Die Banalität des Bösen oder die neue Normalität. Hannah Arendt neu gelesen

von Peter Urbansky

Gibt’s den großen Plan? Ist er nicht mit dem „Great Reset“ des World Economic Forum sogar offen erklärt? Existiert eine mächtige „Kabale“ finanzstarker, frustrierter, böser Frauen (vor allem Frauen) und Männer? Die ihren Hass über alles Offene, Tatenfrohe, Produktive, Private und Unkontrollierte ausgießen? Wie ein klebriges Gift, das jede freie Initiative ersticken, erdrücken und deformieren soll, zu einer amorphen, kultur- und identitätslosen Masse? Kommt diesen „Bilderbergern“ das Coronavirus nicht gerade recht für ihren teuflischen Plan oder haben sie es gar selbst verbreitet? Sei es nun als medizinische oder politische Seuche? Was spricht dafür?

Zunächst einmal ist augenfällig, dass der Begriff „Verschwörungstheoretiker“ innerhalb kürzester Zeit vollkommen auf den Kopf gestellt wurde. Früher (als alles noch besser war) waren Verschwörungstheoretiker echt witzige aber durchgeknallte Typen. Und sofort als solche erkennbar! Schon für Leute mit durchschnittlicher Hirntätigkeit.

Heute gilt als Verschwörungstheoretiker bereits jemand, der einfach nur Beipackzettel von medizinischen Produkten zitiert oder sich auf Daten anerkannter Institute, Behörden und Wissenschaftler beruft. Wohlgemerkt, die Rede ist von offiziellen Daten und Informationen, die gänzlich interpretationslos für sich sprechen. Sie müssen nicht in einen bestimmten (verschwörerischen) Zusammenhang gestellt werden, sondern ergeben die Zusammenhänge von sich aus. Sowas gilt neuerdings als „Rechtspopulismus“ gefährlicher „Wirrköpfe“ – günstigstenfalls! Für kritische Zeitgenossen mit Hirnfunktion ist dieser offizielle Verschwörungstheoretiker nicht mehr als solcher erkennbar.

Dann sind da noch so Kleinigkeiten wie die Einschränkung von Grundrechten ohne Not und vor allem ohne parlamentarisches Prozedere. Vor 30-50 Jahren gehörte die Vermittlung, was von solchen Zuständen zu halten ist, noch zum selbstverständlichen Lehrauftrag an allen Schulen und Hochschulen. „Währet den Anfängen“ war die Formel, die allen Pennälern (und allen Rundfunkteilnehmern) bis zur Entnervung vorgebetet wurde.

Die selben Figuren, die damals den zivilen Ungehorsam zu des Genossen erster Bürgerpflicht erhoben und den Marsch durch die Institutionen mittlerweile vollendet haben, verbitten sich heute jeden Ungehorsam gegen den „Staat“ im allgemeinen und gegen Maßnahmen, Einschränkungen und „unkorrekte“ Meinungsäußerungen im Besonderen. Und (wie einst im Mai) eilt eine staunenswert gleichgerichtete, servile Presse gehorsam voraus, um mit krummem Buckel, das verhüllte Gesicht im Staub, teils gar in bewährter Stürmermanier, auf alles und jeden einzutreten, der sich der coronaren Häresie verdächtig macht. Der Presserat vegetiert stumm als nutzloses Ornament dahin, völlig dominiert von der Bundespressekonferenz (früher Reichspressekonferenz).

All das hätte schon bei einer flüchtigen Prüfung (durch Journalisten, Politiker, Künstler und „mündige Bürger“) vor nicht einem halben Menschenalter den Verdacht einer aufkeimenden Diktatur erregt. Heute denunziert eine kleine Junta von Kulturwächtern (früher Reichskulturkammer) den Begriff Corona-Diktatur als „Unwort“ des Jahres.

Da ist es kein Wunder, wenn immer mehr vom Dauerlockdown zur Wohnhaft Verurteilte vermuten, dass ein paar Mächtige Teufel/innen im verborgenen die Ausrottung von Wirtschaft, Kultur, Demokratie und der Menschheit überhaupt planen.

Was spricht dagegen? Zunächst mal, dass es sich nicht um Teufel/innen handelt, sondern, was wesentlich schlimmer ist: um Frauen und ein paar Männlein. Wenn sie sich versammeln, um auf Bilderbergen höllisches zu kreißen, treffen sie nicht ausschließlich auf böse, verschworene Kollegen (das ist bei Teufeln immer so), sondern vor allem (soweit es Politiker betrifft) auf eitle, beschränkte, gierige, machthungrige Bumsköpfe, die sich meistens gegenseitig nicht ausstehen können (das ist bei Menschen immer so). Man muss nur in die dummen Augen eines Steinmeiers blicken oder die Sprechversuche dieser sogenannten Kanzler/in ertragen, um dessen gewiss zu sein.

Die intelligenteren Exemplare (oder die weniger dummen…) finden sich eher in Forschung aber meistens in der Wirtschaft. Das tut aber der Gier und der Eitelkeit keinen Abbruch und vor allem nicht dem Wunsch, seine „geschätzten Konkurrenten“ bei nächster Gelegenheit zu Fall zu bringen. Sie mögen wohl in beschaulicher „Einigkeit“ eine „neue Weltordnung“ oder den „Great Reset“ verkünden, aber viele dieser großen Platzhirsche wünschen eigentlich nur ihren eigenen, persönlichen „Reset“ durchzusetzen.
Im tiefen Wald, weitab von Presse und Öffentlichkeit, krachen ihre schweren Geweihe aufeinander: Milliardenvermögen, Produktionsverfahren, Anbauflächen, Wasserrechte, neue Seidenstraßen, Rohstoffe, Digitalisierung und natürlich, wenn die Gelegenheit günstig ist, auch pharmazeutische Marktherrschaft mit Masken, Impfstoffen und dem ganzen antiseptischen Gerümpel, das so dazu gehört.

Die Dealer, Nutten und Drückerkolonnen am Straßenrand (Politiker und Medien), haben nicht nur den „einen großen Zuhälter“. Ihr Job ist es jedenfalls, den faulen Stoff schön einzupacken und zu verkaufen. Auf den (meist giftgrünen) Verpackungen steht was von Umwelt, Gesundheit, kulturübergreifender „Solidarität“ und vor allem was von Angst. Und genau wie bei Dealern wird ihnen der Stoff geradezu aus den Händen gerissen. Der Konsument zahlt jeden Preis. Nicht nur finanziell.
Bei eben diesen Konsumenten, den „mündigen Bürgern“, scheint ein mächtiges Problem begraben zu sein. Denn nicht (nur) bei den Bilderbergern, der Finanzwirtschaft, den One World-Verschwörern, den „Bösen da oben“ läuft richtig was schief – sondern vor allem bei den „Dummen da unten“.
Der „eine, große Plan“ lässt sich zwar konstruieren, aber bei genauem Hinsehen sind da ziemlich viele Pläne und Planer, die sich wie im Boxring gegenüberstehen. Aber was ist mit dem jubelndem, zahlungsfreudigem Publikum um den Boxring herum?

Anders gefragt: Ist dieser gigantische Aufwand von milliardenschweren, mystischen Bösewichten überhaupt nötig, um die Gesellschaft zu unterjochen? Das sieht nicht so aus! Überhaupt nicht. Das Jahr 2020 hat wie kaum ein Jahr zuvor vorgeführt: Die „mündige Masse“ bekommt genau das was sie will.

Und das sind keinesfalls Werte! Keine Menschenrechte, keine zuverlässigen Informationen, keine seriöse Forschung, keine Bildung, keine Gewährleistung (Währung), keine Selbstachtung und nicht einmal wirkliche Gesundheit. Die Abneigung gegen diese verstaubten Kulturgüter nimmt mit dem Grad der Technisierung von Gesellschaften sogar noch zu. Diese digitalisierte Verwertungsmasse will nichts als Führung! Führung durch Angst, Entertainment, Konsum, Phrasen zum Nachsprechen, voll coole Regeln, Maßnahmen, Vorgaben und Abgaben.

In nicht mal einem Jahr sind alle zivilisatorischen Errungenschaften der letzten 2000 Jahre offensichtlich zu unverstandener Folklore degeneriert. Ohne wirklichen Druck, ohne eine ernste Notlage, auf bloßen Zuruf einiger „Experten“ und Politiker hin, ist die absolute Mehrheit der westlichen Wertegemeinschaft zurückgefallen in Totalitarismus. Diese Neigung zur völligen Selbstaufgabe (Migration, Klima, Energie, Kultur…) konnten selbst mäßig begabte „Bilderberger“ schon lange vor der Coronakrise erkennen. Wer da als großer Hai nicht zupackt, verdient die Zähne nicht, die er im Maul trägt.

Es sieht wahrlich nicht so aus, als würde da etwas erzwungen oder verordnet. Die Zugbrücken sind herabgelassen, die Türen weit geöffnet, die Juwelen bürgerlicher Freiheiten liegen achtlos auf der Straße. Herr Schwab, Herr Gates, Frau von der Leyen und Konsorten brauchen sie nur einsammeln. Fast ohne Zutun, nur mit etwas sublimer Hetze und einigen „Zahlen“ (vertrauen Sie den offiziellen Medien), ist eine giftige Atmosphäre von Denunziantentum, Feigheit, Angst, Hass, Kriecherei und Gesichtslosigkeit etabliert worden. Jeder, der sich noch etwas kritische Selbstachtung bewahrt hat, kann das im Selbstversuch nachprüfen.

Es ist das bewährte Grundmuster des (leider nutzlos verstrichenen) Milgram-Experimentes, kombiniert mit diskriminierender, ideologischer Schuldzuweisung: (Volks-)Gesundheit durch „Wegdesinfizieren“ der Schädlinge. All das ist unter dem makabren Schlagwort „neue Normalität“ in einem knappen Jahr zum Selbstläufer geworden. Und die Betonung liegt auf „selbst“.

Es ist das Verdikt der Hannah Arendt von der Banalität des Bösen, das hier erneut vollstreckt wird. Nicht die mächtigen, augenfälligen Monster und Teufel aus dem Kino oder der Literatur stoßen eine Zivilisation in den Abgrund irrationaler Barbarei: Es sind erbärmliche Nobodys à la Adolf Eichmann, unfähig selbstständig zu denken, die nur dazu gehören wollen und sich an die Vorschriften halten.
Auch Daniel Goldhagens Werk zu diesem Thema wird auf diese traurige Weise untermauert. Denn es sind (Merkels, Söders etc.) „willige Vollstrecker“, die sich jetzt im Wortsinn völlig ungezwungen austoben dürfen.

Der Wert einer solchen „Gesellschaft“ drückt sich heute treffend aus: durch die Verhüllung des Gesichtes – und nicht etwa aus Scham…, sondern weil es jetzt ihrer artgerechten Haltung entspricht.
Derartige Populationen verdienen keinerlei Achtung, schon gar nicht von den Zoowärtern. So gesehen sind die Vorstellungen eines Herrn Schwab & Co nicht nur nicht abwegig, sondern schlicht folgerichtig!
Selbstbestimmung? Privatsphäre? Eigentum? Für derartig bewusstlose Primaten? Nein.

Eine weltweite, digitale Stallhaltung ist hier mindestens eine erwägenswerte Option. Vielleicht war das nie ein „großer Plan“, sondern nur die Schnapsidee irgendeiner beschwipsten Projektgruppe der Bertelsmann-Stiftung. Bis der Greta-Thunberg-Kult offenbart hat: jetzt hat sich die westliche Zivilisation wirklich aufgegeben. Jetzt geht wirklich alles… Und was geht – wird auch gemacht. Das war in den letzten 5000 Jahren immer so. Ausnahmslos!

Bitter ist es freilich für die Älteren, die noch Eigenverantwortung, Initiative, Vernunft, Identität, Kultur, Kreativität, Mut und Kritikfähigkeit kennengelernt haben.
Aber in höchstens 30 Jahren sind sie alle Staub und Huxleys schöne neue Welt hat freie Bahn. Aus dieser Perspektive betrachtet, wäre es fast ein Jammer, wenn da doch noch etwas dazwischen käme… Zum Beispiel ein anderer „großer Plan“. Aber wer setzt schon auf Verlierer.

2 Gedanken zu “Die Banalität des Bösen oder die neue Normalität. Hannah Arendt neu gelesen

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