War Marx ein Libertärer? – Stefan Blankertz im Gespräch

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Linke Gewalt?

Gibt es linke Gewalt? Ist Gewalt immer links? Kann Linkssein per definitionem niemals Gewalt befürtworten?
Hannah Arendt, Günther Anders, Frantz Fanon, George Sorel, Jean-Paul Sartre und Rudi Dutschke über Macht und Gewalt.

Links und libertär? Samuel Edward Konkin III: Agorismus [RadioSchau 24]

Samuel Edward Konkin III, geboren am 8. Juli 1947 im kanadischen Saskatchewan, gestorben am 23. Februar 2004 in West Los Angeles, Kalifornien, entdeckte früh die libertäre Bewegung in ihrer Entstehungsphase Mitte der 60er Jahre. Dabei wurde Konkin, auch bekannt als SEK3, schnell zu einer prägenden Figur auf ihrem radikalen Flügel. In seinem wichtigsten Werk „Manifest der neuen Libertären“ fasste er seinen Ideen für eine freie Gesellschaft zusammen und prägte dafür die Begriffe „Agorismus“, „Gegenökonomie“, „neulibertär“ und „linkslibertär“.

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Der junge Marx oder Was man sieht und was man nicht sieht

Eine kurze Kritik

Wer ist der Hauptdarsteller dieses Films? August Diehl, weil er den Titelhelden spielt? Stefan Konarske, weil er den sympathischeren Engels verkörpert? Vicky Krieps, weil sie der Misere der Frau um 1848 ein Gesicht gibt? Oder doch Peter Benedict, weil er als Engels‘ ausbeuterischer Kapitalistenvater den diabolischen Antagonisten verkörpert, der den Kampf für die Arbeiterklasse erst anstößt? Oder ist gar gleich die ganze Arbeiterklasse als revolutionäres Subjekt der Held eines Films, der doch nicht nur die Anfechtungen und Nöte eines idealistischen Materialisten zeigen will?

Es gibt eine Szene in der Mitte des Films, da taucht der heimliche Hauptfigur einmal auf. Es ist das Leinentuch, in das Marx‘ neugeborene Tochter gewickelt ist, bevor sie in die Arme ihres Vaters gelegt wird. Dies ist nämlich die einzige Szene, wo das Produkt der Arbeit tatsächlich „zum Tragen kommt“. Ansonsten sieht man von dem, was Kapitalistenschwein Engels sen. herstellt, wenig bis nichts. Die Szenen, die in der Leinenfabrik spielen, zeigen nur die ausgebeutelten Arbeiterinnen und die gesichtslos-kalten Maschinen. Das „was hinten raus kommt“, bleibt unsichtbar.

Es ist das Tuch, das sich Marx und der vierte Stand nun schneller und billiger leisten kann, weil der Räuberbaron es maschinell herstellt. Es ist die saubere Decke, in die das Baby gewickelt wird – kein filziger Lumpen mehr. Es ist der Gehrock, den sich nun auch der Revolutionär leisten kann, wenn er wie Proudhon vor den Arbeitern steht und in Reden die Abschaffung des Privateigentums fordert. „Eigentum ist Diebstahl“ sagt er, doch seinen Gehrock darf er anbehalten …

Das Tuch

Es ist dieses Tuch, das – in Massen produziert – den Massen den Alltag bequemer und leichter macht. Es ist Engels‘ Kapital, das das Leben der Arbeiterklasse angenehmer macht. Angenehmer zumindest, als die Lektüre des „Kapitals“ es vermag.

Daher ist es auch fast unsichtbar. Nach Frédéric Bastiat erkennt man einen guten Sozialphilosophen daran, dass er unterscheiden kann zwischen dem, was man sieht, und dem, was man nicht sieht. Man sieht das Elend der Arbeiterklasse. Nicht jedoch sieht man, wie die Produkte des Kapitalisten Wohlstand produzieren. Man sieht die Bettler auf der Straße. Man sieht jedoch nicht die bettelnden Arbeiter, weil es sie nicht gibt. Weil die nämlich von Engels sen. von der Straße geholt wurden und nicht mehr betteln müssen, wie es die Natur eigentlich für Sie vorgesehen hatte.

Man sieht das Leinentuch nicht, man sieht den Ursprung des Wohlstands nicht, man sieht die Quelle des Geldes nicht, das Marx sein Schreiben finanzierte.

Ein kleines idyll

Bis auf eine Szene: Jenny Marx wird von Gläubigern belagert, die die Begleichung ihrer Schulden fordern. Auftritt Karl, der sie mit jovialer Geste ausbezahlt. Kuz darauf hält er der glücklichen Ehefrau einen Hummer vor die Nase, und die nächste Szene zeigt, wie die Familie im Garten den gekochten Hummer isst (Bezüge zu Sara Wagenknecht sind rein zufällig …).

Ein Idyll. Bezahlt von Engels‘ Vater, dem Ausbeuter der Arbeiterklasse.

Welches System ist das beste?

Bei Philosophie Workout haben der Physiker Wätzold Plaum und ich über das beste politische System, über Freiheit und Kapitalismus, Zinsen und Geldsystem gesprochen.

 

Teil II

https://youtu.be/2R4857HRNbY

Anarchokapitalisten sind die schlechtesten Kapitalisten

Kürzlich habe ich ein Video mit ein paar ausschreitungsartigen Eindrücken vom Black Friday gemacht und mit einem kleinen kapitalismuskritischen Text von Erich Fromm unterlegt – nach 15 Stunden wurde es bereits über 10000 mal angesehen. Mit Abstand mein erfolgreichstes Video bisher.
 
Fromm konstatiert darin einen Unbehagen an der bürgerlichen Gesellschaft, die den Menschen krank mache und der Liebe entfremde. Dieser fliehe dadurch in Arbeitswut und Kaufrausch.
 
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Bislang 24.448 Reaktionen auf facebook und mehr als zweitausendmal geteilt: Barbaras „Kapitalismuskritik“

Die (marxistische) Kritik am Kapitalismus hat eine so große Nachfrage, dass man mit ihr superprima Videos, Memes, Schilder, Artikel oder Bücher an den stressgeplagten Mann und die Frau bringen kann. Unser „Unbehagen“ in der westlichen „kapitalistischen“ Gesellschaft ist so groß, dass jeder Erklärungsversuch auf größte Resonanz stößt – wenn er nur die Schuld auf „den Kapitalismus“, „den Markt“ oder die bösen Unternehmer schiebt, die einfach nicht mehr ethisch wirtschaften. Wirtschaft diene einfach nicht mehr dem Menschen, sondern der Mensch sei Mittel zum Zweck immer größeren Profits. Wir müssen zurück zu einem verantwortlichen Konsum, müssen uns abkehren von Materialismus und Hyperkonsum, müssen der Wachstumsideologie und dem Effizienzdenken abschwören …

 
Es ist diese Sehnsucht nach einfachen Erklärungen, die auch Buchtitel wie „Reichtum ohne Gier: Wie wir uns vor dem Kapitalismus retten“ (Wagenknecht) , „Kaputtalismus“ (Misik), „Postkapitalismus“ (Mason), „Schlaflos im Spätkapitalismus“ (Crary) so erfolgreich machen auf dem Buchmarkt. Kapitalismuskritik ist ein Verkaufsschlager.
Doch anstatt sich diese Verhältnisse zu Nutze zu machen, anstatt die Nachfrage zu bedienen, weigern sich Anarchokapitalisten, dem Kapitalismus die Schuld für die beobachteten Mängel der Gegenwart in die Schuhe zu schieben. Stattdessen fordern sie nur „noch mehr Markt“ und machen sich unbeliebt bei den harmoniebedürftigen Menschen, die doch nichts wollen als Absolution von der Erbsünde, die mit ihrer Geburt im freien Westen einhergeht. Die Menschen hören „mehr vom Selben“ und wenden sich ab – und den Wundermittelverkäufern mit ihrem etatistischen Balsam, der die erschöpfte Seele streichelt, zu.
 
Wenn Anarchokapitalisten anständige Kapitalisten wären, dann würden sie ihr Kapital auch anständig ausnutzen – und das Bedürfnis der Menschen nach Kapitalismuskritik ordentlich ausbeuten! Wie leicht wäre es, dem Mainstream nach dem Mund und dem Misstrauen der Menschen gegen die Freiheit das Wort zu reden, den Markt an den Pranger zu stellen, die fürsorgliche Hand des wohlmeinenden Vaters Staat zu preisen und dafür einen Platz auf den oberen Rängen der Bestsellerlisten zu ergattern (Einladungen in Talkshows und Interviews mit ZEIT-Journalisten inklusive).
Anarchokapitalisten sind schlechte Kapitalisten. Ihnen ist Wahrheit und Differenziertheit wichtiger als die Begierden der Massen zu befriedigen.