Das „Corona“-Unrecht und seine Überwindung [Vergebung oder Vergeltung?]

Ein Essay von Frank Kind

Wer etwas „zu vergeben“ hat, will – und kann vielleicht – etwas „herschenken“, wie auch der Mensch, der „Versöhnung“ gewährt, auf eine „Sühne“, eine Bußleistung im Letzten verzich­tet, obwohl er diese Buße einfordern könnte. Mit „sühnen“ steht jedenfalls „versöhnen“ ety­mologisch in Beziehung. Was aber bedeutet das für die Aufarbeitung und Bewältigung des­sen, was man das „Corona“-Unrecht nennen könnte, und was bedeutet es allgemein für jede gesellschaftliche Situation großflächiger Spaltung und ganze Gruppen ausschließender Ver­leumdung? Sollen „um des lieben Friedens willen“ die Opfer von Spaltungsvorgängen stehen­den Fußes verzeihen, wenn ein Wandel sich abzeichnet, der „Wind“ sich zu drehen beginnt und auf einmal eine „offene Debatte“ möglich erscheint, wo noch wenig vorher einzig im Schema von Freund und Feind, von „Solidarität“ oder unsolidarischer „Verweigerung“ ge­dacht und gesprochen wurde – zum Schaden derer, die doch erst einmal einfach nur „gehört“ werden wollten?

Zunächst ist dazu zu sagen, dass eben diese Situation des „Wandels“ und der vorsichtigen Aufweichung der offiziellen, von Politik und Massenmedien vertretenen Positionen noch nicht wirklich zu sehen ist. Bloß, weil ein „Gutachten des Sachverständigenrats“ Mängel, Versäumnisse und Unverhältnismäßigkeiten bei den „Corona“-Maßnahmen, vor allem eine fehlende Datenerhebung ausmacht, zeichnet sich noch lange keine ausgleichende Annäherung ab – im Gegenteil: Diejenigen in Politik und Medien, die allzu selbstgewiss die Mär vom tod­bringenden Virus, das pandemisch die Völker der Welt befällt und heimtückisch die „vulne­rablen Gruppen“ attackiert, verbreitet haben, gehen nun nicht zerknirscht in sich und äußern, künftig Vorsicht walten lassen sowie Maß und Ziel anstreben zu wollen.

All die Lauterbachs und Drostens, die Kretschmanns und Söders sowie Anne Wills oder Thilo Jungs dieser Republik denken wohl nicht daran, öffentlich Irrtümer und Übertreibungen einzugestehen. Vielmehr laufen sie sich schon wieder warm für die nächste „Welle“, den nächsten „Lock­down“, den neuerlichen Versuch, wenigstens eine Teil-„Impfpflicht“ auf den Weg zu bringen. Und soll oder vielmehr darf man den Uneinsichtigen Vergebung anbieten oder ihnen ein­fach in diesem Gestus begegnen? Hieße dies nicht, dem Straßenräuber, der einen gerade über­fällt, auch noch den Weg in die eigene Wohnung zu weisen?

Der Weg in die Befriedung einer noch gespaltenen, in sich tief verwundeten Gesellschaft kann keine Einbahnstraße sein. Auch kann „Versöhnung“ niemals eine Forderung derer sein, denen am Ende etwas zu vergeben wäre, die als solche, die womöglich schwersten Rechts­bruch begangen haben, der Versöhnung bedürfen. Gerade, um das höhere Recht voll und ganz wieder aufrichten zu können, ist eine Entwicklung der Bewusstwerdung, der Einsicht und der Reue notwendig. Ja, es geht um nicht weniger als darum, dass diejenigen, die seit nunmehr über zwei Jahren reichlich Grund hätten, sich zu schämen, Scham und Reue endlich einmal an den Tag legen, sich unter Umständen öffentlichen Verfahren stellen, Schadenersatz leisten …

Und doch, wahrlich groß ist, wer nicht vergelten will, sondern Vergebung anbietet, obwohl er allen Grund dazu hätte, die Hand noch nicht auszustrecken! Wahre Hilfe gewährt, wer in die­sem Gestus der Verzeihung, die quasi nur darauf wartet, sich zeigen zu können, schon jetzt lebt. In dieser Bereitschaft, die Hand sofort auszustrecken, lässt es sich wahrhaft gut leben – sie ist der Gestus innerer Freiheit.


Zum Autor: Frank Kind, geboren 1958 in Hürth (Rheinland); Studium der Germanistik (Hauptfach), Geschichte und Soziologie in Frankfurt am Main; Tätigkeit als Fachjournalist und Lektor, lang selbstständig; heute an einer Schule im Taunus tätig. Frank Kind lebt in Frankfurt am Main.

2 Kommentare

  1. Nein, tut mir leid. Ich bin NICHT dazu bereit Vergebung anzubieten. Kein Yota!
    So lange bei den Verantwortlichen keinerlei Einsicht erkennbar ist, sondern eher noch mal draufgesattelt wird um ja nichts zugeben zu müssen wird es KEINE VERGEBUNG geben, ganz im Gegenteil.
    Ich habe
    – But spenden eingestellt
    – Ehrenämter gekündigt
    – Spenden generell eingestellt
    – Organspendeausweis vernichtet
    – von der DKMS abgemeldet
    diese faschistoide Gesellschaft bekommt von mir NICHTS mehr ausser Steuergeld so lange die Verantwortlichen aus Politik und Medien sich dafür nicht verantworten. NICHTS.
    Und sollte das auf absehbare Zeit nicht geschehen werde ich das Land verlassen.
    Ein Akademiker mit hohem Steuersatz weniger. Können sie selber zusehen wo sie bleiben.

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