14 Fragen (Frage 2: Kritische Gegenstimmen)

Frage 2

Kritische Gegenstimmen

Im internen Strategiepapier des Bundesinnenministerium vom März 2020 steht geschrieben, welches verheerende Szenario der Gesellschaft bei anhaltenden Lockdown-Maßnahmen droht. Hierbei wird der drastische Begriff „Kernschmelze“1 verwendet. Auch eine Wirtschaftskrise von gravierendem Ausmaß wird im Strategiepapier beschrieben.2

Wieso werden bei einer so prekären Entwicklung, wie sie die Regierung für möglich hält, Vorschläge renommierter Wissenschaftler nicht gehört und deren Studien nicht berücksichtigt, um der oben beschriebenen „Kernschmelze“ entgegenzuwirken?

Möglichkeiten hierfür haben beispielsweise das Positionspapier „Evidenz- und Erfahrungsgewinn im weiteren Management der COVID-19-Pandemie berücksichtigen“ der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sowie der Virologen Professor Hendrik Streeck und Professor Jonas Schmidt- Chanasit mit der Unterstützung zahlreicher Ärzteverbände entworfen.

Auch das 49-seitige Thesenpapier „Zur Notwendigkeit eines Strategiewechsels“ der Autorengruppe um Professor Matthias Schrappe von der Universität Köln wurde scheinbar nicht beachtet.3

  • Wieso hat man in Anbetracht der dramatischen Situation solche Stimmen der Wissenschaft nicht angehört, um mit größter Sorgfalt und genauem Abwägen von Alternativen ein „langes Leiden“ der Gesellschaft zu verhindern?
  • Wieso werden für weitreichende Entscheidungen fast ausschließlich Experten hinzugezogen, die die Linie der Bundesregierung (BKK-Chef Franz Knieps spricht hier sogar von einer im Kanzleramt vorherrschenden „Bunkermentalität“) stützen?

Der renommierte Professor für Epidemiologie und Statistiker an der Stanford University John Ioannidis, der laut der „Berliner Einstein Stiftung“ zu den zehn meist-zitierten Wissenschaftlern der Welt gehört, hat die Wirksamkeit von Lockdowns in zehn Ländern untersucht. In der im Januar 2021 vorgelegten Studie „Bewertung der Auswirkungen der Quarantäne und der Schließung von Unternehmen auf die Verbreitung von COVID-19“ kommt er mit seinem Forscher-Team u. a. zu dem Ergebnis, dass „der Anteil der COVID-19-Todesfälle in Pflegeheimen unter strengeren Lockdown-Maßnahmen häufig höher war als unter weniger restriktiven Maßnahmen“. Außerdem würden Ladenschließungen keinen signifikanten Nutzen hervorbringen.4

John P. Ioannidis
  • Warum findet die Studie eines so anerkannten Fachmannes kaum Beachtung in den deutschen Leitmedien?
  • Wieso wird Ioannidis in den wenigen medialen Reaktionen reflexartig als Corona-Verharmloser diskreditiert und von der Bundesregierung sogar komplett ignoriert?5

Anmerkungen:

  1. Hier die im Papier (S. 8) vorgestellte Prognose: „Sollten die hier vorgeschlagenen Maßnahmen zur Eindämmung und Kontrolle der COVID-19-Epidemie nicht greifen, könnte im Sinne einer „Kernschmelze“ das gesamte System in Frage gestellt werden. Es droht, dass dies die Gemeinschaft in einen völlig anderen Grundzustand bis hin zur Anarchie verändert.“
  2. Dementsprechend steht im Strategiepapier: „Die COVID-19-Krise greift breiter in das Wirtschaftsleben ein [Anm.: als die Finanzkrise 2009], trifft ebenso Dienstleister und wird damit stärker auf den Arbeitsmarkt wirken. Gleichzeitig konnten die Stabilisierungsmaßnahmen 2009 auf den Finanzsektor als systemrelevantes Schlüsselelement konzentriert werden. Eine solche „Quarantäne“ eines Sektors ist bei COVID-19 unmöglich. Selbst bei vergleichbaren Schrumpfungsraten wird die COVID-19 -Krise breiter, tiefgreifender und länger sein als die Finanzkrise.“ (siehe S. 9-11)
  3. Hier wurde u. a. vorgeschlagen, „die Ergänzung allgemeiner Maßnahmen durch Zielgruppen-spezifische Maßnahmen, stärker zu berücksichtigen“. Erstrebenswert sei ein zivilgesellschaftlicher „Aufbruch, der den Schutzgedanken in den Mittelpunkt stellt, die gesellschaftliche Innovationskraft fördert und die Bürgerinnen und Bürger nicht zum Adressaten von Aufforderungen zur passiven Kontaktminimierung degradiert.“
  4. Weiterhin heißt es in der Studie: „[…] wir finden keinen zusätzlichen Vorteil von Anweisungen, zuhause zu bleiben, oder von Geschäftsschließungen. Die Daten können zwar die Möglichkeit von ein paar Vorteilen nicht vollständig ausschließen. Doch selbst wenn diese [Vorteile] existieren, können sie nicht die zahlreichen Schäden dieser aggressiven Maßnahmen aufwiegen. Gezieltere Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit, mit denen die Ansteckungen wirksamer reduziert werden, können für die künftige Seuchenbekämpfung wichtig sein, ohne dass Schäden wie bei den sehr restriktiven Maßnahmen entstehen.“ ( siehe S. 11)
  5. Man warf Ioannidis beispielsweise vor, dass er mit seiner Studie nur die Lockdown-Statistiken der ersten Welle berücksichtigt habe. Doch kann ein solcher Vorwurf gerechtfertigt sein, wenn doch die Daten der zweiten Welle aktuell noch gar nicht vorliegen können?

Ein Kommentar

  1. „Der Wolf kommt! Der Wolf kommt!“ , ruft die Regierung.
    „Kommt kein Wolf“, sagt John P. Ioannidis, und dabei kennt er Ralf König wahrscheinlich gar nicht.
    Aber die Bevölkerung schiebt schon mal Panik, der Wolf könnt ja schon da sein, oder aber gewiss bald nachkommen, wie die Regierung ja immer wieder ruft. Würd‘ die Regierung so aufgeregt rufen, wenn gar kein Wolf käme? Siehste.
    Der Wolf ist an der Regierung.

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