Ich erkenne unser Land nicht wieder

Ein Gastbeitrag von Gianluca Piras

Dunkle Zeiten – Dunkle Rhetorik

Seit nunmehr 21 Monaten bestimmt die sog. Corona-Krise und die damit einhergehenden, teils drakonischen politischen Maßnahmen unser aller Alltag maßgeblich. Ganz gleich ob alt oder jung, arm oder reich, ob in der Schule, im Studium, in der Ausbildung oder im Beruf, die derzeitigen Maßnahmen betreffen uns alle.

Moment mal … Stimmt das?

Natürlich müssen sich zwar alle Menschen an gewisse Maßnahmen halten, die volle härte der politischen Restriktionen richtet sich allerdings hauptsächlich gegen eine Personengruppe: Die Ungeimpften. Ganz gleich ob 2G-Regelungen in beinahe allen öffentlichen (Freizeit)Einrichtungen, Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte, die 3G-Regelung am Arbeitsplatz und an Universität, oder die aus meiner Sicht entlarvende 2G-Plus-Regelung, bei der geimpfte und genesene mit negativem Test an einer Veranstaltung teilnehmen dürfen, gesunde ungeimpfte Menschen mit negativem Test jedoch nicht, haben diese Maßnahmen alle die Gemeinsamkeit, dass sie das Leben der Ungeimpften auf perfide Art und Weise massiv erschweren.

Ja, man könnte aus meiner Sicht schon fast von psychologischer Kriegsführung sprechen, denn hier wird bewusst ein immer größerer Druck auf die Gruppe der Ungeimpften aufgebaut. Da ich selbst Student einer nordrhein-westfälischen Universität bin, beeinflussen die genannten Maßnahmen nicht nur meinen privaten, sondern auch meinen universitären Alltag, seit ich im November des Jahres 2020 mein Lehramtsstudium an der Universität Duisburg-Essen begann. In dieser Zeit erlebte ich zwei komplette Online-Semeter, und ein drittes Semester, was von nun an auch wieder in Form des sog. „Distance Learning“ stattfindet.

Allerdings sind die Maßnahmen nicht das einzige, was von der Corona-Politik präsent ist, unseren Alltag beeinflusst und den Druck auf Ungeimpfte spürbar steigen lässt, denn hinzu kommt eine aus meiner Sicht zutiefst diskriminierende, hetzerische und diffamierende Rhetorik unsere Politiker, sowie einiger großer Medienanstalten und Personen öffentlicher Wahrnehmung. Im folgenden habe ich einige Aussagen von Politikern, Medien und Personen des öffentlichen Lebens, die ich über die letzten Monate gesammelt habe aufgelistet. Es ist zum Gruseln, mit welcher rhetorischen Vehemenz und beleidigenden Boshaftigkeit eine gesellschaftliche Minderheit im Deutschland des Jahres 2021 verbal attackiert wird. Folgende Aussagen beziehen sich jeweils entweder auf Ungeimpfte, Impfunwillige oder Kritiker der Corona-Maßnahmen:

  • 1. „Bekloppte“ – Joachim Gauck, ehem. Bundespräsident
  • 2. „Impfverweigerer, die mit ihrem Starrsinn zig Millionen Menschen quasi in Geiselhaft nehmen“ – Günther Jauch, Moderator
  • 3. „Covidioten“ – Saskia Esken, Bundesparteivorsitzende der SPD
  • 4. „Asoziale Trittbrettfahrer“ – Eckart von Hirschhausen, Arzt und Moderator
  • 5. „Unmoralisch, unmenschlich, naiv und an der Grenze zur Dummheit“ – Mareike Holzhaus, Kommentar in: deutschhlandfunkkultur.de
  • 6. „Möge die gesamte Republik mit dem Finger auf sie zeigen“ – Nikolaus Blome, Politikchef RTL und n-tv
  • 7. „Pandemie der Ungeimpften“ – u.a. Jens Spahn, ehem. Bundesgesundheitsminister
  • 8. „Nützliche Idioten der rechtsextremen Szene“ – Artikel in: „Die Presse“
  • 9. „Es wird Zeit, den Ungeimpften die Schuld zu geben“ – n-tv
  • 10. „Dumm und träge“ – Armin Falk, Verhaltensforscher der Leopoldina
  • 11. … „gefährliche Sozialschädlinge“ – Rainer Stinner, Politiker der FDP
  • 12. „Wichtig […] Querdenker zu bekämpfen“ – Karl Lauterbach, Bundesgesundheitsminister
  • 13. „Wir erleben eine Tyrannei der Ungeimpften“ – Frank Ulrich Montgomery, Vorsitzender des Weltärztebundes
  • 14. „Uninformiert und trotzig“ – Frank Ulrich Montgomery, Vorsitzender des Weltärztebundes
  • 15. „Ungeimpfte sollten nur noch Zutritt zu ihrem Arbeitsplatz, zu Lebensmittelgeschäften, Drogerien und Apotheken haben“ – Karl Lauterbach, Bundesgesundheitsminister
  • 16. „Ungeimpfte sind Gefahr für die Allgemeinheit“ – Peter Heinz, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung in Rheinland-Pfalz
  • 17. „Rechter Blinddarm der Gesellschaft“ – Sarah Bosetti, Kabarettistin
  • 18. „Die Gesellschaft muss das jetzt regeln: Wenn du nicht geimpft bist, dann möchte ich auch nicht, dass du mit meinen Kindern spielst.“ – Emil Reisinger, Rostocker Infektologe
  • 19. „Grenzt Impfgegner aus! Die Gesellschaft ist längst gespalten, die Zeit für Rücksicht ist vorbei“ – Thomas Laschyk, Internetportal „Volksverpetzer“
  • 20. „Klare Kante zeigen und Weihnachten nicht mit Ungeimpften feiern.“ – Rolf van Dick, Psychologe
  • 21. „Ungeimpfte gefährden uns alle.“ – Frank Walter Steinmeier, Bundespräsident
  • 22. „Besser wäre jetzt zusammenhalten. Alle gegen Impfgegner.“ – Karl Lauterbach, Bundesgesundheitsminister

Ich bin zutiefst erschrocken, wie herablassend und diskriminierend diese Menschen über eine gesellschaftliche Minderheit (die Ungeimpften bzw. Kritiker der Corona-Politik) reden, ihnen ihre Intelligenz absprechen, sie zum Sündenbock für alles Übel degradieren und gar fordern, sie aus dem öffentlichen Leben „auszugrenzen“. Solche Tendenzen hatten wir in Deutschland schon einmal. Und wieder schweigt die breite Masse still, was mich ebenfalls erschüttert. Ich schäme mich zutiefst für diese Aussagen, sowie für die tatsächlich stattfindende und mittlerweile alltäglich gewordene Diskriminierung in unserer Gesellschaft, die mittlerweile so weit vorangeschritten ist, dass eine ungeimpfte und nicht-genesene Person weder studieren, noch Freizeitangebote wahrnehmen, Vereinssport ausüben, oder sich mit beliebig vielen Freunden treffen darf. Selbst das Arbeiten wird Ungeimpften durch die 3G-Regel am Arbeitsplatz erschwert, vor allem wenn sie die täglichen Tests auf eigene Kosten durchführen müssen.

Mir fehlen einfach nur noch die Worte, da sich meiner Meinung nach immer stärker herauskristallisiert, dass Ungeimpfte Personen in dieser unserer Gesellschaft nicht mehr gewollt sind, und diese aggressive Form der spalterischen und hetzenden Rhetorik gegen Andersdenkende kein Ende zu nehmen scheint. All das waren schon einmal die Beginne einer grausamen Zeit unserer Geschichte. Man müsste meinen, gerade wir Deutschen müssten besonders sensibel für das Erkennen von autoritären und diskriminierenden Tendenzen der Politik sein. Man müsste doch meinen, wir hätten nach der Diktatur der Nationalsozialisten und der SED-Diktatur aus unserer Vergangenheit gelernt.

Aber: Fehlanzeige! Die breite Masse geht durch ihr Schweigen genau diesen momentanen Weg der Ausgrenzung und Diskriminierung mit, der u.a. durch die oben angeführten Aussagen bereitet wird. Und ich wage mich nicht, zu prognostizieren, wo dieser weg einmal hinführen wird. Meine Liste lässt sich zudem täglich erweitern. Es scheint für gewisse Personen schlicht kein Halten mehr zu geben, sodass man in jeder Ecke von Zeitungen und des Internets mittlerweile derartige Aussagen vorfindet. Es ist gespenstisch. Diese Rhetorik ist so dunkel wie unsere aktuelle Zeit.

Doch gerade in solch dunklen Zeiten tun sich immer wieder hell leuchtende Lichter der Hoffnung auf, sodass ich mich an dieser Stelle bei allen Personen und Gruppen, völlig egal ob geimpft oder ungeimpft, bedanken möchte, die öffentlich Gesicht zeigen und versuchen, mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln dieser Spaltung und Diffamierung entgegenzuwirken.

Diese Personen machen allerdings nur einen kleinen Teil unserer Gesellschaft aus, weshalb ich mich an dieser Stelle nur wiederholen kann: Ich schäme mich in Grund und Boden für den Großteil unserer Gesellschaft der einfach schweigt und alles mitträgt, blicke voller Sorge in die Zukunft und frage mich wo uns diese Entwicklung erst hinführen muss, bis die Masse beginnt, bei derartiger Diskriminierung und Ausgrenzung nicht mehr mitzumachen. Ich frage mich, wann die Rote Linie der meisten Menschen erreicht ist.

Wenn man allerdings Aussagen wie „Grenzt Impfgegner aus!“, „Ungeimpfte sind Gefahr für die Allgemeinheit“ oder „gefährliche Sozialschädlinge“ einfach so hinnimmt, sie nicht weiter kommentiert, vielleicht sogar gar nicht als solch problematische Aussagen wahrnimmt und es zu keinerlei gesellschaftlichem Sturm der Entrüstung kommt, frage ich mich, ob unsere derzeitige Mehrheitsgesellschaft überhaupt eine rote Linie hat, oder ob sie stattdessen dieser Politik blind bis zum bitteren Ende, wie auch immer es aussehen mag, vertraut und folgt. Frei nach dem Motto: „Augen zu und durch“.

Es scheint, als würde die Masse führ ihr eigenes, momentan bequemes Leben Grundwerte unserer einst freiheitlich-demokratischen Gesellschaft billigend aufgeben.

Was ist nur aus unserem Land geworden? Ich erkenne es nicht mehr wieder!

5 Kommentare

  1. Es hat nicht vor 20 Monaten begonnen . Es war schon einige Jahre davor in ersten Auswüchsen zu erkennen .
    Die Sucht einer sich durch „richtige“ moralische Gesinnung formierenden Mehrheit , die nüchternere und skeptischere Minderheit zu dominieren und zu diffamieren .
    Dies war besonders eklatant in den Ereignisse des Jahres 2015 zu bemerken . Wo ein dominierendes imperatives „wir schaffen das !“ jeden nüchternen Zweifel einfach wegzuwischen vermochte . Doch nicht nur die Argumente , sondern , befeuerte durch eine in Wegwischen geschulte Pfarrerstochter , begann man bereits damals Personen „wegzuwischen“.
    Was heute geschieht ist einfach nur eine Steigerung dieser zutiefst totalitären und demokratiefeindliche Überheblichkeit.

    Der Deutsche „an sich“ scheint da besonders begabt zu sein … Und den Preis dessen , wird er wohl erneut zu bezahlen haben. Es ist ohnehin ein Irrtum zu glauben , das Verblendung und Bösartigkeit „belehrbar“ wäre . Ist sie nicht . Sie wird lediglich durch die Schläge der Konsequenzen für eine kurze Zeit desaktiviert , um dann in neuer Variation um so brutaler wieder aufzuerstehen. Gnade uns Gott .

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  2. Ein schöner Beitrag. Und ….man müsse in jeder Aussage wo “ Ungeimpte“ steht, „Juden“ lesen (oder Schreiben) und schon wissen wir wer regiert hierzulande und welche Träume sie haben. Die Rhetorik ist schon gleich wie damals. Jede(r) soll drüber nachdenken: Auschwitz ist nicht vom Himmel gefallen.

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