Hat es sich gelohnt? – ein Brief

Dieser Brief wurde mir nach meinem Video Hat es sich gelohnt? zugeschickt. Ich möchte ihn euch gerne vorstellen. Der Absender ist mir bekannt.

Lieber Herr Kaiser,                                                        
DANKE für Ihre Aktivitäten.

Sehr betroffen haben mich heute Ihre Überlegungen zu der Frage „Hat es sich gelohnt?“ gemacht.

 Hierzu etwas Persönliches:

  • Hat es sich gelohnt, dass mein Onkel -17-jährig -1944 gefallen ist?
  • Hat es sich gelohnt, dass der eine meiner Großväter in Verdun schwerst verwundet und dann im 2. Weltkrieg aus politischen Gründen (er hattte sich dem System verweigert) in einem Konzentrationslager inhaftiert worden war?
  • Hat es sich gelohnt, dass der andere Großvater bei den Nürnberger Prozessen zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt und mit Berufsverbot belegt worden war? 

Seit einem Jahr fühle ich mich in die Atmosphäre und in die schmerzvolle Gefühlswelt meiner Kindheit zurückversetzt: Autoritäten, Befehl, Gehorsam, Unterordnung, Manipulation, Lügen, Empathielosigkeit, … die Liste kann endlos ergänzt werden und weicht nicht maßgeblich von der Auflistung gegenwärtiger korrupter und zerstörerischer Strukturen ab.

Wie von selbst entstand damals und entsteht heute ein Wertekanon, unter dessen Dach sich alle versammeln, die unbedingt (sprich unhinterfragt und „sicher“) dazugehören und auf keinen Fall ausgegrenzt werden wollen. Ein eigenständiges Leben und Denken wäre die Hölle auf Erden.
Diese Pathologie entwickelt eine Eigendynamik, wie sie aktuell zu erleben ist. Mit ab-normen Zielen ohnegleichen.
Ich verweise hier auf „Die Pathologie der Normalität“ von Erich Fromm.

In mühe- und oft leidvoller Klein- und Kleinstarbeit bemühe ich mich Tag für Tag, dieser Pathologie in mir selbst (siehe Erziehungsmaßnahmen und gesellschaftliche Strukturen der Wirtschaftswunderzeit) auf die Spur zu kommen, ihr Herr zu werden und ihr Grenzen zu setzen. 

UND ES LOHNT SICH.

Ihnen viel Kraft und Mut und Gesundheit.

 

6 Kommentare

  1. Leben lohnt sich immer, aber ganz gewiß auch aufrecht stehen zu bleiben und sich nicht kurzfristiger und vermeintlicher Vorteile wegen zu verbiegen. Ein wahres Wort bleibt immer wahr und wird auch von Gegnern anerkannt; auch wenn dieses Faktum vielleicht nicht gleich sichtbar wird. Nur die Wahrheit macht uns frei, die Anpassung führt, wie wir es heute überdeutlich sehen können, immer nur in die Abhängigkeit, und letztlich in die Sklaverei.

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  2. Jeder der damals „Nein“ gesagt hat, hat das Wissen das überhaupt „Nein“ gesagt werden kann weiter gegeben.
    Hätte es keine Zivilcourage gegeben, würden die Kritiker der jetzigen Zeit noch weniger sein.
    Deshalb ist ein Vergleich des heutigen Establishments mit historischen totalitären Regimen auch keine Verharmlosung der totalitären Regime sondern zielt auf das heutige Establishment.
    Jeder Widerständler von damals, jeder der schon nicht glaubte was damals passierte ist eine Inspiration für alle die sich heute weigern, die widersprechen, die sich widersetzen.
    Es lohnt sich. Für sich selbst, für das eigene Gewissen, aber auch für andere – jedoch meist anders als man denkt.

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  3. Mich beschäftigt beruflich und auch privat die Tatsache, dass sehr viele Menschen mit der gegenwärtigen Situation des Befehl und Gehorsams durch Coronaregeln, Parallelen entdecken oder empfinden, die einen eindeutigen Bezug zum 3. Reich haben. Diese Empfindungen schlummern offenbar nach 80 Jahren immer noch in den Tiefen der menschlichen Seele. Besonders deutlich wird das in den Familien.

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  4. Hallo, ich beschäftige mich gerade mit Viktor Klemperer und anlässlich dessen stellt sich die Frage, wie man demokratische Bewegungen lenken und bauen, denn ich sehe da drei unterschiedliche Prinzipien, einmal die Journalistische, die oft abgleiten kann in reine Meinungsmache zum persönlichen Plus, was bös gesagt, prostituierend ist, ähnlich der öffentlichen Medien, zum zweiten eine literarisch philosophische Bearbeitung, für einige Menschen interessant, doch nicht für alle nachvollziehbar, und drittens klare politisch faktische Ideen, sinngebend und inspirierend . Den Fokus darauf zu legen, was schief läuft, wissen jetzt sehr viele und sich damit täglich auseinanderzusetzen, schafft nicht gerade schöne Energien. Der philosophische Überbau ist schön, nur wir brauchen praktische Lösungen, keine Führerfigur, denn solange Leute geführt werden, denken sie selbst wenig. Das machen Sie, Herr Kaiser als „Lehrer“ sehr gut , Leute ins Boot zu holen, demokratisch. Was ich mit Klemperer meine ist, mehr Gehalt auf die Politik, Zusammenhänge zu setzen, nicht wo wir stehen,sondern wo wor hinwollen.

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