Die Nashörner

In seinem Theaterstück „Die Nashörner“ beschreibt der französisch-rumänische Dramatiker Eugène Ionesco, wie sich Menschen nach und nach in Nashörner verwandeln. Eine imaginäre Epidemie, die „Rhinoceritis“, greift um sich – eine Krankheit, die alle Bewohner einer Stadt in Angst und Schrecken versetzt und sie bald in Nashörner verwandelt. Dies wird aber nur von wenigen wahrgenommen. Alle, die sich verwandelt haben, schließen sich wie selbstverständlich der Nashornherde an, die durch die Straßen stürmt – aus Opportunismus, Herdenmentalität, aber auch aus Angst.

Weder Warnungen noch deskriptive Hinweise der Hauptfiguren des Stückes können daran etwas ändern; im Gegenteil – sie verschlimmern die Situation dieser Figuren, da ihnen nicht geglaubt wird.

Wikipedia

Nur ein einziger, der Protagonist Behringer, widersteht dieser Entwicklung; er bleibt am Ende der einzige Nicht-Verwandelte

„Die Bedrohung der bürgerlichen Gesellschaft durch eine wie aus dem Nichts auftauchende, alle humanen Grundwerte pulverisierende Kraft wird zuerst verleugnet, dann verharmlost und schließlich implizit oder explizit gerechtfertigt.
Je mehr rechtschaffene Bürger sich nach und nach in schnaubende Viecher verwandeln, die rücksichtslos alles niederwalzen, was ihnen im Weg steht, desto größer wird die Bereitschaft der noch nicht Transformierten, in diesen Horden auch die guten Seiten zu sehen – oder zumindest aus der bloßen Tatsache ihres Daseins eine gewisse Legitimität ihres Soseins abzuleiten. […] Ionesco war einer der wenigen Autoren, die das Irrationale als eine autonome Macht ernst genommen haben, die keine Begründung außerhalb ihrer selbst braucht. Nur aber, wer sich nicht in der illusionären Sicherheit wiegt, die Vernunft werde sich am Ende doch immer schon irgendwie durchsetzen, hat eine Chance, ihren Todfeinden erfolgreich zu widerstehen.“ (Richard Herzinger)

Als Metapher für den Aufstieg des Totalitarismus thematisieren „Die Nashörner“ den grassierenden Konformismus und die Schwierigkeiten des Widerstands gegen eine gefährliche Entwicklung, die nach und nach die gesamte Gesellschaft erfasst.

Ionesco zeigt, dass die eigentliche Gefahr in der Passivität der zivilisierten Gesellschaft und ihrer heimlichen Sehnsucht liegt, sich von einem die Verhältnisse scheinbar radikal vereinfachenden Prinzip überwältigen zu lassen.

Richard Herzinger

2 Gedanken zu “Die Nashörner

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s