Die Alar-Angst von 1989

Anfang 1989 veröffentlichte das Natural Resources Defense Council (NRDC), eine international tätige gemeinnützige Umweltschutzorganisation, einen Bericht über Alar, eine Chemikalie, die bei der Ernte von Äpfeln eingesetzt wurde. Der Bericht schätzte, dass Alar Krebs verursachte und Kinder einem größeren Risiko ausgesetzt waren.

Dieser Bericht basierte auf einem mathematischen Modell mit mehreren Annahmen, die sich als fehlerhaft herausstellten. Der Datensatz beschränkte sich auf Mäuse, die Mengen von Alar ausgesetzt waren, die weit über das hinausgingen, was Menschen plausibelerweise zu sich nehmen könnten. Mehrere Forschungsüberprüfungen in den letzten 16 Jahren hatten zuvor zu dem Schluss geführt, dass Alar in der Höhe des derzeitigen menschlichen Konsums sicher sei.

Die Nachrichtensendung 60 Minutes griff den NRDC-Bericht auf und zeigte Äpfel, die mit Schädeln und sterbenden Kindern in Krebsstationen überlagert waren. Die Geschichte ging viral und war überall in den Medien. Mehrere akademische Experten und Forschungsgruppen verurteilten den NRDC-Bericht, aber sie wurden zugunsten der prominenten Schauspielerin Meryl Streep ignoriert, die eine Rede über die Gefahren von Pestiziden hielt.

Die Apfel-Verkäufe brachen ein. Die US-Regierung musste Millionen ausgeben, um zu verhindern, dass die Apfelindustrie unter ihren über 100 Millionen Dollar Verlusten zusammenbrach. Innerhalb weniger Monate, bevor weitere Tests durchgeführt werden konnten, ging der Hersteller von Alar in Konkurs, Supermärkte boykottierten Alar-haltige Produkte und Schulen nahmen Äpfel aus ihren Cafeterien.

Daniel Kahnemann zitiert den Alar Scare in seinem Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ als typisches Beispiel für die Wirkung einer kognitiven Verzerrung, die er „availability cascade“ nennt. Durch die hohe emotionale Aufladung und die mentale Verfügbarkeit von ähnlichen Bildern mit einer befürchteten Bedrohung schaukeln sich politischer Aktivismus, mediale Berichterstattung, politischer Aktionismus und persönliche Ängste der Menschen zu einer gesamtgesellschaftlichen Überreaktion hoch, die zu weitaus schlimmeren Konsequenzen führen kann, als es das Abwarten getan hätte.

Quelle: https://mennohenselmans.com/alar-scare/

2 Kommentare

  1. ¿Nun, so what?
    Was auch immer „alar“ ist, das hat auf Äpfeln nichts zu suchen, unabhängig davon ob den Apfel eine Ratte oder ein Mensch frisst.
    Soll hier politischer Aktionismus ‚madig‘ gemacht werden?

    Wir hätten ‚one if these‘ politischen Aktionen zur Zeit bitter nötig. Alles ganz friedlich, natürlich, das Monopol für Gewalt hat zur Zeit noch die Regierung, und die nutzt die Gewalt auch weidlich.

    Die Apfelindustrie! Meine Güte, an die denke ich in letzter Zeit ehrlich gesagt kaum.

    Was ist das für eine Übung?

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