Lauterbach und die Omikron-Welle: Booster senke Sterberisiko um 99 Prozent – RKI-Zahlen zeichnen anderes Bild

Wenn man denkt, es könne nicht noch abstruser werden, schafft es doch immer wieder einer der führenden Politiker, einen eines Besseren zu belehren – an vorderster Front Karl Lauterbach. So berichtet der Deutschlandfunk über eine Aussage Lauterbachs in Zusammenhang mit der Omikron-Welle und den hohen Inzidenzen mit bis zu 400.000 Corona-Neuinfektionen pro Tag. Vor diesem Hintergrund sagte Lauterbach, man habe das Infektionsgeschehen dennoch unter Kontrolle, und propagierte ein weiteres Mal die Boosterimpfungen. Seine Begründung laut Deutschlandfunk: „Das Risiko zu sterben, sinke dadurch um 99 Prozent.“

Die offiziellen aktuellen RKI-Zahlen (aus dem Wochenbericht vom 27.1.22) zeichnen allerdings ein anderes Bild. In „Tabelle 4: Impfstatus der COVID-19-Fälle mit Omikron in MW 52/2021 bis 03/2022 nach Altersgruppe (Datenstand 25.01.2022)“ sind insgesamt 6.490 symptomatische Fälle in der Gruppe der Über-60jährigen verzeichnet. Davon waren 1.208 ungeimpft, 2.168 grundimmunisiert und 3.114 mit Auffrischungsimpfung, also geboostert. Gestorben sind von den 1.208 Ungeimpften 15, also 1,24 Prozent. Bei den Grundimmunisierten waren 12 Tote von 2.168 Fällen und damit 0,55 Prozent, bei den Geboosterten 15 von 3.114, also 0,48 Prozent.

In den Meldewochen 52/2021 bis 03/2022 sind in Zusammenhang mit einer symptomatischen Omikron-Infektion also prozentual gesehen tatsächlich mehr Ungeimpfte verstorben als unter den Geboosterten (und Grundimmunisierten). Und auch bei den jüngeren Altersgruppen ließe sich rein theoretisch ein Effekt sehen: Von den Ungeimpften im Alter zwischen 18 und 59 starben 0,016 Prozent (2 von 12.236), bei den Grundimmunisierten 0,0035 Prozent (1 von 28.941). Bei den Geboosterten ist tatsächlich niemand der 14.893 registrierten symptomatischen Fälle gestorben. Die unterschiedlichen Zahlen allein der Impfung zuzuschreiben und auf dieser Basis eine Schutzwirkung von 99 Prozent zu propagieren, wäre allerdings angesichts der insgesamt extrem niedrigen Todesrate mehr als unseriös. Ob Zahlen in dieser Dimension einem statistischen Signifikanztest standhalten könnten, bleibt zu überprüfen. Zumal in dieser Auswertung lediglich die registrierten symptomatischen Fälle Beachtung finden. Die tatsächliche Todesrate dürfte nochmals deutlich niedriger ausfallen.

Es sind glücklicherweise nur sehr wenige, denen Omikron stark zu schaffen macht und daher ist es gar nicht wichtig, ob und wie sehr welche Impfung auch immer schützt. Aber wie Lauterbach einen 99-prozentigen Schutz durch die Booster-Impfung vor dem Tod durch diese Variante ableiten will, bleibt angesichts der niedrigen Zahlen schwer nachvollziehbar.

Bildrechte: Martin KraftMJK 67610 Karl Lauterbach (Bundestag 2020), Umrisse von Gunnar Kaiser, CC BY-SA 4.0

4 Kommentare

    1. Und zusätzlich kann man annehmen, dass viele nur als ungeimpft gelten, da die Verabreichung der Giftspritze vor weniger als 14 Tagen erfolgte.

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  1. Pardon, Herr oder Frau cstrut, aber Sie sind es, in deren/dessen Kommentar etwas nicht stimmt. 14 ist laut RKI die Zahl der ungeimpften über 60 Jahre alten Intensivpatienten, nicht die der -wie Sie behaupten- verstorbenen Ungeimpften.
    Für mich (63, ungeimpft, nicht „genesen“, aber immun) sind die Zahlen bezüglich meiner Altersgruppe (Ü60) besonders interessant, denn hier dreht sich die Statistik. Es fällt auf, dass -anders als in der Altersgruppe der unter 60jährigen- die geboosterten Ü60er nicht nur deutlich häufiger symptomatisch erkranken, sondern (nach absoluten Zahlen) auch deutlich weniger vor Hospitalisierung, Intensivstation und Tod geschützt sind als die „Grundimmunisierten“, also doppelt Geimpften. Ich bin erschrocken darüber, wie viele Geboosterte Ü60er bereits an Omikron gestorben sind, und rate allen älteren Menschen dringend davon ab, sich boostern zu lassen!
    Ihnen, Herr Kaiser, danke ich für den erhellenden Beitrag.
    Herzliche Grüße aus Köln-Nippes

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