Keyserlings Geheimnis – Klaus Modick im Gespräch auf der Leipziger Buchmesse

In Leipzig durfte ich mit dem Bestseller-Autor Klaus Modick über seinen neuen Roman „Keyserlings Geheimnis“ sprechen.

Werbeanzeigen

Was machst du mit dem Rest deiner Zeit? – Bernadette Némeths „Der Rest der Zeit“

„Was machst du mit dem Rest deiner Zeit?“

Normalerweise brauchen wir einen Schockmoment, um uns diese Frage zu stellen – einen Schicksalsschlag. Tünde, die Protagonistin von Bernadette Némeths Roman „Der Rest der Zeit“ (Verlag Wortreich), ereilt ein solcher Schicksalsschlag in Form einer anstehenden Halswirbeloperation; ein Ereignis, das sie veranlasst, sich die Frage zu stellen und ihr Leben zu überdenken. Ihre Reflexionen bilden das Grundgerüst des Romans. Tünde, Österreicherin ungarischer Herkunft, ist selber Ärztin, was den Schilderungen der Krankenhauserlebnisse einen besonderen Realismus verleiht. Diese doppelte Realität (Tündes berufliche Erfahrungen mit dem österreichischen Gesundheitssystem sowie ihre eigene Leidensgeschichte) wird schonungslos, mit medizinischem Blick, wiedergegeben – doch unter Verzicht auf jede Effekthascherei. Auch in der ausführlichen Wiedergabe der Leiden, die die Figuren des Romans (Tündes engere Familie) angesichts der „Kapriolen des Schicksals“ ertragen, entgeht die Erzählerin der Versuchung von Melodramatik und Pathos.515athyYJ+L._SX296_BO1,204,203,200_.jpg

Tündes Erinnerungen an ihre Schwangerschaft, an ihre Fehlgeburt, an den Tod ihres Vaters – es wirkt, als könnte sich aus dem Erinnern und Erzählen eine Art Linderung ergeben. Melinda und Adam, Tündes Geschwister, werden uns in ihrer ganzen Menschlichkeit vorgestellt, die darin liegt, wie sie mit ihren Schwächen und Frustrationen umgehen; ebenso wie die von einer entbehrungsreichen Vergangenheit geprägten Eltern.

Das ist alles sehr innerlich. Anekdoten werden aufgeführt, um das Psychodrama der Protagonisten anschaulich werden zu lassen, und nicht, weil sie für ein Fortkommen der Handlung von großer Bedeutung wären. Trotz allem sind sie lebensnah und in ihrem Detailreichtum authentisch, keine bloßen Kopfgeburten der Autorin. Németh findet für dieses handlungsarme Kammerspiel die angemessene Sprache, die präzise und eindringlich, bisweilen lakonisch, aber nicht unpoetisch ist. Sie weiß, dass die Schicksale dieser Menschen genug tragen, als dass man sie künstlich mit einem theatralischen Stil beschweren müsste. Eine kluge Maßnahme war es, dies alles einen eher neutralen Er-Sie-Erzähler schildern zu lassen. Den Roman durchzieht, wenn man einen Topos bemühen wollte, eine geradezu ungarische Melancholie, ruhig und unaufgeregt wie die Donau Pannoniens.

Es geht dem Roman um die seelischen Konflikte seiner Figuren, um nicht mehr und nicht weniger; wie könnte es anders sein, wenn die Themen Vergänglichkeit und Schuld sind. Er nimmt, und darin liegt seine große Stärke, die Leben der vorgestellten Menschen ernst und nicht als bloße Vorlage für ein abstraktes Reflektieren angesichts des Todes. Zudem stehen die unsichtbaren Verbindungen der Figuren zueinander stets merklich im Hintergrund, ihre gemeinsame Geschichte, ihre Verstrickungen und ihre Suche nach einem Miteinander, und am Ende gibt es sogar ein Geheimnis – „Der Rest der Zeit“ ist ein Familienroman im besten Sinne.

 

Bernadette Németh: Der Rest der Zeit. Roman 

Wortreich Verlag, Wien 2017. 328 Seiten, 19,90 €.

ISBN: 978-3903091238

 

 

Lesung aus „Unter der Haut“ in Siegburg

Ich lese aus meinem Roman am 9. März 2018 in der Bernstein-Verlagsbuchhandlung, Gebrüder Remmel [R²]

 

Bildschirmfoto 2018-01-06 um 12.47.40.png

Karten:

http://bvb-remmel.de/termin/buchvorstellung-im-r2-gunnar-kaiser-unter-der-haut

 

Facebook-Veranstaltung

https://www.facebook.com/events/513664692349533/

„Unter der Haut“ – erscheint am 1. März 2018

unter der haut
Gunnar Kaiser: Unter der Haut – Verlagsvorschau

Die atemberaubende Geschichte eines bibliophilen Mörders: Mit seiner bedrohlichen wie verführerischen Atmosphäre beschwört dieses beeindruckende Debüt vieles zugleich: die helle und die dunkle Welt der Bücher, den Sommer 1969 im pulsierenden New York sowie eine unheilvolle Freundschaft, deren Hintergründe vom Berlin der 30er Jahre bis in die Zeit des Mauerfalls führen.

Meinen Roman „Unter der Haut“ (Berlin Verlag) könnt ihr hier bestellen:

„So tun als ob es regnet“ – Katja Kutschs Roman des Jahres

„So tun als ob es regnet“ von Iris Wolff ist ein echter Hochgenuss für alle diejenigen, die Freude an einer poetisch sinnlichen Sprache haben. Dazu gehöre ich in jedem Fall. Ich freue mich immer, wenn es jemand fertig bringt, mit Worten derart toll umzugehen, dass es mir fast schon e51uy6MmFCeL._SX312_BO1,204,203,200_.jpggal ist, was erzählt wird, Hauptsache sie oder er erzählt überhaupt – am liebsten mit schönen langen Sätzen, die eine eigene Melodie erzeugen und einem zeigen, wie tief Sprache einen berühren kann – Hemingway mal ausgenommen, der kann das auch in knappen Sätzen. Genau wegen der virtuosen Sprache aber konnte ich nun das Buch „So tun als ob es regnet“ nicht mehr aus den Händen legen, als mir der Titel zufällig in einer Buchhandlung in die Hände fiel. Und wie das bei einer richtig tollen Autorin nun mal so ist, ist es am Ende dann doch nicht so egal, was sie erzählt. Iris Wolff bringt es fertig eine Familiengeschichte, die sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt auf nur 160 Seiten zu erzählen, in vier Episoden, die sehr leise und gleichzeitig sehr einfühlsam beschrieben sind. Manche Szenen wie die des Motorradfahrers, der davon überzeugt ist, jeden Moment zu sterben oder die der Frau, die auf die Rückkehr eines Bootes wartet, gehen mir nicht mehr aus dem Kopf. Es geht dabei um nicht weniger als den Zufall, das Schicksal und um Entscheidungen, die man trifft und die das Leben und die Persönlichkeit der nachfolgenden Generationen prägen. Definitiv meine schönste Leseüberraschung in 2017.

 

Katja Kutsch

Hannes Stein: Nach uns die Pinguine

Der Schriftsteller und Journalist Hannes Stein stellt seinen neuen Roman „Nach uns die Pinguine“ (Galiani Berlin, 2107) vor – ein „Weltuntergangskrimi“.