Vom Versuch, ein Mensch zu werden – Terminator: Genisys

Wenn der Mensch wirklich mehr sein will als ein Uhrwerk, eine voreingestellte Mechanik, deren Wert sich in ihrem Funktionieren erschöpft, wie kann er sich beweisen, dass er die Fähigkeit dazu hat? Dass er mehr ist als ein Roboter mit Selbstbewusstsein? Dass er mehr ist als ein T-800, dem man Höflichkeit und Lächeln zum rechten Zeitpunkt beigebracht hat?
Um die Unterschiede zwischen Mensch und Maschine ging es schon vom ersten Film der Terminator-Reihe an. Der T-800, diese hybride Mischung aus Mensch und Maschine, steht mit seinem zwischen roboterhaften Unbeholfenheit und rührender Menschlichkeit oszillierenden Auftreten für das Verschwinden all dieser Unterschiede, das einer technokratischen Gesellschaft zu blühen scheint. Er verkörpert unsere menschliche Sehnsucht, die Grenze zu übertreten und alle Bedenken vor einem Sündenfall, der Kopulation von Mensch und Maschine, hin zu einer besseren Zukunft zu überwinden. Unsere Sehnsucht, aber freilich auch unsere Angst.

Der österreichische Philosoph Günther Anders hat die Differenz zwischen Maschine und Mensch „das prometheische Gefälle“ genannt, und das Bewusstsein menschlicher Unterlegenheit angesichts dieser Differenz „prometheische Scham“. Der Mensch schämt sich, so schwach und gebrechlich zu sein, während seine eigenen Produkte beinahe gottähnliche Kräfte entwickeln.
„Die Entwicklung der Technik ist bei der Wehrlosigkeit vor der Technik angelangt“, heißt es bei Karl Kraus, und diese Wehrlosigkeit ist Ausgangssituation aller Terminator-Filme. Das Paradoxon ihres Plots bestand zumindest seit Camerons zweitem Film der Serie in der Tatsache, dass der Mensch nur durch seine eigene Technik sich gegen seine eigene Technik zur Wehr setzen kann. Folgerichtig muss der Mensch noch technischer werden, um sich eine minimale Überlebenschance zu sichern. Er muss selber technisch werden.
Der Versuch der Hybridisierung, der Annäherung von Mensch und Maschine, geht seit geraumer Zeit zugleich in beide Richtungen. Die Maschinen menschlicher zu machen, war Traum seit Pygmalion, aber auch die Menschen sollten Maschinen ähnlicher werden. In Mimik und Gestik, in Mode und Lebensweise zeigt sich ein neuer Zug der Menschlichkeit: cool sein, minimalistisch, effizient, zielorientiert, rational .. endlich will der moderne Mensch sein antiquiertes Dasein, geprägt von Schwäche und Anfälligkeit, überwinden. Er will sich selbst optimieren, will funktionieren und es im Funktionieren mit der Maschine aufnehmen – der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er funktioniert.
Schwer zu sagen, was dem Menschen schwieriger ist: seine Maschinen menschlicher zu machen oder sich selbst zur Maschine. Die Sehnsucht nach einer menschlicheren Maschine äußert sich in der Kulturgeschichte als Allmachtsbestreben, als Männerphantasie, als prometheischer Nefas, es Gott gleich zu tun oder den Göttern.
Von der einen Seite her nähert sich das menschliche Vollkommenheitsstreben der Maschine selber und ihren features – seien es vorausschauende Algorithmen, liebevolle Pflegeroboter oder die Fähigkeit zu verständiger Rede. Wir merken dies z. B. bei Siris erstaunlichen Versuchen, menschlich zu wirken, wenn sie uns spontan und unberechenbar erscheinen will. Zum Glück gibt uns ihre Unbeholfenheit noch Anlass zum Schmunzeln, erheben wir uns doch schmunzelnd über die Maschine und merken erst dann wieder, was uns zu Menschen macht, wenn wir merken, was wir der Maschine voraushaben: Ironie, Humor, Selbstreferentialität, Spontaneität, Unberechenbarkeit.
Der Film „Ex Machina“, philosophisch ungleich tiefer intendiert als der 5. Terminator, zeigt die Problematik eindrucksvoll auf, die mit einer Technik einhergeht, der Unberechenbarkeit nicht nur möglich, sondern als notwendiges Feature einprogrammiert ist. Die Problematik nämlich, dass der Mensch sich angesichts solcher Möglichkeiten selber befragen muss, ob er nicht vielleicht selber Maschine ist. In einer eindrucksvollen Szene, die die berühmte Ecce-Homo-Szene aus Terminator 2 spiegelhaft zitiert, schlitzt sich die Hauptfigur, den Unterarm auf, um unter die Oberfläche zu sehen – mehr Zweifel an seinem eigenen Wesen, seiner eigenen Menschhaftigkeit, kann es nicht geben. Wo Schwarzenegger durch die Ablösung des menschlichen Gewebes von seinem Unterarm seine Maschinenhaftigkeit beweisen konnte, muss nun der Mensch sein Innerstes nach außen kehren und hat noch immer keine Gewissheit, ob er nicht doch bloß ein denkendes Uhrwerk ist. Ein von einem genialen Erfinder hergestelltes und programmiertes Produkt. Und wenn? Wo wäre bei dieser Alternative eigentlich der Unterschied zur religiösen Erklärung der menschlichen Existenz?
Aber nun soll auch der Mensch zur Maschine werden. Auch dieses Bestreben verkörpert der T-800 trefflich. Ist seine rein äußerliche Erscheinung doch keine computergenerierte, sondern die „menschliche“ des Schauspielers Schwarzenegger selber. Dessen gebuildeter Body steht seit den Siebzigerjahren wie kein zweiter für den überformten, künstlich geschaffenen, überhöhten Menschenkörper, der Ergebnis harter, disziplinierter Arbeit an sich selbst ist: der Transformation durch den eigenen Willen. So wird er von der anderen Seite her zum Symbol für den menschlich-männlichen Versuch, zur Maschine zu werden: stark, unnahbar, nicht alternd. Der Trick besteht darin, einen menschlichen Körper zu haben, der so geformt wurde, dass in ihm eine Maschine stecken könnte.
Jetzt aber, paradox und folgerichtig zugleich, ist die Annäherung von Mensch und Maschine beinahe vollendet. In Terminator: Genisys werden wir gleich auf mehreren Ebenen Zeugen dieses Vorgangs. Der T-1000, im 2. Film noch Ausdruck der unheimlichen Überlegenheit der technisch hergestellten Technik, die nicht nur den gebrechlichen Menschen, sondern auch dessen „menschliche“ Technik (Waffen, Sprengstoff, T-800) besiegen konnte, ist berechenbar geworden. Die einzige Schwäche der Technik, seine Berechenbarkeit, hat der Mensch, hier Sarah Connor, die den shapeshiftenden T-1000 erwartet und ihm eine Falle gestellt hat, auszunutzen verstanden und somit eine gewisse Überlegenheit zurückgewonnen.
Der T-800, selber nicht des Morphings fähig und somit noch in seiner technischen Anfälligkeit menschlich, altert. „Alt, aber nicht veraltet“, pflegt Arnie das Bewusstsein seiner eigenen Unterlegenheit neueren Versionen gegenüber auszudrücken. Aber nicht nur seine Fähigkeiten kommen im Vergleich veraltet daher, auch seine äußere Erscheinung, die Seite, die die Maschine doch dem Menschen stets voraushatte, was ihre Anfälligkeit angeht, macht einen Prozess der Alterung durch.
Sein Tod ist kein Tod, sondern ein Upgrade – ironischer Verweis auf Versuche des Transhumanismus, durch Genetik und Neuropsychologie auch den Tod für überholt zu erklären – ein Überbleibsel aus einer älteren Version des Menschen.
Zugleich entwickelt Arnie menschliche Verhaltensweisen, ja geradezu menschliche Schwächen und Ticks. Nicht nur sein Grinsen und sein Sinn für Humor machen ihn immer mehr zu einem Menschen. Er ist der Roboter, der zulange unter Menschen gelebt hat, als dass seine Roboterfreunde, käme er irgendwann zurück, ihn noch als den ihren ansehen würden. Er ist wie ein Auswanderer, der die Programmierungen seiner Herkunft nach und nach ablegt. Seine Programmierung, Sarah Connor zu schützen, erscheint nunmehr wie Mitgefühl, väterlicher Schutzinstinkt oder sogar Liebe. Er gibt sich als eifersüchtiger Schwiegervater, übernimmt am Ende sogar eine Großvaterrolle und opfert sich, hierin schon immer eine Jesus-Figuration, für die Rettung des Menschengeschlechts selber auf.
John Connor hingegen, dem die zweite Jesus-Erlöser-Rolle zukam, wird nun selber zur Maschine. Seine Hybridisierung ist sogar noch fortgeschritten – bei ihm kann man, im Gegensatz zu Arnie, gar nicht mehr feststellen, wo Mensch aufhört und Maschine anfängt.
Auch heute ist das, in Zeiten des ubiquitären Internet, des Internet der Dinge, Internet 4.0, von Smartphone, Apple Watch und Tablets, ja schwer festzustellen. Im Film wird darauf kurz angespielt; die Menschen scheinen unfähig, ihren Alltag ohne Smartphone und Internet zu bewältigen. Dass das keine dystopische Zukunftsvision ist, macht nicht nur Setting der immer näher kommenden schönen neuen Welt ins Jahr 2017 deutlich.
„Die Menschen schließen sich mehr und mehr an die Riesenmaschine an, werden zu ihrem entbehrlichen Anhängsel“ (G. Anders) und die Maschinen werden zuneiget einzigen Maschine: Skynet.
Skynet ist das Böse, aber nicht weil es Technik ist und damit dem genuin Menschlichen entgegengesetzt, sondern weil es nur Technik ist. Es ist eben technische Technik, deren Boshaftigkeit darin ihren Gegenstand findet, dass sie keinen hat und braucht.
„Jeder einzelnen Maschine ist „Wille zur Macht“ eingeboren“, wie es bei Günther Anders heißt.
Skynet hat und braucht kein Motiv, um die Erde von den Menschen zu befreien, es ist reiner, kategorischer Wille  zur Macht, der sich im Akt der Erfüllung selbst auflöst: über wen sollen die Maschinen denn einst herrschen, wenn es keine Menschen mehr gibt? Und was hätten sie davon? Das Banal-Böse an Skynets Maschinen ist, dass sie einfach tun, wozu sie programmiert wurden.
Auch Arnie ist ja nur Technik, doch gewissermaßen menschliche Technik, eine, zu der wir einen persönlichen Bezug herstellen können und mehr noch: einen Bezug, der auf Gegenseitigkeit beruht. Gespiegelt wird dies auch in den unglaublich nichtssagenden schauspielerischen Leistungen der Akteure, die, bis auf Schwarzenegger, austauschbar und unbeholfen wirken. Dass Arnold Schwarzenegger einmal in einem Film als bester Darsteller des gesamten Casts gelten würde, ist nur konsequent angesichts der Entwicklung zum austauschbaren Maschinenmenschen.
John Connor aber ist in Terminator: Genisys auf dem Weg zum Bezugslosen, der Maß und Angemessenheit verloren hat. Ebenso wie bei Skynet ist es ja auch bei ihm im Grunde völlig unklar, worin die Motivation seines Handelns liegen könnte.
Kyle Reese appelliert noch in einer Szene an den Menschen in ihm. Aber wir können nicht mehr unterscheiden, ob im modernen Hybrid-Menschen noch ein Residuum von Menschlichkeit steckt. Woran wollen wir festmachen, ob ein Mensch wirklich Mensch ist, wenn die Maschinen uns sogar in Herz, Selbstironie und Gebrechlichkeit gleichen? Terminator: Genisys erzählt von der Unmöglichkeit die condition humaine in einem hybrid gewordenen Zeitalter auszumachen.

Was wäre ein selbstbestimmtes Leben? – Welzer / Pauen: „Autonomie“

Michael Pauens und Harald Welzers Schrift verteidigt den Mut, sich seiner eigenen Autonomie zu bedienen.

rosaMichael Pauens und Harald Welzers Schrift verteidigt den Mut, sich seiner eigenen Autonomie zu bedienen.

nachhören auf Soundcloud:

IMG_5306
Michael Pauen / Harald Welzer: Autonomie. Eine Verteidigung

 

Haben Sie auch manchmal das Gefühl, Sie hätten, in anderen Zeiten, bloß zu den Mitläufern gehört? Und dass, obwohl Sie sich selber heute selbstbestimmt, urteilsfest und als kritischer Geist vorkommen? Wer gibt uns die Gewissheit, wir hätten damals zu denjenigen gehört, die aufgestanden wären und nein gesagt hätten, wenn es uns Heutigen im Westen (noch) so gefahrlos möglich ist, Widerspruchsgeist und körperliche Unversehrtheit miteinander zu vereinigen? Wenn unsere Anti-Haltung vergleichsweise bequem ist und nicht einmal unser individueller Wohlstand auf dem Spiel steht?

IMG_5307

Andererseits: Hätten Sie, in anderen Zeiten, zu den hellsichtigen Warnern gehört, zu denen, die sensibel waren, die Zeichen der Zeit erkannten und frühzeitig Alarm schlugen, als es noch möglich war? Möglich, aber nicht eben opportun, weil man Sie als pessimistischen Spinner und Katastrophisten gebrandmarkt hätte? Zu Zeiten, da Dissidenz noch wirklich uncool war?

Zwischen derartigen Gewissensfragen erstreckt sich der Handlungsspielraum, um den es Michael Pauen und Harald Welzer in ihrem Buch „Autonomie. Eine Verteidigung“ geht: Selbstbestimmung trotz Gefahr für das eigene Leben und das der Liebsten, innere Unabhängigkeit und Mündigkeit trotz der Gefahr der sozialen Isolation. Diese Erörterung ist so notwendig wie schwierig. Denn so notwendig und wertvoll Autonomie auf der einen Seite ist, so schwierig zu begreifen ist sie auf der anderen. Zwei Beispiele unter vielen: Handelt ein Veganer autonom? Vor 40 Jahren vielleicht, aber heute? Denkt jemand, der nicht an die offizielle Theorie vom 11. September glaubt, autonom? Heute vielleicht, aber in 40 Jahren? Man sieht also: Autonomie ist wie Farbempfinden – sie kann im Grunde kaum festgestellt werden, denn sie hängt erstens von den Umständen ab und ist zweitens als geistige Einstellung eben nie allein durch Verhalten oder Äußerungen nachweisbar.

Der Schweizer Philosoph Peter Bieri fragt in einer Vorlesung, was ein selbstbestimmtes Leben wäre. Welzer und Pauen nun nähern sich von der negativen Seite und fragen: „Was tun gegen den Zwang zur Anpassung?“ Man kann sich derzeit keine viel brennendere Frage vorstellen, da der Verlust der Privatsphäre, die Erosion einer kritischen Öffentlichkeit, die Allmacht der täglichen Überwachung, der Zweifel an unabhängiger Berichterstattung in den Medien, die Möglichkeit von Manipulation und Propaganda und ein Abstimmungsverhalten von gewählten Volksvertretern, auf das Honecker stolz gewesen wäre, zu einer Melange geführt haben, die uns eine eigene Haltung und ein selbstständiges Urteil über die Lage der Dinge beinahe unmöglich machen.

IMG_5309
Allein darum ist dieses Buch ein Kleinod, das in den Bücherschrank jedes Menschen gehört, der heute und in Zukunft ausloten will, wo der Spielraum seiner Mündigkeit und der seiner Zeitgenossen verläuft, wo er gefährdet ist und unter welchen Umständen er sich erweitern ließe. In den Bücherschrank gleich neben Welzers kluger Anleitung zum Widerstand mit dem Titel „Selbst denken“.

Auch heute kann es ja schon karrieregefährdend sein, den falschen Autor zu zitieren, die falschen facebook-Seiten geliket oder dem falschen Staat im Nahen Osten seine Sympathie bekundet zu haben. Mit den Autoren werfen wir daher gerne einen Blick auf die aktuellen Gefahren für individuelle und gesellschaftliche Autonomie, aber auch auf die Bedingung ihrer Möglichkeit. Autonomie, so die Prämisse von und Pauen/Welzer, sei erstens eine Errungenschaft und zweites als solche stets wiederherzustellen. Dabei machen sie nicht den Fehler, Autonomie als moralischen Wert an sich zu verteidigen – autonom kann auch der sein, der eine ganz und gar irrige und verwerfliche Weltsicht hat. Abwegig sein bedeutet selbst heute nicht, Recht zu haben.

IMG_5308

Autonomie, als „Fähigkeit zu selbstbestimmtem Handeln gegen Widerstände“, ist nicht gleichzusetzen mit sittlicher Vorbildlichkeit, gleichwohl aber ihre Voraussetzung. Im Grunde bewundern wir Menschen, deren Handeln uns autonom vorkommt, aber angesichts ihrer fragwürdigsten oder einfach nervigsten Exemplare wünschen wir uns manchmal, sie wären ein wenig öfter dem Zwang zur Konformität erlegen. Dieser Impetus allerdings, wenn wir ihm nachgehen und ihn öffentlich machen (indem wir uns z. B. an Shitstorms beteiligen), führt auf der anderen Seite dazu, den Druck auf kritisches, neuartiges, vorurteilsfreies, unabhängiges Denken zu verstärken und die Pflänzchen echten Widerspruchsgeistes, der vielleicht einfach hellsichtiger ist als wir, im Keim zu ersticken.

Des Weiteren erweist sich absolute Autonomie den Autoren nicht durchweg als Ideal für Menschen, die in einer modernen Gesellschaft leben wollen. Ein vollkommen selbstbestimmter Mensch sei nicht willens oder nicht in der Lage, an einer arbeitsteiligen, kooperativen Ordnung teilzunehmen – die im Gegenzug seine faktische Freiheit erst ermöglicht.

In einer geistesgeschichtlichen Erörterung der Geschichte von Autonomievorstellungen gelingt es den Autoren, den Bogen zu schlagen von antikem Denken (handelt Antigone autonom, wo sie doch „nur“ das göttliche Gesetz erfüllen will?) über Kant und Hegel bis Stirner und Nietzsche und schließlich zu den russischen Utopisten des 20. Jahrhunderts, bei denen individuelle Autonomie in menschenfeindlichen Totalitarismus umschlägt.

Hier wie auch in seinem empirischen Teil nehmen die Autoren eine nachvollziehbare Perspektive auf das Problem autonomen Denkens und Handelns ein. Historische Fallstudien wie die zum Verhalten der Männer des Polizeibattaillons 101 im Jahre 1943, die (Neu-)bewertung bekannter Konformitätsexperimente von Asch oder Milgram oder die Ergebnisse ihres eigenen Forschungsprojekt über „Handlungsspielräume des Selbst“ ergeben ein breites Panorama, das auf vielerlei Ebenen nützliche Einsichten in die Ursachen sowohl von konformen als auch von abweichendem Verhalten bietet. Auch auf aktuellere Phänomene wie Shitstorms, Cybermobbing, mediale Hypes und Hysterie gehen Pauen und Welzer ein, denn sie erkennen, dass die zur Erhaltung einer freien Gesellschaft notwendige kritische Öffentlichkeit sich unter den Vorzeichen moderner Kommunikationtechnik nur durch neue Antworten auf derartige Phänomene bilden kann.

Es scheint, dass die Fähigkeit zu Selbstreflexion und – distanz eng verzahnt ist mit der Fähigkeit, zwischen Konformität und Autonomie je nach Situation zu wechseln. Eine solche Fähigkeit wiederum hat günstige Wachstumsbedingungen in einem liebevollen Umfeld, das Bindung und Freiraum vereint.

 

Nicht allen Schlussfolgerungen kann und muss und soll man folgen. Fragwürdig wird das Buch aber dort, wo es weder die Notwendigkeit von Staaten an sich hinterfragt noch die eigentlichen Ursachen der Hörigkeit der Menschen gegenüber Gesetzen und ihren Vertretern reflektiert. Seine Kritik etwa an Google und Facebook und am Verhalten von Menschen, die ihnen ihre privaten Daten bereitwillig überlassen, läuft da ins Leere, wo die Autoren sich nicht im Klaren darüber sind, dass derartige Unternehmen und derartiges Verhalten einzig und allein dort gefährlich ist, wo es staatliche Strukturen gibt, die mit Geheimdiensten und Gewaltmonopol in der Lage sind, einen handfesten Vorteil daraus zu ziehen.

Dieser blinde Fleck in der Argumentation zeigt sich insofern, als „Autonomie. Eine Verteidigung“ den Staat nur in seinen sichtbaren Auswüchsen, als totalitäres Regime oder Überwachungsstaat, kritisiert, nicht aber die Unfreiheit, die Menschen auch in und durch „ganz normale“ und demokratische Systeme erfahren. Eine bisweilen massive Einschränkung persönlicher Handlungsspielräume, die wir oft als „notwendiges Übel“ zu akzeptieren zu müssen glauben. Die Begriffe Demokratie und Rechtsstaat gelten den Autoren, hierin ganz konform zum kulturellen Mainstream, als Patentrezept, ohne dass sie auf die Schwierigkeiten, die in solchen Konzepten liegen, eingehen. Ja, sie befürworten sogar ein zwischenstaatliches Gewaltmonopol, das nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Weltregierung sein kann – wer schützt uns dann vor dieser Weltregierung, die sich ja wohl kaum selber als Unrechtsstaat bezeichnen wird? Ein Beispiel: Die Autoren plädieren sinnvollerweise dafür, man solle seine Zustimmung verweigen, wenn das Bargeld abgeschafft werden soll. Bargeld sichert Autonomie. Wenn nun andererseits eine demokratisch gewählte Regierung oder ein Volksentscheid sich gegen Bargeld entscheidet – wer hat dann Recht? Ist derjenige, der dagegen opponiert und heimlich am Tausch mit einer „Untergrundwährung“ teilnimmt, ein Widerstandskämpfer, oder doch eher ein Feind von Demokratie und Rechtsstaat? Dass auch die Herrschaft der Mehrheit über den Einzelnen eine Herrschaft ist und seine Autonomie einschränkt, scheint den Autoren in voller Konsequenz nicht in den Sinn zu kommen.

Einen Folgeband würde man sich wünschen, in dem Welzer und Pauen Auskunft darüber geben, was genau sie sich unter ihrem vielbeschworenen Rechtsstaat denn vorstellen und auf welche Weise eine Gesellschaft dem augenscheinlichen Problem entgehen kann, dass jeder Staat sich selbst als Rechtsstaat bezeichnet – und ob es Möglichkeiten gibt, wie man nicht erst in der Rückschau feststellen kann, ab wann genau sich ein legitim als solcher bezeichneter in einen faktischen Unrechtsstaat zu verwandeln begann.

IMG_5310
Klappentext


Michael Pauen, Harald Welzer: Autonomie. Eine Verteidigung. 

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2015.

328 Seiten, 19,99 €

ISBN: 978-3-10-002250-9

Das Paradies wird in der Kunst verteidigt – Thomas von Steinaecker: „Die Verteidigung des Paradieses“

Thomas von Steinaecker schreibt mit Die Verteidigung des Paradieses eine deutsche Dystopie

Thomas von Steinaecker schreibt mit Die Verteidigung des Paradieses eine deutsche Dystopie

 

Nennen Sie ein altes deutsches Volkslied. Ihnen fällt keines ein? Dann wählen Sie unter diesen dreien:

  1. „Am Brunnen vor dem Tore“
  2. „Ich war noch niemals in New York“
  3. „99 Luftballons“

Alles relativ, sagen Sie? Was alt ist, bestimmt Gott Chronos, was ein Volkslied ist, der Volksgeschmack, und was deutsch ist … ja, wer bestimmt das eigentlich? Die Sprache, das Land, die Eltern, die Haltung zur Welt? Oder ist es gar die Erbausstattung? Weiterlesen „Das Paradies wird in der Kunst verteidigt – Thomas von Steinaecker: „Die Verteidigung des Paradieses““

KaiserTV Podcast, Folge 1: Was ist Resonanz?

Auch das Fernsehen hat ja mal klein angefangen, nämlich als Radio, und so geht es auch KaiserTV – erstmal als halbstündiger Podcast über Hartmut Rosas im Frühjahr 2016 bei Suhrkamp erschienene Soziologie der Weltbeziehung – „Resonanz“.

Auch das Fernsehen hat ja mal klein angefangen, nämlich als Radio, und dieses Schicksal teilt nun offenbar auch KaiserTV – Folge 1 erscheint erstmal als halbstündiger Podcast über Hartmut Rosas im Frühjahr 2016 bei Suhrkamp erschienene Soziologie der Weltbeziehung„Resonanz“.

Auf Soundcloud zu hören unter:

 

Depressionen durch zu viel Kapitalismus?

history of the great depression, myths, causes and effects, from Coolidge to Roosevelt

Die Geschichte der Großen Depression – Märchen, Ursachen und Folgen

 

Von Zeit zu Zeit braucht der Mensch, um als guter Untertan funktionieren zu können, eine Gute-Nacht-Geschichte. In diesem Märchen treibt der böse Wolf der menschlichen Freiheit sein Unwesen, wird vom guten Staat aber letztlich doch vertrieben oder zumindest in seine Schranken verwiesen.

Eines dieser Märchen ist dabei das von der Großen Depression von 1929 bis 1941, die sich in Form großer wirtschaftlicher Schwierigkeiten und individueller Not und Armut vor allem auf das Leben von Millionen Amerikanern ausgewirkt hat.

Dieses Märchen erzählt von den Auswirkungen einer allzu freien Marktwirtschaft und von den rettenden Eingriffen durch die Hände des Staates. Und es ist der Grund dafür, dass Menschen heutzutage noch immer glauben, zu viel Freiheit sei schädlich, und dass sich in der freien Marktwirtschaft jederzeit, ohne Vorwarnung, gewaltige Rezessionen ereignen können, die Wohlstand und von heute auf morgen zerstören. Und dass “der Staat” dem eben vorbeugen müsse … und wenn er das dann nicht geschafft hat (wen wundert’s`?), müsse er wenigstens die Folgen so wenig hart wie möglich gestalten.

Das Märchen von der Schuld des Kapitalismus an der Weltwirtschaftskrise, dem Börsencrash von 1929 und der Great Depression ist jedoch nichts weiter als das – ein Märchen. Auch sein Happy End, nämlich die Erzählung davon, dass staatliche Interventionen schließlich zu der wirtschaftlichen Erholung geführt hätten, die sonst niemals oder nur unter sehr großen weiteren Opfern eingetreten wäre, ist ein gerne weitergetragener Mythos.

Da sich Menschen aber, wenn sie beherrscht werden wollen, gerne Märchen und Sagen erzählen lassen, ist es auch schwer, mit Fakten und Indizien ihre Ansichten über den Gang der Geschichte ändern zu wollen.
Gleichwohl ist es notwendig, es zu versuchen.

Fragen wir also: Was waren die wirklichen Ursachen der Großen Depression? Welche Folgen hat sie gezeitigt? und: Was haben die staatlichen Eingriffe tatsächlich gebracht?

Wie kam es zur Depression?

Nach Frederic Bastiat ist Ökonomie auch die Lehre „von dem, was man sieht, und von dem, was man nicht sieht“. Um das Offensichtliche zu erklären, muss man also erst das Verborgenen aufdecken.

Obwohl das moderne Märchen behauptet, dass der freie Markt sich im Verlauf der Zwanziger Jahre selbst zerstört habe, ist doch das Regierungshandeln der eigentliche Motor der Depression. Die Rezessionen, die zuvor stattfanden, dauerten nicht länger als 3 bis 4 Jahre, viele waren sogar um einiges kürzer, und es ist wahrscheinlich, dass auch sie sich bei einem Ausbleiben staatlicher Eingriffe nicht länger erstreckt hätten. Stattdessen wurde die Krise zu einer über ein Jahrzehnt anhaltenden Depression verstärkt.

Was war geschehen? Nun, das Jahrzehnt zuvor nennt man die Goldenen Zwanziger, die „Roaring Twenties“. Der Große Gatsby, das Model T von Ford, Al Capone und die Prohibition, der Caesar’s Salad wird erfunden, Charleston und Irving Berlins „Blue Skies“ … eine Zeit, an dem sich ein Boom an den anderen anschloss.

Es ist ein ehernes Gesetz, das wir in der Historie wie im persönlichen Leben nur zu oft beobachten können: Was aufsteigt, wird irgendwann fallen. Nach einem Aufschwung kommt der Abschwung, und der wird umso stärker sein, je höher und schneller sein Vorgänger war. Gerne blicken wir ja auf ein ganz bestimmtes Datum, hier den 24. 10. 1929, an dem wir alles festmachen zu können glauben. Doch dieses Ereignis, das so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, war nur ein weiteres Datum in einer Reihe von bewussten und unbewussten Aktionen, die sich dem Blick der Öffentlichkeit entziehen.

Nun ist die Frage, ob der Aufschwung, dessen Wirkungen wir im Aufblühen der Kultur der 20er Jahre sehen, nur eine Folge von zu großer wirtschaftlicher Freiheit, von rücksichtslosem Spekulieren und Investieren ist, oder ob auch der Staat dafür gesorgt hat, dass das Leben der Menschen sich innerhalb so kurzer Zeit so umfassend geändert hat.

Die eine staatliche Aktion, die den größten Einfluss auf das gesamte Leben der Menschen hat, ist die, das Geld zu drucken.
Und tatsächlich gibt es Schätzungen, dass die Federal Reserve die Dollar-Geldmenge von 1921 bis 1918 um mehr als 60 % erhöht hat. Dies musste unweigerlich zu geringeren Zinsraten führen – weil es ein größeres Angebot an Geld gab, wurde das Geld billiger. Denn Zins ist nichts anderes als der Preis des Geldes. In einer freien Wirtschaft zeigt der Zins an, wie viel Geld von den Menschen benötigt wird im Verhältnis zum Angebot. Wenn nun Geld billig ist, ist der Anreiz, zu investieren, viel stärker, als er normalerweise wäre. Die Börsenkurse steigen und die Aktienbesitzer und Unternehmer denken, es gäbe eine reale Nachfrage nach den Produkten des Unternehmens. Es wird also mehr und mehr produziert – während eine reale Nachfrage gar nicht in dem angenommenen Maße existiert.

Der österreichische Ökonom Ludwig von Mises hatte diesen Mechanismus schon 1924 beschrieben:

Der naive Inflationismus fordert Vermehrung der Geldmenge ohne zu ahnen, dass [dies] die Kaufkraft der Geldeinheit vermindert. Er will mehr Geld sehen, weil Geldfülle in seinen Augen schon Reichtum ist. Fiat money!

Als die Fed nach sieben Jahren des Aufblähens der Geldmenge zwischen 1929 und 1933 schließlich die Zinsen wieder in die Höhe trieb und den Geldhahn zudrehte, nämlich um 30%, wurde es den Anlegern klar, dass, wenn das Geld knapp wird, man die Aktien lieber vorher als zu spät verkaufen sollte. Eine Lawine brach los.

Denn zwischen 1929 und 1933 fiel die nationale Produktion um mehr als die Hälfte. Der Einkommensdurchschnitt fiel um 28 %, die Börsenkurse fielen auf ein Zehntel des ursprünglichen Werts, 1933 schließlich gab es 12,8 Millionen Arbeitslose. Betrug die Arbeitslosigkeit 1929 noch 3,2%, waren es 1933 bereits 25%!

Da aber der Mann auf der Straße die Eingriffe des Staates nicht sehen kann, steht er ratlos vor dem Trümmerhaufen seiner eigenen Existenz und singt, wie später Bruce Springsteen:

lately there ain’t been much work, on account of the economy

Ja, wegen der Wirtschaft halt, das muss als Begründung ausreichen.

Es scheint also, dass die Fed, eine private Bank, die vom Staat das Monopol zum Gelddrucken erhalten hat, den Boom künstlich erzeugt hat. Ben Bernanke, Präsident der Fed bis 2014, hat dies zugegeben:

You’re right, we did it. We’re very sorry. But thanks to you, we won’t do it again.


Was geschah dann?

Dann kam die Präsidentschaft Herbert Hoovers, eines Mannes, der oft als Laissez-faire-Politiker dargestellt wird. Er habe sich geweigert, zu intervenieren, sondern wollte alles den freien Märkten überlassen, so geht dieser Teil des Märchens.

Doch nicht einmal sein politischer Gegner in den 1932er Wahlen hätte Hoover so bezeichnet. Im Gegenteil: Franklin. D. Roosevelt beschuldigte Hoover, er führe das Land durch rücksichtslose extravagantes Ausgeben in den Abgrund, er sei verantwortlich für die größten Ausgaben in Friedenszeiten, die das Land zum auf die Ebene des Sozialismus runterziehen werden.

Was nun würde ein Laissez-faire-Politiker, neben vielen anderen Dingen, niemals machen? Den Markt beschränken, indem er über bestimmte Güter Zolltarife verhängt. Was Hoover aber, neben vielen anderen Dingen, tat, war genau das. Der Smoot-Hawley-Tariff Act von 1930 beschränkte den Import auf den höchsten Level seit 100 Jahren, und zwar so stark, dass die Preise fielen, die Banken schlossen, die Farmer ihre Farmen aufgaben, die Arbeitslosigkeit z. B. in Cleveland auf 50 % stieg, der Dow Jones Index erst ein Vierteljahrhundert später wieder den Stand von 1929 erreichte und die ausländischen Wirtschaften, vor allem die den Verpflichtungen des Versailler Vertrags unterworfene Wirtschaft der Weimarer Republik, darunter litten.

Das Gesetz hatte einen großen Anteil am Rückgang des US-amerikanischen Außenhandels, und damit am Zusammenbruch des Welthandels während derWeltwirtschaftskrise. Es verschärfte die protektionistischenTendenzen in der Welt. Die Importe der USA sanken zwischen 1929 und 1933 um 66 % von 4,4 Milliarden Dollar auf 1,5 Milliarden Dollar. Die Exporte fielen um 61 % von 5,4 Milliarden Dollar auf 2,1 Milliarden Dollar. Die Importe aus Europa fielen von 1,334 Milliarden im Jahr 1929 auf 390 Millionen Dollar im Jahr 1932, und die Exporte nach Europa von 2,341 Milliarden auf 784 Millionen Dollar. (Quelle: Wikipedia)

Sogar der Wirtschaftslehrer im Film „Ferris macht blau“ wusste das! Es ist eine Voodoo-Ökonomie!

 

Hoover also war alles andere als ein Non-Interventionist. Der Anteil der Staatsausgaben am Bruttosozialprodukt betrug beispielsweise 1931 über 20% – nicht gerade rein kapitalistisch. Und als ob mit Subventionen, hohen Zöllen und einer verfehlten Geldpolitik noch nicht genug getan worden wäre, um die Menschen davon abzuhalten, in Ruhe ihren Geschäften nachzugehen, wurde 1932 der Revenue Act verabschiedet, der die Einkommenssteuer verdoppelte!

Giftige Medizin

Als FDR dann Präsident wurde, führte er genau das fort, wogegen er sich zuvor immer gestellt hatte: Hoovers Interventionismus. Nun, 1933, war auch in seiner Antrittsrede nicht mehr die Rede von verfehltem Regierungshandeln – er gab den skrupellosen Geldwechslern die Schuld!

Plötzlich war jemand, der Gold besaß, ein Verbrecher. Die Menschen durften sich nicht mehr frei aussuchen, wie sie ihr Geld sparten. Roosevelt beschränkte den Goldbesitz und entwertete den Dollar damit um 40%. Bis 1936 stiegen die Staatsausgaben um 83%, die Staatsschulden auf 73%! 1933 zwang man die meisten Industrien in regierungsgesteuerte Kartelle, regulierte Preise und Löhne und trieb so die Kosten um 40 % nach oben. Die industrielle Produktion fiel so um ein Viertel.

Das Mindestlohngesetz von 1938 verhinderte, dass gering ausgebildete und junge Menschen in den Arbeitsmarkt einsteigen konnten – machte auf diese Weise viele von ihnen wiederum abhängig von der Sozialhilfe, die 1935 eingerichtet worden war. Landwirtschaftliche Produkte mussten zerstört werden, um die Preise künstlich zu erhöhen – Weizen und Mais wurden verbrannt, gesunde Schafe, Rinder und Schweine wurden in Massengräbern verscharrt. Sechs Millionen Ferkel wurden geschlachtet, ohne dass ihr Fleisch verkauft worden wäre. Farmer wurden vom Staat für ihre Untätigkeit bezahlt.

Schließlich kamen drastische Steuererhöhungen (Einkommenssteuerraten bis über 90 %) und die krypto-faschistischen Bestimmungen der National Recovery Administration (NRA), die Eingriffe noch in die kleinsten Teile des wirtschaftlichen Lebens vorsahen, bald aber vom Obersten Gerichtshof für verfassungswidrig erklärt wurden. 1941 plante Roosevelt sogar eine Einkommenssteuer von 99,5%!
Wie Roosevelts Finanzminister Henry Morgenthau in seinem Tagebuch schrieb:

Wir haben es mit Geldausgeben versucht, wir geben mehr aus als je zuvor, und es hat nicht funktioniert … Nach acht Jahren in der Regierung haben wir genauso viel Arbeitslosigkeit wie als wir begannen, und eine enorme Staatsschuld obendrein.

Und dann kam der Krieg, aber das ist eine andere Geschichte …
Obwohl FDR also das Amt von Hoover übernahm, mit dem Versprechen, weniger zu regulieren, tat er genau das Gegenteil, und dies verlängerte die Depression auf mehr als ein ganzes Jahrzehnt! Was also mit einer unverantwortlichen Geldpolitik der Regierung begann, wurde verlängert und verschlimmert mit Tarifen, Steuern, Regulationen von Produktion, Konsum und Arbeit, Fehlsubventionen und Zerstörung von Natur und persönlichem Eigentum.

Es ist wichtig, dass das Märchen von der bösen Freiheit nicht mehr erzählt wird – sondern Fakten und logische Schlussfolgerungen aufzeigen, wer für Arbeitslosigkeit, Armut und Hunger verantwortlich ist. Denn je öfter wir uns eine Geschichte erzählen, die dem Staat die Rolle des edlen Ritters zuschreibt, wird er stärker und mächtiger werden – und irgendwann sein wahres Wesen auch den schlafenden Kindern offenbaren.

Literatur:

Burton W. Folsom jr.: New Deal or Raw Deal?: How FDR’s Economic Legacy Has Damaged America

Jim Powell: FDR’s Folly: How Roosevelt and His New Deal Prolonged the Great Depression

Lawrence W. Reed: Great Myths of the Great Depression. Popular Accounts of the Depression Belong in a Book of Fairy Tales

Murray N. Rothbard: America’s Great Depression

Vom Zauberwort zur Knechtschaft – H. Rosa: Resonanz – Teil 2: Kritik

Noch mehr Macht – für einen guten Zweck!

Man hat ja beim Lesen von Büchern, die von Sozialwissenschaftlern geschrieben sind, deren Gesellschaftsanalyse sich an Marx, an die Frankfurter Schule, an Habermas anlehnt (Rosas Ansatz bezieht sich zudem explizit auf Axel Honneths Anerkennungsbegriff und Charles Taylors Kommunitarismus), auf jeder Seite die Befürchtung, dass beim Umblättern eine politische Forderung aufgestellt wird, die einen noch stärkeren bürokratischen Apparat, noch mehr Zwang und noch mehr politische Macht rechtfertigt und zur Notwendigkeit macht.

Weiterlesen „Vom Zauberwort zur Knechtschaft – H. Rosa: Resonanz – Teil 2: Kritik“