Ich hab einen Fehler gemacht.

Ich hab einen Fehler gemacht.

Ich hab mir gestern Nacht auf Twitter angeguckt, was Jörg Kachelmann über mich schreibt.

Ich kann ja verstehen, dass ich mit den polemischen Teilen meiner Beiträge anecke und zu heftigen Reaktionen herausfordere. Das ist ja auch gewollt. Dass die sehr persönlich und beleidigend werden – geschenkt.

Was ich zum einen aber nicht verstehe, ist die gewollte Verknüpfung von Maßnahmenkritik mit Rechtsextremismus etc. – ich komme einfach nicht dahinter, was das eine mit dem anderen zu tun hat (m. E. sind es sogar diametrale Positionen, vor allem was die Aspekte starker Staat, Polizeistaat, Zensur, Autoritätshörigkeit, Politisierung der Wissenschaft usw. angeht).

Zum anderen habe ich mich vergeblich bemüht in den ganzen Auslassungen über mich und mein Video ein einziges sachliches Argument zu finden. Kein Wort, nirgends. Nichts, nada, niente.
Gut, es ist Twitter, vielleicht nicht der Ort für sachliche Entgegnungen. Aber dass nicht einmal der Versuch gemacht wurde, lässt mich doch ratloser zurück, als ich es sein sollte. Der Wille scheint nicht vorhanden zu sein. Es wird in einem Antwort-Tweet sogar von Sachlichkeit als „neuem Totschlagargument rechtsoffener Covidioten“ gesprochen.

Sicher, mein Beitrag „Sehe ich das richtig?“ ist spitz formuliert und haut auch mit der groben Kelle drauf. Er ist sogar bewusst spalterisch, weil ich strikt nichts mit Menschen, die die Traumatisierung unserer Kinder im Namen der „Volksgesundheit“ schweigend abnicken, zu tun haben möchte. Es wäre besser, wenn wir von diesen Menschen abgespalten wären.

Aber es sind doch argumentative Kerne darin zu finden: Ich mache m. E. auf eklatante Widersprüche der Pandemiebekämpfung aufmerksam.
Kann man diese Widersprüche nicht anders erklären und vielleicht sogar als haltlos auflösen, als indem man denjenigen, der auf sie hinweist, öffentlich in den Dreck zieht?
Mich persönlich verletzt das nicht so sehr, ein bisschen zieht es schon in der Magengrube, so etwas über sich zu lesen (zumal ich selber, glaube ich, eher selten konkrete Personen öffentlich herabsetzend angehe; nicht einmal Precht gegenüber würde mich in der Weise äußern, wie Kachelmann es mir gegenüber tut), aber das ist harmlos. Die meisten persönlichen Affronts übergehe ich ja daher auch lieber.
Bei diesem ist es allerdings so, dass ich mich frage, wie das auf die vielen Menschen wirkt, die mir in dem Video zugestimmt haben: Es sind auffällige Widersprüche und Fehlkommunikationen geschehen, über die man nicht einfach hinweggehen kann. Wie wirkt der persönlich diffamierende Angriff auf sie – doch eher entmutigend, oder er schürt sogar noch mehr Hass und Unverständnis?

Ich räume ein, mit meiner Polemik zu dieser Spirale beizutragen, und dass es vielleicht heuchlerisch sein könnte, sich jetzt allein über das Vitriol auf Seiten der Kachelmänner dieser Welt zu beklagen.
Aber ich suche immer noch nach dem Anker, den diese Tiraden im Argumentativen haben. Wie wären denn diese Widersprüche sinnvoll aufzulösen? Warum verfängt denn meine Kritik an den Maßnahmen und der politischen Kommunikation nicht?

Worum es mir geht: Wird nicht die Verweigerung, auf die nun seit einem Jahr vorgetragenen Einwände bezüglich der Rechtmäßigkeit, Verhältnismäßigkeit und Schädlichkeit der Maßnahmen, bezüglich der Angstrhetorik und des Chaos-Kurses der Bundes- und Landesregierungen neben verständlicher persönlicher Involviertheit und Hitze auch sachlich einzugehen, zu noch mehr Unverständnis, Maßnahmenkritik und zivilem Ungehorsam führen? Schießt sich nicht jeder, der Kritiker wie Ulrike Guérot, Michael Esfeld, Kathrin Schmidt, Otfried Höffe, Eric Gujer, Giorgio Agamben, Gerald Hüther, Paul Brandenburg oder meine Wenigkeit als Spinner o. Ä. abtut, nur selber ins Knie, weil er seine intellektuelle Unbewaffnetheit unter Beweis stellt?
Wenn man für die Vernünftigkeit des Regierungskurses oder die Alternativlosigkeit von Lockdowns wirklich werben wollen würde, ist dann nicht eine solche sich rein im Persönlichen abarbeitende Rhetorik auch für einen Grundschüler als kontraproduktiv zu erkennen?

11 Gedanken zu “Ich hab einen Fehler gemacht.

  1. Nach seiner öffentlichen Demütigung und Kujonierung als Sexist und S/M-gewalttätiger alter weißer Mann vor einigen Jahren, versucht Kachelmann jetzt den „Guten“ zu geben und das ihm widerfahrene -möglicherweise – Unrecht psychisch zu verarbeiten, indem er andere, attraktive und gut beleumundete Intellektuelle, öffentlich diffamiert. Ob das von Intelligenz zeugt oder doch eher von verzweifelter Hybris möge jede/r selbst entscheiden.

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  2. „weil er seine intellektuelle Unbewaffnetheit unter Beweis stellt?
    Wenn man für die Vernünftigkeit des Regierungskurses oder die Alternativlosigkeit von Lockdowns wirklich werben wollen würde, ist dann nicht eine solche sich rein im Persönlichen abarbeitende Rhetorik auch für einen Grundschüler als kontraproduktiv zu erkennen?“ Lieber Gunnar, ich schätze Dich sehr! Aber besonders in Deinen letzten Zeilen hier machst Du genau das, was sie auch machen. Da ist wieder eine herablassende Note in Deinen Zeilen. Jeder auf seiner Seite versucht den andern zu übertrumpfen, noch bessere Worte zu finden, die Herablassung oder Aggression besser und cleverer mit Worten zu tarnen. Das ist nicht der Weg, das ist nicht der Weg des Herzens!

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  3. Lieber Gunnar Kaiser

    Ich erlaube mir dich mit Du anzuschreiben. Du wirkst so vertraut auf mich aufgrund all deiner Beiträge, die ich schon gesehen habe, dass mir alles andere komisch vorkommen würde.

    Seit langem in dieser C-Zeit bin ich regelmässige Leserin und Hörerin deiner Beiträge, die so wunderbar gehaltvoll, voller Informationen, Inspiration und Stoff zum Nach- und Selberdenken sind. Hierfür möchte ich dir mal ganz herzlich Danke sagen! Deine Arbeit schätze ich sehr und sie hat mir schon viele Hoffnungsschimmer beschert, wenn ich mal wieder erkennen musste, jetzt geht’s doch noch schlimmer…

    Warum ich gerade in die Taste haue – zwischen 2 Klientengesprächen – ist die, dass ich über die neuesten Ereignisse bzgl. deiner Person entsetzt, schockiert und aufgebracht bin. Die Diffamierung und die Zensur sind allgegenwärtig in der aktuellen Situation und trotzdem bin ich jedes Mal von Neuem zutiefst entrüstet. Das wollte ich dir einfach grad schreiben und dir sagen, dass du und deine Beiträge so wunderbar unterstützend für sehr viele Menschen sind, und dass du dich nicht unterkriegen lassen sollst. Ich wünsche dir viel Kraft und Mut weiter zu machen. Einfach nochmals vielen herzlichen Dank.

    Alles Gute und mit Grüssen aus Zürich, Barbara

    Mail barbara.nievergelt@gmx.ch Web http://www.barbaranievergelt.ch

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  4. Ja, das war ein Fehler.

    Nicht so sehr das Lesen der twitter-Einträge an sich (Wer ist eigentlich Jörg Kachelmann? Ich leb‘ seit so lang im Ausland, und merk gerade, wie frei mich das macht! ), denn die haben, ’subkutan in den Volkskörper gesäftelt‘, durchaus einen kabarettistischen Reiz.

    Nein, eher die Antwort ist der Fehler. Oder genauer, das Verstehenwollen, die Begründungssuche. (Kein Grund, aber nun wirklich gar keinen, zur Rechtfertigung.)

    Da gibt es nichts zu verstehen.
    Da gibt es nichts zu erklären.
    Da gibt es kein sachliches Argument.

    Es gibt nur:
    hier und dort
    wir und die
    Freund und Feind.

    Gefällt die Stimme nicht? Feind.
    Gefährlich anders? Feind.
    Anders? Feind.

    Um Inhalte geht es nicht. Denn was heute verpönt ist kann morgen Pflicht sein. Der Feind aber, der bleibt der Feind.

    Wer ist aber nun der Feind?
    Nun, der Skeptiker. Der – oder die – die den Zweifel in die Welt tragen, die andere Möglichkeit. Jene andere Sichtweise, die alles so kompliziert macht.

    So, und jetzt schick ich das ab und schau nach, wer dieser Mann ist. Vielleicht müsste ich ihn ja kennen.

    Du, lass‘ dich nicht verwirren, in dieser irren Zeit !

    Tritt hinaus in die Sonne und atme tief und frei!
    (Wind und Regen tun’s auch)
    Schare Menschen um dich
    Und verhalte dich wie ein Mensch:
    Grüß, gib die Hand,
    Umarme, halt fest, riech.
    Küsse, lache, rede, streite, versöhne, tröste, und sing.
    Sing aus voller Kehle: tanze!

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  5. Derartigen Herrschaften geht es nicht um Diskurs. Das Muster ist inzwischen bewährt und wird seit mindestens dem Jahr 2015 regelmäßig und flächendeckend erfolgreich angewandt: Wer im Sinne des Mainstreams auf der »falschen« Seite steht, wird einfach unter »rechtsoffen« oder gar »rechtsradikal« abgeheftet, um sich mit seinen Argumenten nicht auseinandersetzen zu müssen. Wer, wie Herr Kachelmann, weiterhin für die ÖR-Medien arbeiten möchte, kommt wohl kaum umhin, sich in diesem Sinne gelegentlich nützlich zu machen, um von seiner Peergroup weiterhin akzeptiert zu werden.

    Ein Beispiel: Anfang des Jahres 2020, als die Einstellung der Regierung zum Thema Corona noch 180° anders war, nahm sich das Magazin quer des Bayerischen Rundfunks die »Menschen aus dem rechten Spektrum« vor, welche wohl noch mehr Angst vor fremden Killerviren hätten als vor fremden Menschen aus fremden Ländern. Nachzuhören hier:

    Gehen Sie einfach davon aus, dass nahezu alle Mitarbeiter der ÖR-Medien auf Regierungslinie sind, und auch jeden hoheitlichen Kurswechsel völlig schmerzfrei durch ihre medialen Sirenengesänge begleiten werden. Es ist ihr Job. Sehr gerne werden sie deshalb mit Prostituierten verglichen, doch das finde ich falsch: Diese Gleichsetzung ist für Letztere absolut beleidigend.

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  6. Herr Gates will die Welt besser machen und die Welt-Gesundheitspolitik bestimmen.
    Wer ist Herr Gates?
    Ein elektronischer Datenverarbeiter mit einem Gehirn voller Schaltkreise.
    Herr Kachelmann will die Welt auch besser machen und versucht sich als Moralapostel.
    Wer ist Herr Kachelmann?
    Ein ehemaliger „Wetterfrosch“ des Staatsfernsehens mit einem Gehirn voller Isobaren.

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  7. Die Antwort ist JA!
    Das habe ich aber auch vor einem Jahr schon gedacht. Vor einem Jahr schon kam mir immer das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern in den Sinn. Und dieses Märchen kommt mir immer wieder in den Sinn. Nur ist die C.-Realität anders. Der kleine Junge, der schreit „er hat ja gar keine Kleider an“, der wird mundtot gemacht, fortwährend, seit mehr als 12 Monaten. Nicht nur das, er wird niedergestampft, in den Dreck gezogen, einstimmig verachtet. Inzwischen ist es eine unüberwindbare Hürde geworden sich einzugestehen, dass der Kaiser nackt ist.
    Um „ich habe mich geirrt“ sagen zu können braucht es schon Eier, die den Meisten Menschen fehlen! Um es jetzt in Bezug auf die C.-Politik sagen zu können bräuchte es DICKE Eier, richtig dicke!
    Um es mit den Worten von Mark Twain zu sagen:
    „It’s easier to fool people than to convince them that they have been fooled.”

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  8. Ich bin fassungslos über den Tweed von Herrn Kachelmann zu Gunnar Kaiser, und mehr noch über seine Wortwahl, die natürlich weitere unflätige Äußerungen anderer nach sich zieht. Und dann noch stolz darauf sein, Herrn Kaiser bei YT denunziert zu haben, finde ich schäbig und kleingeistig. Auch wenn Herr Kachelmann sich hier die fragwürdige Einstellung „wes Brot ich ess‘ des Lied ich sing‘ “ zu eigen macht, kann ich nicht ansatzweise nachvollziehen, dass ein Mann mit Bildung sich nicht mit einem anderen gebildeten Menschen, wie Gunnar Kaiser, sachlich auseinandersetzen kann. Ich persönlich schätze Herrn Kaiser sehr und bin ihm dankbar für seine Sachlichkeit, seine Ehrlichkeit und seinen Mut. Aber aus diesen Tweeds hier lese ich nur Intoleranz, Ignoranz und Feigheit heraus. Gehen Sie doch mal ruhig und mit Verstand au Herrn Kaisers Gedanken heran, setzen Sie sich mit ihm auseinander und vor allem sollte der „Totschlagbegriff“ RECHTS nicht so inflationär benutzt werden.

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