind sie nichtsdestotrotz? Trunken von ihrer eigenen Tugendhaftigkeit und herablassend in ihrer Selbstgerechtigkeit – völlig im Widerspruch zu den Erkenntnissen der Wissenschaft über Nutzen und Nachteil einer Maskenpflicht?

Gegen die Dummheit sind wir wehrlos, sagt Bonhoeffer: »Weder mit Protesten noch durch Gewalt lässt sich hier etwas ausrichten; Gründe verfangen nicht; Tatsachen, die dem eigenen Vorurteil widersprechen, brauchen einfach nicht geglaubt zu werden – in solchen Fällen wird der Dumme sogar kritisch – und wenn sie unausweichlich sind, können sie einfach als nichtssagende Einzelfälle beiseitegeschoben werden.«

Kognitive Dissonanz und double bind

Kognitive Dissonanz also. Diese kognitive Dissonanz besteht übrigens zum einen auch im Doppelstandard, wenn Politiker und Prominente alle Kritiker hetzerisch diffamieren und beleidigen, dann aber selber keine Maske tragen und den Mindestabstand nicht einhalten.

Zum anderen erzeugt es kognitive Dissonanz, wenn die einen Maßnahmen sich mit den anderen beißen: Hochzeiten mit bis zu 150 Menschen sind erlaubt, Sportveranstaltungen mit Zuschauern auch, aber unsere Kinder sollen täglich stundenlang eine Maske tragen.

Und der double bind besteht auch darin: Ja, ihr sollt mündige Bürger sein, die brauchen wir in einer Demokratie, aber ihr sollt auch gegen besseres Wissen gehorchen und euch fügen.

Wie hat Alexis de Tocqueville in »Über die Demokratie in Amerika« gesagt? »Wie sollen Menschen, die es nicht mehr der Gewohnheit, sich selbst zu regieren, vollständig entsagt haben, imstande sein, diejenigen gut auszuwählen, die sie regieren sollen?«

Eine Demokratie braucht also selbstständig denkende und kritische Bürger, um zu funktionieren, aber euch hält man leider für zu beschränkt, sich eigenständig zu informieren, und zu dumm und unselbstständig, für euch selbst zu entscheiden, was ihr für gesund haltet.

Die Demokratie ist nun mal ein Lebensmodell, dessen Verwirklichung Selbst-Beherrschung voraussetzt, wie Gerhard Szczesny sagt. Lassen wir uns die Bedingungen zur Selbst-Beherrschung nicht nehmen, weil man uns mit ihnen die Bedingungen für die Demokratie nimmt.

Eng zu dieser Kultur gehörig ist nämlich eine Mentalität der Hörigkeit, die oft nur vorschnell, in vorauseilendem Gehorsam, das Verordnete umsetzt. Man kann damit zeigen, dass man wirklich keiner von diesen Covidioten ist – einfach Maske auf, neue Regelung beachten, schon hat man seine Identität ein weiteres Stück gefestigt und Komplexität reduziert.

Auch wenn es nur eine Empfehlung ist – aus der wird dann schnell eine Pflicht. Und dass man diese „Empfehlungen“ niemals hinterfragen darf, wie Lothar Wiehler es so schön ausgedrückt hat, kommt dann gleich mitgeliefert. Und das, obwohl nachgewiesenermaßen keine der bisherigen nicht pharmazeutischen Interventionen dieses Staates einen wirklichen Einfluss auf das Infektionsgeschehen hatte! Die Verantwortlichen dieser Maßnahmen haben nachgewiesenermaßen eine extrem schlechte Erfolgsbilanz – und wenn die gleichen Leute unseren Kindern Masken aufzwingen, nickt ihr das einfach ab?

Eine Kultur des blinden Vertrauens trifft auf eine Mentalität der Hörigkeit – aber hey, was soll schon groß schiefgehen?

Die Abschaffung der Verantwortung

Die nächste gesamtgesellschaftliche Folge von Maskenpflichten ist die Abgabe von Selbstbestimmung und Eigenverantwortung. Früher – die älteren unter euch erinnern sich vielleicht noch – war es so, dass man vor allem selber auf seine Gesundheit, die seiner Mitmenschen und die der eigenen Kinder geachtet hat; das ist jetzt dabei, sich umzukehren. Da der Staat das Gesundheitssystem so an die Wand gefahren hat, dass es nicht mal eine lange vorhergesagte Pandemie aushält, muss er jetzt auch noch allen reinreden, wie sie sich zu verhalten haben – eigentlich über Jahrhunderte entwickelte Kulturtechniken und Hygiene und Anstandsregeln, die jetzt nicht mehr die Gesellschaft selber, sondern der Staat mit seinen Experten vorgibt.

Wo ist die Grenze?

Und wenn man dann gegen diese Umkehr von Verantwortung und die Aussetzung von Selbstbestimmung protestiert, heißt es: »Mimimi, was ist denn schon dabei, ist doch nur ein Stück Stoff für ein paar Minuten!« Und wenn man den Leuten erzählen würde, ein Tütü und ein Cockring würde helfen, dann würden sie es auch tun. Und sie würden wiederum von anderen verlangen, zu beweisen, dass es nichts bringt, und solange man da keinen Berg an Forschungsliteratur anschleppen kann, der die Nicht-Effizienz eines Barcode-Tattoos auf der Stirn oder eines Orangennetzes vor der Nase beweist.

Aber wo ist die Grenze der Absurdität? Ab wann geht euer vertrauensvolles Abnicken und eure Autoritätshörigkeit in puren Aberglauben über? Oder wollt ihr mir erzählen, ihr hättet vorher alle Studien zu Wirkungen und Nebenwirkungen des Mund Nasen Schutzes recherchiert und evaluiert?

Wo ist die Grenze der Maßnahmen, die man euch unter dem Zeichen der Wissenschaftlichkeit oktroyieren kann? Ab wann ist denn die Würde des Kindes tatsächlich angetastet – erst wenn das ganze so aussieht wie in Thailand, wo Kinder in Plastikboxen eingesperrt werden, oder schon vorher? Vielleicht, wenn ARD und ZDF ein Spiel rausbringen, wo man in die Rolle einer Krankenschwester schlüpfen muss, um sich durch »eine Armee von Vollidioten und Virenschleudern« durchzukämpfen?[32] Oder heiligt der Zweck auch hier die Mittel?

Wir sind derzeit Zeugen und Teilnehmer des ersten globalen Echtzeit-Milgram-Experiments des 21. Jahrhunderts. Eine Maske scheint erstmal noch nicht so schädlich, sie tut doch niemandem weh, sie wirkt nicht so gefährlich wie eine Spritze oder ein Messer – das sind vielleicht erst 50 Volt. Aber wenn wir die erst einmal akzeptiert haben, dann gehen wir leichter auch noch weiter zur nächsten, etwas schädigenderen Maßnahme – zur Maskenpflicht für Kinder, und wenn wir die akzeptiert und durchgesetzt haben, gegenüber unseren Schutzbefohlenen – und uns dabei immer auf die Autorität der Männer in den weißen Kitteln berufen haben, schließlich haben die doch jegliche Verantwortung übernommen. Was kommt als nächstes? Maskenpflicht für Säuglinge? Kinder in Plastikwürfeln? Die Inobhutnahme von Kindern durch den Staat, wenn man der Isolation eines kranken Kindes nicht nachkommt? Die Abschaffung von Bargeld aus Infektionsschutzgründen? Ein staatlicher Impfzwang auch für Grippe, Coronaviren, jedes Jahr erneuert, und bei Hinterfragen oder Zuwiderhandlung härteste Sanktionen, im Namen des Gemeinwohls freilich? Und dann? Die Veränderung von Genmaterial? Und dann? Dass die Teilnahme am öffentlichen Leben, am Wählen, am Arbeitsleben von deinem Impfstatus abhängig gemacht wird? Wo ist eure Grenze? Wann steigt ihr aus?

Vom Symbolismus der Masken

Darüber hinaus haben die Masken einen deutlichen symbolischen Wert, der bei der ganzen Diskussion nicht unterschlagen werden sollte. Man guckt oft gerne nur auf Nutzen und Nachteil, was die physische und die psychische Ebene angeht, soweit sie wissenschaftlich zu messen sind. Aber neue und verbreitet auftretende Phänomene haben auch immer ein Symbolcharakter, der eine ganze Gesellschaft prägen und verändern kann.

Zum einen liegt der symbolische Charakter der Maske in einer Art Aberglaube, sodass man sie benutzt wie einen Glücksbringer oder einen Talisman – das ist sogar von den Gesundheitsämtern größte zugegebene Nutzen – die Maske hält zwar keine Viren ab, aber sie erinnert dich daran, vorsichtig zu sein – wie ein Medaillon, dass man vor einer schwierigen Situation berührt, wodurch man selber aufmerksamer wird und die Situation besser meistert.

Zum anderen hat die Maske den symbolischen Wert, dich an deine Unterdrückung zu erinnern, sobald du selber der Meinung bist, dass sie gar nichts bringt – weil du dich informiert hast.

Wenn die Partei sagt, dass ein Maskenzwang hilft, dann ist es so. Es genügt auch nicht, es nur zu sagen und dabei zu lügen, man muss es wirklich glauben. Die Maske wird dann zum Symbol für das Zwiedenken: man schaltet ständig zwischen zwei Wahrheiten hin und her – die Maske hilft – die Maske hilft nicht…

Und am Schluss sagt die Partei: »Die Naturgesetze machen wir.«

Drittens liegt der symbolische Wert der Maske darin, dass sie den ethischen Charakter ihres Trägers anzeigt. Die Maske ist mehr und mehr zu einem Indikator für Tugendhaftigkeit geworden – man muss keinen anstrengenden politisch-ideologischen Button mehr tragen – Anti-Atomkraft, Fuck AfD, PACE – sondern kann es einfach mit einer Maske zeigen. Dann ist allerdings so ein Maskenzwang wieder kontraproduktiv, weil man sich dann nicht so tugendsam von anderen absetzen und sie missbilligend anblicken kann.

Eine Maske erzählt uns mehr als ein Gesicht

So erfüllt die Maske auch einen identifikatorischen Zweck: Ich gehöre zu den Guten, den Solidarischen, und alle anderen sind rücksichtslose Egoisten, wie ich es immer vermutet habe, denn die Menschen sind gierig und schlecht; nur ich nicht und die Leute auf meiner Seite. Die Maske wird nicht nur zu einem Talisman, sondern sogar zu einem pseudoreligiösen Wiedererkennungszeichen, dem Sinnzeichen einer neuen Glaubenslehre, mit dem ich neue Gläubige hinter mir versammeln kann: in hoc signo vinces. Das Bekenntnis dieser Religion lautet: Credo quia absurdum est. Es ist zwar widersinnig, aber genau deswegen glaube ich es. Das darf man natürlich selber nicht wissen, das geschieht unbewusst. Wie Fontane sagt: »Wer nicht weiß, dass er eine Maske trägt, trägt sie am vollkommensten.«

Zudem ergibt sich so auch ein Rückkopplungsverfahren: Die Einhaltung der Gesetze wird zu einem Zeichen für die Macht der Gesetzgeber, die dann wiederum neue, drastischere Gesetze beschließen können. Wie es Gerhard Szczesny mit Bezug auf den »nur eine Doktrin duldenden Kommunismus« ausgedrückt hat: »Die solidarische Basis erzwingt den solidarischen Überbau und der auf Konformität angelegte Überbau die konforme Basis.«

Für die anderen aber, die Befehlsempfänger, für die Heidenkinder, die den Glauben noch nicht annehmen können, wird die Maske, wie das christliche Kreuz auch zu einem Symbol der Doppelmoral und der Heuchelei, wenn sie eben nur als Ausweis von Tugendhaftigkeit vor sich hergetragen wird wie eine Monstranz, von den Religionsvertretern aber nicht wirklich ernst genommen wird, wie der Fall Steinmeier und Niedecken zeigen.

Und die Ungläubigen, die Corona-Ketzer, empfinden die Maske als Mittel der Spaltung, die durch unsere Gesellschaft geht, als Anzeichen für das Stockholm-Syndrom der Coronazis und auch als Möglichkeit, geheime Zeichen zu senden. Wie es in Diktaturen der Fall ist, entwickelt sich dann eine Art Geheimcode, um Dissidenz und Rebellentum anzuzeigen: Wenn man die Maske etwa nur halb trägt, nachlässig, nicht über der Nase, oder wenn man sie ein paar Sekunden später anzieht als alle anderen, ob man einen frechen Spruch draufgedruckt hat, oder wenn man sich selber eine aus Schminke bastelt. Eine Maske erzählt uns mehr als ein Gesicht, wie Oscar Wilde sagt.

Shifting baselines

Im Großen und Ganzen aber ist die Maskenpflicht ein Test: Was tust du, wenn die Forschungslage der Politik widerspricht? Was tust du, wenn du begründete Bedenken bei der Umsetzung einer Vorschrift hast? Wem bist du verpflichtet – der Autorität, dem Gemeinwesen, der Wahrheit, deinen Nächsten, deinem Gewissen?

Wovor man warnen muss, ist das, wovor Linksintellektuelle eigentlich immer mit gutem Grund gewarnt haben: vor einer langsamen Entwicklung unsere Gesellschaft in den Abgrund hinein. Wir gewöhnen uns immer mehr an Dinge, die noch vor Jahren, eigentlich noch im letzten Jahr für völlig undenkbar gehalten worden wären: Tracing Apps, Drohnenüberwachung, ausufernden Bürokratismus, Denunziantentum, Eingriff in private Kommunikation, in die Privatsphäre, in die eigene Wohnung, in die Kindererziehung, Zensur, Impfzwang, Immunitätsnachweise etc.

Auf einmal gibt es das alles im freien Westen, und unsere Kinder wachsen damit auf. Das sind genau die shifting baselines, von denen zum Beispiel Harald Welzer bezüglich der Smartphones gesprochen hat.

All die gibt es jetzt, und wo unsere kritischen Köpfe vor Jahren noch aufmerksam waren, als es darum ging, den schädlichen Einfluss der Unterhaltungsindustrie, der Elektronik, der Bildschirme, der Medien oder der Anti-Terrorgesetze anzuprangern, sind sie jetzt weitgehend still, wenn global in einer nie dagewesenen Beschleunigung unbefristet derart drastische Maßnahmen notstandsgesetzlich verordnet werden, dass sich Orwell und Huxley in ihren Gräbern umdrehen würden – und wenn sie es tun, werden sie nicht zu den prometheischen Warnern, sondern zu den covidiotischen Wirrköpfen gezählt.

Es ist eine langsame und bedenkliche Entwicklung, die durch Gewöhnung an die neue Normalität geschieht. Wenn ihr mal daran denkt, wie uns noch im März die Vorstellung, in der Öffentlichkeit eine Maske zu tragen, total befremdlich vorkam – und jetzt, fünf Monate später, gehört es schon zum total normalen Straßenbild und die meisten haben es akzeptiert. So schnell geht das. Und so geht es auch mit allen anderen Neuerungen. Ein gesellschaftlicher Klimawandel, wenn man so will, und irgendwann ist auch da ein Kipppunkt erreicht. Der ungarische Schriftsteller Arthur Koestler hat es so ausgedrückt:

»Da die Freiheit eine Sache der Gradunterschiede ist, so besteht die große Gefahr, dass diejenigen, welche nicht durch Erfahrung immun geworden sind, unmerklich in die aufeinanderfolgenden Grade von Unfreiheit hineingleiten. Dies gilt für unsre ganze westliche Zivilisation. Die großen Geschichtskatastrophen, wie der Zerfall Roms, kamen nicht in einem lauten Krach, sondern sie waren wie ein sachtes Abwärtsgleiten, das Jahrhunderte oder Jahrzehnte andauern kann.«

Ein sachtes Abwärtsgleiten. Daran gewöhnen uns gerade, und die Maskenpflichten sind da nur ein sehr sichtbares Zeichen. Wir gewöhnen uns an ein Durchregieren durch Verordnungen, die nicht mehr parlamentarisch legitimiert und nicht mehr von einer unabhängigen vierten Macht im Staat, der Presse, kritisch beäugt werden. Wir erleben, wie der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts Hans-Jürgen Papier ausgedrückt hat, eine Erosion des Rechtsstaates.

Mehr Technokratie wagen?

Wir gewöhnen uns ein eine Expertokratie, in der Sachzwänge vorgeschoben werden, um das Regierungshandeln zu begründen. Die Technokratie, der technische Staat, wie ihn Helmut Schelsky schon in den 60er Jahren vorausgesehen hat, ist die perfekte Ausrede für die Entmündigung der Bürger und die Entsubstanzialisierung der Demokratie. Nicht mehr der Wille des Volkes zählt, sondern das, was die Technologie an Möglichkeiten bereitstellt. Wenn es Stofflappen sind, werden die eben aufgezwungen, wenn es Impfstoffe sind, sind es eben die. Diese Technik verändert nicht nur die Politik, sondern auch die gesamte Gesellschaft. Wir gewöhnen uns an die Beweislastumkehr, dass wir die Gefährlichkeit technischer Neuerungen erstmal beweisen sollen, bevor wir gegen eine Maßnahme sein dürfen.

Der amerikanische Medienwissenschaftler Neil Postman hat das in »Die Verweigerung der Hörigkeit« so beschrieben:

»Ein Konservativer erkennt, dass es einen Unterschied zwischen Vergewaltigen und Verführen gibt. Dem Vergewaltiger ist sein Opfer gleichgültig, Der Verführer muss auf den Willen und das Temperament des Objekts seiner Wünsche eingehen. Er will gar kein Opfer, er will eine Mitverschworene. Die Technik kann eine Kultur vergewaltigen, sie kann aber auch dazu gebracht werden, diese Kultur zu verführen. Das Ziel des wirklichen Konservativen in einem technischen Zeitalter besteht darin, die Wut der Technik unter Kontrolle zu bringen, darauf zu bestehen, dass sie sich dem Willen und dem Temperament eines Volkes anpasst.«

Im Moment wird das Volk allerdings dazu gezwungen, sich der Technik anzupassen, auch wenn die in diesem Fall nur aus einem Fetzen Stoff besteht. Die elaborierten Techniken stehen schon bereit und warten darauf, eingesetzt zu werden.

Vom wahren Wert der Wissenschaft

Wir gewöhnen uns, was das Thema Technokratie angeht, auch an ein recht seltsames Verhältnis von Wissenschaft und Politik. Wissenschaft und Forschung sind auf einmal nicht mehr interesselose, an Wahrheit und Erkenntnis interessierte Veranstaltungen, sondern ideologisch geprägt und unfrei. Wenn eine Erkenntnis nicht in die Agenda passt, wird sie verschwiegen und ihr Bote mundtot gemacht. Es gibt dann eine „gute“ Wissenschaft und eine „böse“ – die, die die falschen Resultate produziert. Die wahre Moralität der Wissenschaft liegt allerdings in ihrer Methode, wie der französische Philosoph Julien Benda einst gesagt hat: in der der Methode, die uns zu ständiger Selbstüberwachung, zu beharrlicher Zurückweisung verführerischer Ansichten und zu unablässigem Widerstand gegen die schnell erlangte Befriedigung zwingt; darin besteht der Wert der Wissenschaft: in der unbestechlichen kritischen Methode, nicht in ihrem Gebrauch, den die Menschen von der Wissenschaft machen, der beschert ihnen, je nach ihrer Moralität, ein Mehr an Freiheit oder an Elend.

Ob wir ein Mehr an Freiheit oder an Elend gewinnen, liegt also nicht an der Wissenschaft, sondern allein an uns, unserem kritischen Geist und unserer ständigen Selbstüberwachung und Selbstprüfung.

Die Kultur der Angst

Und wir gewöhnen uns nicht zuletzt an eine Mentalität des Denunzierens und Verdächtigens, sowie an eine Kultur der Angst. In einer Welt, in der der Wunsch frische Luft zu atmen, schnell im Verdacht einer Straftat steht, wachsen unsere Kinder mit der Angst auf, ein todbringender Virenträger zu sein, während unsere Politiker das Gefühl bekommen, im Namen der Wissenschaft würde der Zweck jedes Mittel heiligen, und die Kritiker dieser Entwicklung Angst um ihre Karriere haben müssen.

Als ich die ganzen Studien zur Effektivität von Masken letztens auf Instagram gepostet habe, wurde ich doch tatsächlich gefragt, ob ich mir das denn leisten könne, ob ich das überhaupt dürfe, als Lehrer. Und ich habe erstmal beruhigt und gesagt, so schlimm ist es ja Gott sei Dank noch nicht, das wird man ja wohl noch posten dürfen. Aber dann war ich selber erschrocken, dass mir diese Frage so selbstverständlich erschien. Im Grunde ist diese Frage ein Armutszeugnis für eine freie Gesellschaft, ein Skandal, eine Frechheit!

Dass es mir selber sogar mutig erschien, auf wissenschaftliche Studien zu verweisen, die der Regierungslinie widersprechen. Ich war unbewusst davon ausgegangen, dass man sich total auf dünnes Eis begibt, wenn man auf diese bereits existierenden, empirischen und peer reviewten Studien verweist, als wäre es schon normal, dass man sich das nicht leisten darf. Das hat mich dann wirklich erschreckt. Sind wir schon so weit? Dass es zur neuen Normalität gehört, dass wir es mutig finden, wenn jemand eine Studie weiterleitet, die das Handeln der Regierung in Frage stellt? Haben wir uns da etwa schon dran gewöhnt?

Was ist Aufklärung

All dieser Prozesse, die gerade irre schnell vor unser aller Augen ablaufen, sollten wir uns bewusst sein. Wir sollten uns zu ihnen verhalten, das heißt eine informierte Entscheidung treffen, soweit sie uns noch möglich ist. Das Tragen der Maske ist da nur eine Vorstufe, ein Test und ein Symbol dafür, ob du der aufgeklärte Bürger bist, den ein demokratischer Rechtsstaat braucht, oder ob du dich im Zustand der Unmündigkeit befindest. Unmündigkeit, sagt Immanuel Kant, ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn ihre Ursache nicht am Mangel des Verstandes, sondern am Mangel des Entschlusses und am Mangel des Mutes liegt, sich des eigenen Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. »Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!«

Solidarität zweiter Ordnung

Ein abschließender versöhnlicher Gedanke für alle: Egal, wie ihr zu Masken und Maskenzwang steht: Eine freie Gesellschaft besteht immer zwei Sphären, wie Gerhard Szczesny es beschrieben hat: der der Individualität und Differenz, sowie der des Zusammenhalts und der Solidarität.

Eine freiheitlich-demokratische Politik muss immer zwischen diesen beiden Sphären vermitteln. Recht auf freie Entfaltung hier, Solidarität da. Die pluralistische Gesellschaft kann als Staat und Gemeinwesen nur dann existieren, wenn es eine Sphäre gibt, in der ihre Angehörigen nicht als Vertreter verschiedener fremder und feindlicher Glaubensstandpunkte zusammentreffen, sondern als Menschen, die der gleichen Kultur entstammen und den gleichen sozialen und individuellen Problemen gegenüberstehen. Ob ihr nun der Meinung seid, dass eine Maske hilft und ein Zeichen von Solidarität ist, und ihr sie tragen möchtet, weil sie für euch wenig schädliche Nebenwirkungen hat, oder nicht: Auch das ist nämlich Solidarität: in einer Sphäre mit den Vertretern verschiedener feindlicher Glaubensstandpunkte zusammenkommen, und mit ihnen im Gespräch bleiben. Auch das ist gesellschaftlicher Zusammenhalt, auch das ist Bindung. Solidarität zweiter Ordnung sozusagen. Diese Solidarität versteht sich durchaus nicht von selbst. Es ist ein langwieriger und schwieriger Prozess, eine langsame Entwicklung, die wir der langsamen Entwicklung in den Abgrund entgegenstellen müssen.

Daher frage ich zum Abschluss in den unsterblichen Worten von Jean-Jacques Rousseau: »Bisher habe ich viele Masken gesehen; wann werde ich menschliche Gesichter sehen?


[1] https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/coronavirus/zustimmung-corona-massnahmen-1769540 (zuletzt geprüft am 10.09.2020)

[2] https://www.ox.ac.uk/news/2020-07-08-oxford-covid-19-study-face-masks-and-coverings-work-act-now# (zuletzt geprüft am 10.09.2020)

[3] http://ftp.iza.org/dp13319.pdf (zuletzt geprüft am 10.09.2020)

[4] https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(20)31142-9/fulltext (zuletzt geprüft am 10.09.2020)

[5] https://www.berliner-zeitung.de/gesundheit-oekologie/experte-es-war-nicht-einfach-die-schutzwirkung-von-masken-zu-beweisen-li.96920 (zuletzt geprüft am 10.09.2020)

[6] https://www.dailymail.co.uk/debate/article-8537489/PETER-HITCHENS-Face-masks-turn-voiceless-submissives.html ; https://mobile.twitter.com/ClarkeMicah/status/1282987860090593280 (zuletzt geprüft am 10.09.2020)

[7] https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.03.30.20047217v2 zuletzt geprüft am 10.09.2020)

[8] https://wwwnc.cdc.gov/eid/article/26/5/19-0994_article (zuletzt überprüft am 10.09.2020)

[9] https://www.cebm.net/covid-19/masking-lack-of-evidence-with-politics/ (zuletzt überprüft am 10.09.2020)

[10] https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0925753520303210 (zuletzt überprüft am 10.09.2020)

[11] https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.04.01.20049528v1 (zuletzt geprüft am 10.09.2020)

[12] https://www.cidrap.umn.edu/news-perspective/2020/04/commentary-masks-all-covid-19-not-based-sound-data (zuletzt geprüft am 10.09.2020)

[13] https://ameci.org.br/wp-content/uploads/2019/12/radonovich2019N95masks.pdf (zuletzt geprüft am 10.09.2020)

[14] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26952529/ (zuletzt geprüft am 10.09.2020)

[15] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22188875/ (zuletzt geprüft am 10.09.2020)

[16] https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMp2006372 (zuletzt geprüft am 10.09.2020)

[17] http://www.asahi.com/ajw/articles/13523664 (zuletzt geprüft am 10.09.2020)

[18] https://www.youtube.com/watch?v=Xgh9r5_qSUU (zuletzt geprüft am 10.09.2020)

[19] https://www.youtube.com/watch?v=Z3Zth7KYVHY (zuletzt geprüft am 10.09.2020)

[20] https://www.n-tv.de/panorama/Tegnell-zweifelt-Nutzen-von-Masken-an-article21962515.html (zuletzt geprüft am 10.09.2020)

[21] https://www.aerztezeitung.de/Politik/Montgomery-haelt-Maskenpflicht-fuer-falsch-408844.html (zuletzt geprüft am 10.09.2020)

[22] https://www.welt.de/politik/ausland/plus212766705/Corona-Pandemie-Keine-Maskenpflicht-Der-Sonderweg-der-Niederlande.html (zuletzt geprüft am 10.09.2020)

[23] https://bmjopen.bmj.com/content/5/4/e006577 (zuletzt geprüft am 10.09.2020)

[24] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29395560/ (zuletzt geprüft am 10.09.2020)

[25]https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15340662/#:~:text=Wearing%20an%20N95%20mask%20significantly,17%20patients%2C%20p%20%3C%200.001) (zuletzt geprüft am 10.09.2020)

[26] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31159777/ (zuletzt geprüft am 10.09.2020)

[27] https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2214031X18300809

[28] https://bmjopen.bmj.com/content/5/4/e006577 (zuletzt geprüft am 10.09.2020)

[29]https://www.researchgate.net/publication/28219427_Preliminary_report_on_surgical_mask_induced_deoxygenation_during_major_surgery (zuletzt geprüft am 10.09.2020)

[30] https://www.technocracy.news/dentists-warn-of-harmful-mask-mouth-disease/ (zuletzt geprüft am 10.09.2020)

[31] https://www.psycharchives.org/handle/20.500.12034/2751 (zuletzt geprüft am 10.09.2020)

[32] https://www.youtube.com/watch?v=hb5x-kVA0uA (zuletzt geprüft am 10.09.2020)

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