Löst den Pflegenotstand, nicht die Ungeimpftenfrage

Noch halten sie sich hartnäckig, die Rufe, dass allein die Impfung uns alle retten kann vor einer schweren oder gar tödlichen Covid-Infektion. Und auch vor dem Kollaps des Gesundheitssystems. Die beinahe schon hysterische Forderung nach einer Impfpflicht – obwohl sich immer klarer zeigt, dass die aktuellen Impfstoffe weder im Eigen- noch im Fremdschutz so viel bringen wie erhofft – mag dem ein oder anderen wie ein letzter verzweifelter Aufschrei erscheinen. In dieser Stimmung sind Stimmen, die offen wagen, zumindest ein bisschen weiter über den Tellerrand zu schauen und das eigentliche Problem anzuvisieren, eine wohltuende Überraschung.

So stellt der „Verband der Universitätsklinika Deutschlands“ die klare Forderung nach einer grundlegend besseren Finanzierung der Universitätsmedizin, die einen Großteil der Versorgung der Covid-Patienten leistet. Nur so könnten die Lage der Beschäftigten in der Pflege und ihre Arbeitsbedingungen tatsächlich strukturell nachhaltig verbessert werden. Einmalzahlungen und Prämien seien keine Lösung. Vielmehr müsste auch an Krankenhausfinanzierung und Tarifverträgen angesetzt werden. Der Verband drängt in seiner Pressemitteilung darauf: „Die neue geplante Corona-Prämie für Intensivpflegende sollte auf alle Mitarbeitergruppen ausgeweitet werden. Mindestens genauso wichtig wäre aber eine gute grundsätzliche Finanzierung für eine nachhaltig bessere Personalausstattung der Universitätsklinika.“

„Es sollte es eine Prämie für alle Mitarbeitenden geben, die in der Covid-Versorgung einen wichtigen Beitrag leisten“

Eine besondere Anerkennung durch die Politik, wie sie im Koalitionsvertrag vereinbart und nun mit dem Entwurf zum „Gesetz zur Stärkung der Impfprävention gegen Covid-19“ aufgegriffen wurde, sei grundsätzlich zu begrüßen. Insbesondere in Universitätskliniken mit ihrem hochspezialisierten und qualifizierten Personal werde aber deutlich, dass eine Verengung auf die Intensivpflegenden zu kurz greift. Viele Berufsgruppen leisten ihren Beitrag, dass die gesamte Patientenversorgung gut funktioniert. „Daher sollte es eine Prämie für alle Mitarbeitenden geben, die in der aktuellen angespannten Lage der Covid-Versorgung einen wichtigen Beitrag leisten. Andernfalls wird dies in den Belegschaften mitunter zu Unmut führen“, sagt Jens Scholz, der erste Vorsitzender des Verbandes der Universitätsklinika Deutschlands.

Was hier insbesondere für die Universitätskliniken eingefordert wird, die vielerorts mit Sicherheit eine tragende Rolle in der Versorgung schwerer Covid-Fälle spielen, gilt im Grunde ja für das gesamte Klinikmanagement. Die Forderung sollte also wirklich ALLE Kliniken umfassen. Denn so groß die Herausforderung durch die Corona-Krise auch ist: Es ist kaum von der Hand zu weisen, dass die wahre Ursache der Problematik überlasteter Krankenhäuser und Intensivstationen vielmehr in einem jahrzehntelangen Missmanagement zu suchen ist als in Ungeimpften, die eventuell einen Platz auf der Intensivstation benötigen. Und das gilt eben für jegliche Krankenhäuser, nicht nur für Universitätskliniken.

Ein sinnvollerer Ausweg: finanzielle und strukturelle Verbesserung im Klinikmanagement

Vernünftig und weitsichtig ist sie, die Forderung nach nachhaltiger finanzieller und struktureller Verbesserung im Klinikmanagement. Dennoch kommt man auch in der Pressemeldung des Verbands der Universitätsklinika Deutschlands nicht umhin, ins wohlbekannte Mainstream-Horn zu blasen. So weist man in derselben Pressemitteilung selbstverständlich brav darauf hin, die Impfquote müsse deutlich erhöht werden, um eine dauerhafte Überlastung der Pflegenden und anderer Gesundheitsfachberufe auch im nächsten Jahr zu verhindern. Und natürlich brauche es angesichts schwindender Intensivkapazitäten rasch wirksame Maßnahmen, damit unnötige Kontakte, zum Beispiel bei Großveranstaltungen, vermieden werden.

Ja, wie sollen wir das kommende Jahr auch bloß ohne 200 Prozent Impfquote und Dauerlockdown überstehen?

4 Kommentare

  1. Ich hätte einen Vorschlag, mit dem man den Pflegenotstand sicherlich schnell beenden könnte. Wie wäre es damit, die Intensivpfleger ähnlich zu bezahlen, wie die Impfärzte. Ich denke, der Job ist sicherlich mindestens genau so anspruchsvoll (meiner Ansicht nach sogar noch anspruchsvoller).
    Ich bin mir ziemlich sicher, dass für Stundenlöhne zwischen 150 und 200 Euro sich die eine oder andere Pflegekraft finden lassen würde.

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