Von der Pflicht zum Widerstand

Ein Gastbeitrag von Peter Vondung


Für jeden Demokraten mit Charakter sollte es eine Pflicht sein, sich gegen staatliche verordnete Willkür zu wehren und sich für die Aufrechterhaltung des Rechts einzusetzen.

Motiv der zum Widerstand bereiten Menschen ist es nicht bloß, ihre physische Existenz zu erhalten, sondern es geht ihnen um ihr moralisches Selbstverständnis, ihre moralische Existenzberechtigung. Die Berechtigung zum Widerstand resultiert  aus dem Recht und einem moralischen Selbstbewusstsein. Ohne Bewusstsein für das Recht sinkt der Mensch auf die Stufe des Tieres herab, wie es die Römer ganz konsequenterweise taten und die Sklaven als Sache betrachteten und sie so mit den Tieren gleichstellten.

Die Behauptung des Rechts ist demnach eine Pflicht unserer moralischen Selbsterhaltung. Die gänzliche Aufgabe dieses Rechts oder auch eine massive Einschränkung, wäre moralischer Selbstmord. Jeder Verzicht auf eine einzelne der über Jahrhunderte erkämpften Rechtspositionen ist daher rechtlich ebenso unerträglich, wie ein Verzicht auf das gesamte Recht.


Alles Recht in der Welt ist erstritten worden, jeder Rechtssatz, der da gilt, hat erst denen, die sich ihm widersetzten, abgerungen werden müssen, und jedes Recht, das Recht eines Volkes, wie das eines Einzelnen, setzt die stetige Bereitschaft zu seiner Behauptung voraus. Das Recht ist kein logischer, sondern es ist ein Kraftbegriff. Darum führt die Gerechtigkeit, die in der einen Hand die Waagschale hält, mit der sie das Recht abwägt, in der anderen das Schwert, mit dem sie es behauptet.

Rudolf von Jhering (1818-1892)

Wenn der Staat, wie jetzt, das Recht seiner Bürger dermaßen einschränkt, dann stellt sich an jeden Berechtigten die Frage, ob er sein Recht behaupten und Widerstand leisten, also kämpfen will, oder ob er es im Stich lassen, der Gewalt weichen will. Hier steht jeder Einzelne vor der Entscheidung, welches Opfer für ihn das erträglichere ist. So wird also die Frage vom Kampf ums Recht zu einer reinen Güterabwägung, bei dem Vorteile und Nachteile auf beiden Seiten gegeneinander abgewogen werden und sich danach sein Entschluss bestimmt.

Der Kampf ums Recht ist demnach eine Pflicht des Einzelnen gegen sich selbst. Derzeit lässt sich beobachten, dass die überwiegende Zahl unserer Mitbürger der Bequemlichkeit zuliebe der Verteidigung ihrer Rechte aus dem Weg geht und nicht bereit ist, die verbrieften Freiheitsrechte zu verteidigen, dass sie also den Wert ihrer Grundrechte nicht genügend wertschätzen, um bereit für den Widerstand zu sein. Die diesem Verhalten abzuleitende Lebensphilosophie ist nichts anderes als entweder Feigheit oder die Bereitschaft, sich versklaven zu lassen. 

3 Kommentare

  1. in Gedichtform gebracht:

    DIE PFLICHT ZUM RECHT (von Michael Dongus)
    Ein Recht muß wahr genommen werden,
    sobald erkannt als erste Pflicht,
    denn nur
    wer pflichtbewußt Recht übt auf Erden,
    verdient es UND verliert es nicht.

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