Was wir wollten, war das Wahre

Ein Gastbeitrag von Anne Julie Ménard

Es ist schon seltsam, wie die Menschen manchmal sind. Einige sind so und andere sind so anders. Die meisten haben irgendwelche Sorgen und Probleme, viele wissen nicht so genau, wer sie überhaupt sind oder sein wollen und alle versuchen irgendwie ihr Leben im Griff zu haben und leiden ständige Angst vor dem Gegenteil.

Bei uns ist es aber etwas anders als bei den andern. Wir sind nicht mehr so, sondern halt so, und wir haben aufgehört uns kleinen Problemchen hinzugeben. Wir betrachten das Grosse-Ganze, wir nehmen die Fülle wahr, die uns umgibt, wir schätzen das, was wir haben und begehren es. Was wir nicht haben, daran denken wir nicht, denn wir brauchen es nicht.

Wir haben uns, unseren Garten, unser Haus, unsere Erde, unsere Sonne, Mond, Sterne, – unser Universum und unser Leben, die Unendlichkeit unseres Daseins. Das ist alles und nur das zählt.

Ich weiss noch, wie es früher war, ganz am Anfang. Damals freute man sich noch über Schokolade oder ein neues Handy, halt über materielle Dinge, die wir vermeintlich zu brauchen glaubten. Dinge, die unsere innere Leere füllten. Natürlich nur für eine kurze Zeit, danach musste schnell Nachschub her. Wir waren schwarze Löcher, sogen alles Mögliche in uns hinein, verschlangen es, und sobald wir es verschlungen hatten, kam das Nächste. Wir konsumierten ständig. Wir konsumierten und beuteten aus. Wir nahmen, was da war, und behielten für uns, was wir unser Eigen nannten. Meistens vergassen wir, was wir überhaupt alles besassen, hätten es nicht gemerkt und nicht vermisst, hätte es uns jemand genommen, und dennoch, hätte es uns jemand genommen und wir hätten es gemerkt, wir hätten dafür getötet.

Wir waren egoistisch und auch irgendwie leichtsinnig. Haben uns den Kopf zerbrochen über Dinge und Menschen, die es nicht wert waren. Gingen durchs Leben in ständiger Angst nicht zu genügen und etwas falsch zu machen, und versuchten so sehr nicht wir selbst zu sein, dass wir vergassen, wer wir waren.

Kurz gesagt, wir machten alles falsch und als es uns langsam bewusst wurde, wollten wir es leugnen.

So lange und so ausdauernd haben wir es unterdrückt und uns abgelenkt. Abgelenkt von den wirklich wichtigen Dingen, in dem wir uns auf die unwichtigen Dinge konzentrierten. Wir wollten nun mal nicht daran denken, dass es der Welt scheisse geht. Wir wollten nicht daran denken, dass es so nicht weiter gehen kann. Wir wollten nicht an andere denken. Das einzige, an was wir gedacht haben, waren wir selber.

An uns haben wir gedacht. An uns wollten wir denken. Wir waren der Mittelpunkt unser Einfalt und trotzdem hatten wir keine Ahnung, wer wir überhaupt waren. Wir waren die Idee, die wir von uns selbst hatten, vermischt mit den Ideen und Erwartungen anderer. Wir waren eine nicht greifbare Hülle aus nichts, ein lebloser Körper, welcher sein Äusseres zu schmücken versuchte um zu verbergen, wie schmutzig, leer und verkümmert sein Inneres war. Wir lebten ein belangloses, unzufriedenes Leben. Wir schwammen im Strom und verpflichteten uns dazu, zu tun, was zu tun war. Redeten uns ein, dass die andern schon wüssten, was gut und was schlecht wäre, dass wir uns an ihnen orientieren könnten. Wir lebten blind vor uns hin.

Unsere Augen waren geschlossen und nach hinten gerollt, wo wir unsere bildlichen Gedanken und Muster Tag für Tag wiederholten. Unser Leben spielte wie ein Film vor uns ab, ohne dass wir uns bewusst waren, dass der Film irgendwann ein Ende haben würde, und wir ihn geniessen sollten.

Wir fuhren in einem Karussell ohne zu wissen warum, ohne jeden Zweifel, und zweifelten wir doch einmal daran, so verfielen wir in eine Depression, lenkten uns schnell wieder ab, entflohen der realen Realität und fuhren weiter in diesem verdammten Teufelskarussell, bis uns so schlecht wurde, dass wir aussteigen mussten.

Wir wollten nicht länger  mitmachen, wollten unsere Augen nicht immer schliessen, wenn es schwierig wurde, wollten uns nicht mehr an Problemen anderer aufgeilen um uns besser  zu fühlen, wollten nicht mehr Sklave fremder Erwartungen sein.

Was wir wollten, war das Wahre, das Reale, das Leben.

Wir wollten es spüren, uns wieder spüren.

Wir haben uns schon zu lange im Kreis gedreht, leichtgläubig geglaubt, wir würden uns bewegen, obgleich wir immer wieder am selben Punkt ankamen und die Achse des Karussells, nämlich wir selbst, langsam einrostete.

4 Kommentare

  1. Ja diese Darlegung und Beschreibung könnte
    mit wenigen Ausnahmen ein Spiegelbild meiner selbst sein 🙂
    Wir haben uns schon zu lange im Kreis gedreht, leichtgläubig geglaubt, wir würden uns bewegen, obgleich wir immer wieder am selben Punkt ankamen und die Achse des Karussells, nämlich wir selbst, langsam einrostete.

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  2. Die Frage danach, wer ich bin lebt in der alten Losung „Erkenne Dich Selbst“.

    Ich glaube dass die allermeisten Menschen sich noch lange nicht in aller Tiefe selbst erkannt haben, so dass sie nicht wirklich wissen, wer sie sind.

    Es ist unsre Aufgabe dahin zu kommen.

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