300 – Die Gefahr des Eigensinns

Wer die Freiheit gewinnen will, muss die Freiheit aufgeben.

Wer die Freiheit gewinnen will, muss die Freiheit aufgeben

 

In dem Film 300 – Rise of an Empire gibt es eine Szene, die das Paradox des modernen Verhältnisses zur Freiheit veranschaulicht. Im Krieg gegen den Terror finsterer Turbanträger versammelt Themistokles seine griechischen Heldenkrieger um sich, um sie auf die bevorstehende Schlacht einzustimmen. Die Grundstimmung seiner Rede ist die eines nachdenklichen In-sich-Gehens – ein retardierendes Moment vor der letzten halben Stunde hemmungsloser Blutrauschästhetik.

Themistokles, seelisch angeschlagen durch die vergangene Niederlage, stellt es seinen Mannen frei, weiterhin an seiner Seite zu kämpfen:
Ihr seid freie Männer.
Aber es geht ja nicht etwa um niedere materielle Ziele. Freiheit ist es immerhin, was sie – neben der obligatorischen Demokratie – gegen die Barbaren aus dem Osten, gegen das „Ungeheuer, dessen Schatten sich auf unser Land legt“, verteidigen wollen.
Welche Freiheit Themistokles genau meint, muss nicht näher ausgeführt werden, dieser Begriff ist an sich schon genug Pawlow’sche Klingel, um den Speichelfluss des auf westliche Werte konditionierten Konsumenten und Verbrauchers anzuregen. Diese Freiheit scheint nur auf als Gegenbild zu den unguten Vorstellungen, die wir vage und schemenhaft von den Sitten und Gebräuchen der düsteren Perser serviert bekommen: Die können ihr Leben nicht selbst bestimmen, weil ihr Herrscher ein Diktator ist. Sie dürfen nicht mal wählen gehen! Und ihre Persönlichkeitsentfaltung unterliegt bestimmt großen staatlichen Repressionen, genau so wie ihr Recht zur freien Meinungsäußerung!

Wie zu erwarten war, reagieren die Soldaten des Themistokles mit braver Einmütigkeit. Niemand denkt auch nur im Entferntesten daran, sich dem Kampf um Freiheit und Demokratie zu verweigern. Trotz drohender Todesgefahr kommt es niemandem in den Sinn, nicht für die Gruppe, die Gemeinschaft und das Vaterland zu handeln:
Unsere Wahl ist ein aufrechter Tod.
Die Griechen, schon äußerlich nicht voneinander zu unterscheiden, reagieren auf das Angebot ihres Heerführers, der Schlacht fernzubleiben, in beeindruckender Konformität: gleichgeordnet, gleichgerichtet, gleichgesinnt.

Es mutet paradox an, dass es dem modernen Bürger nicht freigestellt ist, für seine Freiheit und die seiner Mitbürger zu kämpfen. Es ist vielmehr eine Pflicht, wenn auch keine gesetzlich sanktionierte. Wer frei sein will, muss in Übereinstimmung mit der Gruppe denken und handeln, die seine Freiheit garantiert.

Um die Freiheit zu verteidigen, müssen wir unsere Freiheit freiwillig einschränken. Wer nicht mitmacht – also seine Freiheitsrechte nicht nur theoretisch einfordert, sondern sie aktiv ausübt – ist ein Feind der Freiheit.

Wir sind alle Individuen – der Massenindividualismus

Für den modernen westlichen Menschen besteht seine Freiheit in erster Linie darin, zu kaufen und zu konsumieren, was er will.

Dass wir keine größere politische Freiheit mehr besitzen, die des Begriffs Demokratie würdig wäre, als die Möglichkeit, alle vier Jahre irgendwo ein Kreuz zu machen und Petitionen einzureichen, dass die wirklichen Entscheidungen weder im Sinne noch im Namen der Mehrheit gemacht werden, sondern intransparenten und korruptionsverdächtigen Entscheidungsprozessen unterliegen, damit hat sich der Mensch der westlichen Demokratien weitgehend abgefunden – solange er nur frei und individuell konsumieren kann, wird es schon in Ordnung sein, was „die da oben“ so treiben.

Es war ja eh nie anders. Es wird sich eh nichts ändern. Und eine Alternative gibt es ja eh nicht, das hat die Vergangenheit bewiesen.

 

Die Schrecken des „real existierenden Sozialismus“ sind in der Nachbetrachtung in erster Linie die von ökonomischer Austerität – von oben verordnete Entbehrung und Einschränkung, die dazu führe, dass Kreativität und Innovationskraft nicht aufblühen können.

Es ist schon seltsam. Im Westen leben wir in den freiheitlichsten Zeiten seit Menschengedenken, tragen unsere Einzigartigkeit vor uns her wie eine Monstranz, beten die Werte des Individualismus und des freien Wettbewerbs an wie Götzen und gleichen einander in den wirklich wichtigen Punkten doch wie ein Ei dem anderen. Die Unterschiede betonen wir, niemand möchte als Kopie eines anderen gelten.
Aber für die Gemeinsamkeiten unseres Alltags und Handelns sind wir fast blind:
Man geht zur Schule, geht arbeiten, verdient Geld, zahlt Steuern, konsumiert, kauft in Supermärkten und Kaufhäusern, wohnt in einem Haus, hat ein Wochenende und Ferien und bezieht eine Rente im Alter.
Die Frage, warum man das so macht, kommt einem nicht in den Sinn, weil sie sinnlos erscheint: Was soll man denn sonst tun? Dass all diese Gemeinsamkeiten in ihrer Wirkkraft viel mächtiger sind als die Unterschiede, die wir durch Mode, Stil, Berufswahl und Freizeitverhalten an den Tag legen, kommt uns nicht in den Sinn.
War das Wort „Aussteiger“ in früheren Zeiten einmal ein Schimpfwort, dann eine Bezeichnung für heimlich beneidete Lebensform, so existiert es heute kaum noch. Das Ziel sich der Gesellschaft anzupassen, ein funktionierendes Mitglied zu werden, scheint vor allem bei der Masse der Jugendlichen, traditionell Träger von Protest und Rebellion gegen Überkommenes, sakrosankt geworden zu sein.
Zu groß die Ängste, die mit Nonkonformität in dieses prekären Zeiten einhergehen: abgehängt und bis zum Existenzminimum marginalisiert zu werden.
Höchste Anpassung bei höchster Freiheit also. Eine Masse von Individuen – das Brian-Paradox: „Wir sind alle Individuen“, ruft die Menge einstimmig, und wer widerspricht, widerspricht sich selbst.

 

Der Nutzen des Individualismus

Der moderne Mensch leidet an einer geschwächten Persönlichkeit

heißt es in Nietzsches Schrift Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben. Er kritisiert die Instinktlosigkeit des Menschen, der sich selber nicht mehr vertrauen kann. So bleibt ihm als einziges Instrument, mit dem Leben zurecht zu kommen, nur das kümmerliche analytische Denken, auf das er sich auch verlassen muss, wenn das Leben ganz andere Vorgehensweisen fordert. Der Mensch von heute kann

nun nicht mehr, dem ,göttlichen Tiere‘ vertrauend, die Zügel hängen lassen, wenn sein Verstand schwankt und sein Weg durch Wüsten führt.

Aber  wie kann ein Mensch das aushalten? Wie kann ein Mensch überhaupt so ein Leben ohne Selbstbestimmung und Eigenständigkeit führen, ohne völlig verrückt zu werden und an sich selbst zu verzweifeln? Die Lösung könnte doch in der Propagierung von Persönlichkeit liegen und all der Werte, die mit ihr zusammenhängen: eigenständiges Denken, kritische Reflexionsfähigkeit, Ausbildung der Intuition, Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten, Authentizität, Entwicklung und freie Entfaltung von Kreativität und Eigensinn. Diese Vorstellungen von einer echten ganzheitlichen Persönlichkeit und den Weg dahin könnte man in dem Begriff zusammenfassen, der seit Jahrhunderten die Diskussion um den Sinn von Kultur und Erziehung prägt: Bildung. Aber wo sehen wir noch wahre Bildung? Wahren Eigensinn, den Hermann Hesse beschwört:

Der Mensch aber, der einmal den Mut zu sich selber gefühlt und die Stimme seines eigenen Schicksals gehört hat, ach, dem ist an Politik nicht das mindeste mehr gelegen, sei sie nun monarchisch oder demokratisch, revolutionär oder konservativ. Ihn kümmert anderes. Sein “Eigensinn” ist wie der tiefe, herrliche, gottgewollte Eigensinn jedes Grashalms auf nichts anderes gerichtet als auf sein eigenes Wachstum. “Egoismus”, wenn man will. Allein dieser Egoismus ist ein ganz und gar anderer als der verrufene des Geldsammlers oder des Machtehrgeizigen.

Dieser Egoismus wäre es auch, der die Krieger des Themisktokles hätte sich besinnen lassen können, statt dem Ruf der Freiheit blind zu folgen. Nietzsche beklagt dieses Paradox:

Während noch nie so volltönend von der „freien Persönlichkeit“ geredet worden ist, sieht man nicht einmal Persönlichkeiten, geschweige denn freie, sondern lauter ängstlich verhüllte Universal-Menschen.

Die Gefahr des Eigensinns

Warum aber ist das so? Warum gibt es so wenig freie Persönlichkeiten, wenn doch unser Schul- und Bildungssystem, unsere kulturellen Institutionen und überhaupt der ganze Anspruch, der mit den Begriffen Freiheit und Demokratie verbunden ist, die Erreichung und Erhaltung von wahrer Bildung seit Jahrhunderten auf Spruchbändern vor sich herträgt?

Sind das alles nur hohle Phrasen? Ist es eine nützliche Illusion, die dem Konsumenten und Verbraucher eingeimpft wurde, damit er sich nicht ganz so sinnlos fühlt in seinem Massendasein? Damit er sich individuell fühlen kann, ohne es wahrhaft zu sein?

Liegt denn in wahrem Eigensinn eine solche Gefahr für die Gesellschaft? Der kanadische Ökonom John Kenneth Galbraith schreibt dazu:

Es handelt sich in jeder Hinsicht um ein bemerkenswert subtiles Regulativ im Aufbau der Gesellschaft. Es wirkt nicht auf das Individuum, sondern auf die Masse. Jedes Individuum kann aussteigen und entgegen seinem Einfluss handeln. Daher kann niemand behaupten, dass irgendein Individuum zum Kauf irgendeines Produktes gezwungen wird. Jedem, der widerspricht, kann man doch ganz einfach entgegnen: Niemand zwingt dich! Dennoch besteht kaum die Gefahr, dass jemals genug Menschen auf ihre Individualität bestehen und dadurch die Steuerung des Verhaltens der Masse beeinträchtigen.

Eine Mechanik, die in der anfangs angeführten Szene aus 300 treffend bebildert wird. Dass die Soldaten gehen dürfen, ist genau der Trick, der sie da hält, wo sie sein sollen. Dass sie theoretisch frei sind, hält sie zusammen und bindet sie. Massen, die sich nicht individuell fühlen dürfen, fangen früher oder später an zu rebellieren. Sie wollen auch bunte Kleidung tragen wie die Bürger westlicher Demokratien. Sie wollen auch Bananen essen und Rockmusik hören. Andererseits ist eine Gesellschaft von eigensinnigen Individuen eine contradictio in adiecto. Eine Unmöglichkeit … wie soll eine Gesellschaft bestehen bleiben und höheren Zwecken dienen, wenn sie ihre Mitglieder gar nicht darum kümmern, was die anderen sagen und tun?

Eine Gesellschaft aber, deren Mitglieder im Geiste Untertanen bleiben, dabei aber durch uneingeschränkten Konsum, uneingeschränkte Presse und uneingeschränkte Meinungsäußerung das Gefühl von Freiheit, Demokratie und Individualität haben können, zudem noch das Feindbild des armen unfreien Barbaren (wahlweise Russen, Araber, Iraner, Ostdeutschen, Chinesen …) und des Totalitarismus zum Zwecke gemeinschaftsbildenden Gruselns als Fetisch pflegen, hat beste Aussichten auf lange Zeit zu bestehen.

Scheint es doch fast, als wäre es die Aufgabe, die Geschichte zu bewachen, dass nichts aus ihr heraus komme als eben Geschichten, aber ja kein Geschehen!, zu verhüten, dass durch sie die Persönlichkeiten ,frei‘ werden, soll heissen wahrhaftig gegen sich, wahrhaftig gegen andere, und zwar in Wort und Tat. – Friedrich Nietzsche

Und James Bond weinte – Skyfall

Immer schon war klar, dass dieser Bond ein Problem haben muss. Bond, der Bindungsunfähige. Bond, der frauenfeindliche Dinosaurier.  Bond, der Autoritätsverweigerer. Der Todesverachtende. Der  Draufgänger mit dem narzisstischen Glauben, er würde immer leben.

Psychologische Betrachtungen zum Film „Skyfall“

Und dass dieses Problem in der Kindheit dieser Figur liegen muss, ist sowieso klar. Am Anfang war die Erziehung. Und bei Bond scheint eine Menge falsch gelaufen sein. Die Eltern dieses Jungen müssen falsch gemacht haben, was man nur falsch machen kann.

Eigentlich kein Problem, sollte man denken. Ein paar Stunden Psychotherapie, die Analyse kindlicher Traumata, Rebirthing, vielleicht eine Reise zum inneren Kind und irgendwann ist der Patient dann handlungsfähig und an die Welt uns Wohlerzogener angepasst. Er benimmt sich den Erwartungen der Gesellschaft entsprechend, versucht sich in Monogamie, heiratet heterosexuell, legt sich ein Eigenheim zu und Kinder, denen er ein guter Vater ist, und in der Midlifecrisis noch eine Geliebte und einen Porsche.

Natürlich lässt sich aus diesem Konzept schwerlich ein Actionfilm machen, zumal keine Serie von über 25 international erfolgreichen Filmen. Aber das ist gar nicht einmal so sehr das Problem.

Wonder woMan (6).jpgDenn Bond, der ewig Pubertierende, lässt sich nicht so einfach therapieren.

In Skyfall sitzt er tatsächlich kurz einem Therapeuten gegenüber, der ihn auf seine Diensttauglichkeit für den MI6 untersuchen soll. Ein Anflug von spöttischem Lächeln quittiert dessen unbeholfenen Versuch, mittels spontaner Assoziation in seine Psyche einzudringen. Bond dringt ein, in ihn wird nicht eingedrungen. Sobald das Wort „Skyfall“ fällt, beendet er das Gespräch auf die gleiche Weise, wie ein richtiger Mann eine Beziehung beendet. Er sagt „Ende“ und geht. Verweigert sich der Therapie. Ein Unverbesserlicher. Sollte man denken.

Dann gerät aber der ganze Film zu einer einzigen Reise in die Kindheit und der damit verbundenen Therapiesitzung, und dass auch der Filmtitel und die angesprochene Assoziationsszene einen tieferen Sinn bekommt, ist der Clou beim neuen Bond.

Einem Mann wie Bond kannst du nicht auf die herkömmliche Weise beikommen, mit Reden, Reden und nochmals Reden. Bond redet nicht, er handelt. Seine Therapie ist das pure Ausagieren.

Noch nie war es so einsichtig, dass die von Judi Dench gespielte MI6-Chefin nicht anders heißen kann als „M“. Das große M als Chiffre für die Mutter, die ernährende und Trost spendende. Aber auch die ermahnende, zurechtweisende. Selbst M, die in ihrer Verkörperung durch Dench normalerweise viriler wirkt als ihre männlichen Rollenvorgänger, muss sich Gefühle der Zuneigung für ihren verlorenen Sohn nachsagen lassen. Uns wird klar, dass ihre eigenen inneren Verwerfungen auch nur Ausläufer ihrer ambivalenten Rolle als zugleich strafende und liebende Mutter sind. Als hätten wir es nie geahnt.

Die Eingangsszene, in herkömmlichen Bond-Filmen oft nur mühsam mit der eigentlichen Handlung verbunden, dient hier als Ouvertüre, in denen leitmotivisch die psychischen Konflikte angedeutet werden, denen der Held ausgesetzt ist. Bond muss bei einem Einsatz einen anderen Agenten auf Ms Geheiß opfern, um das Missionsziel nicht zu gefährden. Die Krux des Agentendaseins – zu wissen, dass man nur humanes Mittel zum nationalen Zweck ist – ist sie nicht auch die Krux des menschlich-allzumenschlichen Lebens, das dräuend von der Vermutung verdunkelt wird, auch wir gewöhnlichen Menschen könnten nur Mittel sein, Mittel unserer selbstverliebten Eltern nämlich zu höherem Lebensglück – Sinn, Macht, Ewigkeit? Oder noch schlimmer: unsere naive und bornierte Existenz als Mittel zum Zweck egoistischer Gene, sich selbst ins Unendliche fortzusetzen?

Ein paar vergnüglich verbrachte Actionszenen später sehen wir, wie Bond selbst von der eigenen alma mater geopfert wird – die sich dabei des unsicheren Hand einer anderen Eva bedient (stets droht dem Manne die eigentliche Gefahr von der Vertrauten – von der Mutter und den anderen Frauen, die nur das eine von ihm wollen, ihn zu sich herab oder heraufzuziehen, je nach Bewertung.) Er verschwindet nach einem langen Fall vom Himmel im Orkus eines Flusses, nur um sich  wenig später in einem paradiesischen Hades wiederzufinden, dessen lebensmüder Bewohner er geworden ist, der mit Skorpionen und seiner körperlichen Unversehrtheit spielt.

M liegt ihm bei dieser Eingangssequenz ständig Über-Ich-haft  im wahrsten Sinne in den Ohren – nämlich über In-Ear-Kopfhörer, die er offenbar ebensowenig wie seine Verpflichtung als guter Sohn ablegen kann. Das zieht sich durch die gesamte erste Hälfte des Films, und war Bond in früheren Filmen durchaus eine techtelmechtelhafte Auszeit von seinen vaterländischen Verpflichtungen gegönnt, ist ihm eine Flucht nur unter Einsatz des ganzen Lebens möglich. Sein früher Filmtod dient hier als Auftakt für eine kathartische Zeit im Fegefeuer, aus dem James Bond sich wie ein Phoenix mit zwei gebrochenen Flügeln schließlich doch wieder erhebt – seine Motivation bleibt dabei noch klug ausgespart (ist es nationales Pflichtgefühl? Trauer in den Tropen? Alternativlosigkeit des abgetakelten Agenten?) und lässt sich nur im Vergleich mit der Vorgeschichte seines diesmaligen Gegenspielers erahnen.

Der Bösewicht ist deutlich als Bruder- und Spiegelfigur angelegt. Großartig gespielt von Javier Bardem, in einer Mischung aus Norman Bates, „Schweigen der Lämmer“-Buffalo Bill und Goldfinger verbreitet dieser Silva Angst und Schrecken, ohne dass jedoch klar wird, worin seine Macht eigentlich besteht. Irgendwas mit Computer und Internet. Anders als seine Vorgänger genügt er sich dabei, seine Macht ausschließlich dafür einzusetzen, dem MI6 zu schaden, und überhaupt ist der neue Bond-Film der sozusagen autistischste, oder auch systemtheoretischste – dreht es sich doch ständig nur um die Organisation, die Gefährdung und die Reorganisation der eigenen Organisation. Keine Russen, keine Chinesen, keine auf New York gerichtete Atombomben größenwahnsinniger Genies – nur ein blondierter Ex-Agent auf Rachefeldzug.

Ebenso wie Bond war er Agent, wurde aber von der großen Mutter einem höheren Zweck geopfert. Die Auswirkungen dieses Verrats darf er in einer Art Ecce-Homo-Freakshow seiner wiedergefundenen Mutter vorzeigen. Dass er dabei wie ein Hannibal-Lecter-Wiedergänger in einem Käfig gehalten wird, lässt auf eine spektakuläre Flucht mit kannibalistischer Grausamkeit und Tücke hoffen – aber Bond-Filme müssen darauf achten, die Altersbeschränkungen nicht zu hoch zu treiben, und so wird das Ganze nur angedeutet. Zur eigentlichen Grausamkeit, der psychischen, kommt es später noch.

Silva erlitt also das gleiche Schicksal wie Bond, doch er entschied sich anders darauf zu reagieren. Er ist der luziferische Unglücksrabe, mit dem man eigentlich mehr Mitleid haben müsste, weil es ihm nicht gelingt, seine enttäuschte Mutterliebe produktiv, im Sinne gelingender Beziehungen, zu gestalten. Bond und Bardem können in dieser Karl-und-Franz-Moor-Konstellation als guter und böser Sohn gesehen werden – als Manifestationen zweier möglicher Reaktionsweisen des erwachsenen Mannes auf das Gefühl des Loyalitätsverlusts seitens der Eltern. Interessant daher auch die untypisch homoerotischen Anklänge in einer der typischen Szenen, in der Bond seinem Gegenspieler wehrlos gegenübersitzt. Hatte man ihm in Casino Royale noch brutal gefoltert, so passiert ihm hier wider Erwarten gar nichts, bis auf ein schüchternes Streicheln und ein verschwärmtes Lächeln von seinem alter ego Silva. Interessant zumindest, wenn man Homoerotik als symbolhaften Verweis auf Narzissmus und die Unfähigkeit, die Sphäre des Eigenen zu überwinden und zum Anderen zu gelangen, versteht.

Beide, Bond und sein Gegenspieler, sind also Brüder, die von ihrer Mutter verstoßen wurden. Tatsächlich kann man ja das Leben eines Mannes als unbeholfenen Versuch deuten, sich von seinen Elternfiguren und deren Wertesystem – hier das utilitaristische, zweckrationale, über Leichen gehende eines Geheimdienstes – zu lösen. Die Loslösung vom Elternhaus kommt einem Überschreiten eines mächtigen Tabus gleich, dessen Verletzung Verrat bedeutet kann.

Die Loslösung von einer inzestuös gefärbten Mutter-Sohn-Beziehung geht mit Schuldgefühlen, Selbstbestrafungen und Suizidversuchen einher. Der Sohn sieht im Verlassen seiner Eltern, dem letzte Deutlichkeit oft durch das Eingehen ernst gemeinter Bindung verliehen wird, einen Loyalitätskonflikt. Ein Verrat, der bestraft werden muss. Aber auch die Eltern müssen sich vom Kind lösen, und die Mutter muss durch die Aufnahme oder das Fortsetzen eigenständiger Beziehungen zu anderen (!) Männern als dem eigenen Sohn diesem Verletzungen zufügen. Notwendige Verletzungen seines kindlichen Narzissmus. Wer damit nicht klarkommt, kann schonmal für den Therapeuten sparen.

Bond hat nicht gespart, denn er braucht einen Therapeuten nur, um sein schweigsames, gefühlsreduziertes Mannsein dagegen umso heller erstrahlen zu lassen – koste es auch die eigene seelische Gesundheit. Nun haben die Drehbuchschreiber Logan, Purvis und Wade jedoch Mitgefühl mit ihm und gestehen ihm eine Art Heilung durch Rückkehr in die Kindheit zu.

Das Reich seiner Kindheit (das schottische Anwesen namens Skyfall – und jetzt geht auch dem Zuschauer ein Licht auf, warum Bond beim Nennen dieses Namens so widerborstig reagierte) steht der gesamten Agentenwelt schon ästhetisch diametral gegenüber; wie es Regisseur Sam Mendes überhaupt gelingt, immer wieder zwei Bereiche atmosphärisch gegenüberzustellen: vor allem die technisch kalte, funktionale Welt des MI6-Hauptquartiers, das sich wie ein Zikkurat über London erhebt, gegen die Unterwelt, in die der Geheimdienst nach dem Anschlag sicherheitshalber hinabsteigen muss – und Bond mit ihm, denn Bonds Weg geht nicht nur in die Vergangenheit, sondern – bildlich bis zum Schluss konsequent verbunden – in die Tiefe. Er fällt, er steigt hinab, er geht zugrunde – natürlich um am Ende wiedergeboren werden zu können. So wie er in der Erzählung des alten Hausverwalters – der freilich etwas plakativ die Stellvertretung für den früh verstorbenen Vater Bonds übernimmt – nach dem Tod seiner Eltern in den Kellergang des Anwesens hinabgestiegen ist, um zwei Tage darauf wieder aufzuerstehen. „Und von da an war er kein Junge mehr.“

Wir müssen uns Bond also als Waisenkind vorstellen – natürlich muss der Tod der Eltern dem Kind als selbstverschuldetes Urereignis vorkommen. Wir hören gleichsam noch das „Vater, warum hast du mich verlassen?“ des kleinen James vor der Auferstehung. Auch im furiosen Finale muss er erneut durch das gleiche Kellerloch hinabsteigen, dass ihm diesmal Rettung bedeutet. Denn nun reicht Bonds gewohntes Arsenal nicht mehr aus – er muss sich auf eine abgesägte Schrotflinte und einen symbolstrotzenden Dolch verlassen, anstatt auf die neuesten Erfindungen aus dem Labor von Q.

Und er ist nun auch nicht mehr der Penetrator, sondern er wird penetriert. In einer Mélange aus High Noon und Winchester ’73 muss er sich einkesseln lassen und auf den Angriff der Indianer warten. Aber auch hier gelingt ihm die bloße trickreiche Gewaltanwendung nicht mehr. Die Festung seiner kindlichen Einsamkeit wird geschliffen und geht in Flammen auf. Jede Rückkehr ist verbaut, Regression fortan unmöglich. Er muss also sein Erwachsenwerden ein weiteres Mal wiederholen, wie es ja auch bei uns normalen Menschen oft nicht mit einer einzigen Pubertät getan ist, und durch die Dunkelheit der Höhle und der schottischen Nacht marschieren, erhellt allein vom Feuer des abfackelnden Kindheitsschlosses.

Und nun gelingt ihm an seiner Ersatzmutter M, was ihm bei seinen echten Eltern nicht gelingen konnte. Der verlorene Sohn kehrt zu seiner Mutter und seinem Vater (die noch zuvor als Maria-und-Josef-Figuration schutzsuchend über die Heide stapften) zurück und erweist sich als guter, versöhnter Sohn, indem er den bösen Sohn, gleichsam den bösen, lebensverneinenden, rachsüchtigen und unversöhnlichen Teil in ihm, (ab-)tötet.

Die Mutter freilich kann er nicht retten, doch in einer umgekehrten Pietà kann er sie ein letztes Mal im Arm halten und das segnende Wort empfangen, das ihm ein vorwärtsschauendes Leben ermöglichen könnte. Symbolträchtigerweise in einer Kapelle, auf deren Kirchhof Bonds leibliche Eltern begraben sind. Man glaubt fast, ihn Tränen des Abschieds von seiner Kindheit weinen zu sehen.

Aber wie ein Bond-Film mit einem geheilten Bond aussehen könnte, will man sich lieber gar nicht ausmalen.

Vom Versuch, ein Mensch zu werden – Terminator: Genisys

Wenn der Mensch wirklich mehr sein will als ein Uhrwerk, eine voreingestellte Mechanik, deren Wert sich in ihrem Funktionieren erschöpft, wie kann er sich beweisen, dass er die Fähigkeit dazu hat? Dass er mehr ist als ein Roboter mit Selbstbewusstsein? Dass er mehr ist als ein T-800, dem man Höflichkeit und Lächeln zum rechten Zeitpunkt beigebracht hat?
Um die Unterschiede zwischen Mensch und Maschine ging es schon vom ersten Film der Terminator-Reihe an. Der T-800, diese hybride Mischung aus Mensch und Maschine, steht mit seinem zwischen roboterhaften Unbeholfenheit und rührender Menschlichkeit oszillierenden Auftreten für das Verschwinden all dieser Unterschiede, das einer technokratischen Gesellschaft zu blühen scheint. Er verkörpert unsere menschliche Sehnsucht, die Grenze zu übertreten und alle Bedenken vor einem Sündenfall, der Kopulation von Mensch und Maschine, hin zu einer besseren Zukunft zu überwinden. Unsere Sehnsucht, aber freilich auch unsere Angst.

Der österreichische Philosoph Günther Anders hat die Differenz zwischen Maschine und Mensch „das prometheische Gefälle“ genannt, und das Bewusstsein menschlicher Unterlegenheit angesichts dieser Differenz „prometheische Scham“. Der Mensch schämt sich, so schwach und gebrechlich zu sein, während seine eigenen Produkte beinahe gottähnliche Kräfte entwickeln.
„Die Entwicklung der Technik ist bei der Wehrlosigkeit vor der Technik angelangt“, heißt es bei Karl Kraus, und diese Wehrlosigkeit ist Ausgangssituation aller Terminator-Filme. Das Paradoxon ihres Plots bestand zumindest seit Camerons zweitem Film der Serie in der Tatsache, dass der Mensch nur durch seine eigene Technik sich gegen seine eigene Technik zur Wehr setzen kann. Folgerichtig muss der Mensch noch technischer werden, um sich eine minimale Überlebenschance zu sichern. Er muss selber technisch werden.
Der Versuch der Hybridisierung, der Annäherung von Mensch und Maschine, geht seit geraumer Zeit zugleich in beide Richtungen. Die Maschinen menschlicher zu machen, war Traum seit Pygmalion, aber auch die Menschen sollten Maschinen ähnlicher werden. In Mimik und Gestik, in Mode und Lebensweise zeigt sich ein neuer Zug der Menschlichkeit: cool sein, minimalistisch, effizient, zielorientiert, rational .. endlich will der moderne Mensch sein antiquiertes Dasein, geprägt von Schwäche und Anfälligkeit, überwinden. Er will sich selbst optimieren, will funktionieren und es im Funktionieren mit der Maschine aufnehmen – der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er funktioniert.
Schwer zu sagen, was dem Menschen schwieriger ist: seine Maschinen menschlicher zu machen oder sich selbst zur Maschine. Die Sehnsucht nach einer menschlicheren Maschine äußert sich in der Kulturgeschichte als Allmachtsbestreben, als Männerphantasie, als prometheischer Nefas, es Gott gleich zu tun oder den Göttern.
Von der einen Seite her nähert sich das menschliche Vollkommenheitsstreben der Maschine selber und ihren features – seien es vorausschauende Algorithmen, liebevolle Pflegeroboter oder die Fähigkeit zu verständiger Rede. Wir merken dies z. B. bei Siris erstaunlichen Versuchen, menschlich zu wirken, wenn sie uns spontan und unberechenbar erscheinen will. Zum Glück gibt uns ihre Unbeholfenheit noch Anlass zum Schmunzeln, erheben wir uns doch schmunzelnd über die Maschine und merken erst dann wieder, was uns zu Menschen macht, wenn wir merken, was wir der Maschine voraushaben: Ironie, Humor, Selbstreferentialität, Spontaneität, Unberechenbarkeit.
Der Film „Ex Machina“, philosophisch ungleich tiefer intendiert als der 5. Terminator, zeigt die Problematik eindrucksvoll auf, die mit einer Technik einhergeht, der Unberechenbarkeit nicht nur möglich, sondern als notwendiges Feature einprogrammiert ist. Die Problematik nämlich, dass der Mensch sich angesichts solcher Möglichkeiten selber befragen muss, ob er nicht vielleicht selber Maschine ist. In einer eindrucksvollen Szene, die die berühmte Ecce-Homo-Szene aus Terminator 2 spiegelhaft zitiert, schlitzt sich die Hauptfigur, den Unterarm auf, um unter die Oberfläche zu sehen – mehr Zweifel an seinem eigenen Wesen, seiner eigenen Menschhaftigkeit, kann es nicht geben. Wo Schwarzenegger durch die Ablösung des menschlichen Gewebes von seinem Unterarm seine Maschinenhaftigkeit beweisen konnte, muss nun der Mensch sein Innerstes nach außen kehren und hat noch immer keine Gewissheit, ob er nicht doch bloß ein denkendes Uhrwerk ist. Ein von einem genialen Erfinder hergestelltes und programmiertes Produkt. Und wenn? Wo wäre bei dieser Alternative eigentlich der Unterschied zur religiösen Erklärung der menschlichen Existenz?
Aber nun soll auch der Mensch zur Maschine werden. Auch dieses Bestreben verkörpert der T-800 trefflich. Ist seine rein äußerliche Erscheinung doch keine computergenerierte, sondern die „menschliche“ des Schauspielers Schwarzenegger selber. Dessen gebuildeter Body steht seit den Siebzigerjahren wie kein zweiter für den überformten, künstlich geschaffenen, überhöhten Menschenkörper, der Ergebnis harter, disziplinierter Arbeit an sich selbst ist: der Transformation durch den eigenen Willen. So wird er von der anderen Seite her zum Symbol für den menschlich-männlichen Versuch, zur Maschine zu werden: stark, unnahbar, nicht alternd. Der Trick besteht darin, einen menschlichen Körper zu haben, der so geformt wurde, dass in ihm eine Maschine stecken könnte.
Jetzt aber, paradox und folgerichtig zugleich, ist die Annäherung von Mensch und Maschine beinahe vollendet. In Terminator: Genisys werden wir gleich auf mehreren Ebenen Zeugen dieses Vorgangs. Der T-1000, im 2. Film noch Ausdruck der unheimlichen Überlegenheit der technisch hergestellten Technik, die nicht nur den gebrechlichen Menschen, sondern auch dessen „menschliche“ Technik (Waffen, Sprengstoff, T-800) besiegen konnte, ist berechenbar geworden. Die einzige Schwäche der Technik, seine Berechenbarkeit, hat der Mensch, hier Sarah Connor, die den shapeshiftenden T-1000 erwartet und ihm eine Falle gestellt hat, auszunutzen verstanden und somit eine gewisse Überlegenheit zurückgewonnen.
Der T-800, selber nicht des Morphings fähig und somit noch in seiner technischen Anfälligkeit menschlich, altert. „Alt, aber nicht veraltet“, pflegt Arnie das Bewusstsein seiner eigenen Unterlegenheit neueren Versionen gegenüber auszudrücken. Aber nicht nur seine Fähigkeiten kommen im Vergleich veraltet daher, auch seine äußere Erscheinung, die Seite, die die Maschine doch dem Menschen stets voraushatte, was ihre Anfälligkeit angeht, macht einen Prozess der Alterung durch.
Sein Tod ist kein Tod, sondern ein Upgrade – ironischer Verweis auf Versuche des Transhumanismus, durch Genetik und Neuropsychologie auch den Tod für überholt zu erklären – ein Überbleibsel aus einer älteren Version des Menschen.
Zugleich entwickelt Arnie menschliche Verhaltensweisen, ja geradezu menschliche Schwächen und Ticks. Nicht nur sein Grinsen und sein Sinn für Humor machen ihn immer mehr zu einem Menschen. Er ist der Roboter, der zulange unter Menschen gelebt hat, als dass seine Roboterfreunde, käme er irgendwann zurück, ihn noch als den ihren ansehen würden. Er ist wie ein Auswanderer, der die Programmierungen seiner Herkunft nach und nach ablegt. Seine Programmierung, Sarah Connor zu schützen, erscheint nunmehr wie Mitgefühl, väterlicher Schutzinstinkt oder sogar Liebe. Er gibt sich als eifersüchtiger Schwiegervater, übernimmt am Ende sogar eine Großvaterrolle und opfert sich, hierin schon immer eine Jesus-Figuration, für die Rettung des Menschengeschlechts selber auf.
John Connor hingegen, dem die zweite Jesus-Erlöser-Rolle zukam, wird nun selber zur Maschine. Seine Hybridisierung ist sogar noch fortgeschritten – bei ihm kann man, im Gegensatz zu Arnie, gar nicht mehr feststellen, wo Mensch aufhört und Maschine anfängt.
Auch heute ist das, in Zeiten des ubiquitären Internet, des Internet der Dinge, Internet 4.0, von Smartphone, Apple Watch und Tablets, ja schwer festzustellen. Im Film wird darauf kurz angespielt; die Menschen scheinen unfähig, ihren Alltag ohne Smartphone und Internet zu bewältigen. Dass das keine dystopische Zukunftsvision ist, macht nicht nur Setting der immer näher kommenden schönen neuen Welt ins Jahr 2017 deutlich.
„Die Menschen schließen sich mehr und mehr an die Riesenmaschine an, werden zu ihrem entbehrlichen Anhängsel“ (G. Anders) und die Maschinen werden zuneiget einzigen Maschine: Skynet.
Skynet ist das Böse, aber nicht weil es Technik ist und damit dem genuin Menschlichen entgegengesetzt, sondern weil es nur Technik ist. Es ist eben technische Technik, deren Boshaftigkeit darin ihren Gegenstand findet, dass sie keinen hat und braucht.
„Jeder einzelnen Maschine ist „Wille zur Macht“ eingeboren“, wie es bei Günther Anders heißt.
Skynet hat und braucht kein Motiv, um die Erde von den Menschen zu befreien, es ist reiner, kategorischer Wille  zur Macht, der sich im Akt der Erfüllung selbst auflöst: über wen sollen die Maschinen denn einst herrschen, wenn es keine Menschen mehr gibt? Und was hätten sie davon? Das Banal-Böse an Skynets Maschinen ist, dass sie einfach tun, wozu sie programmiert wurden.
Auch Arnie ist ja nur Technik, doch gewissermaßen menschliche Technik, eine, zu der wir einen persönlichen Bezug herstellen können und mehr noch: einen Bezug, der auf Gegenseitigkeit beruht. Gespiegelt wird dies auch in den unglaublich nichtssagenden schauspielerischen Leistungen der Akteure, die, bis auf Schwarzenegger, austauschbar und unbeholfen wirken. Dass Arnold Schwarzenegger einmal in einem Film als bester Darsteller des gesamten Casts gelten würde, ist nur konsequent angesichts der Entwicklung zum austauschbaren Maschinenmenschen.
John Connor aber ist in Terminator: Genisys auf dem Weg zum Bezugslosen, der Maß und Angemessenheit verloren hat. Ebenso wie bei Skynet ist es ja auch bei ihm im Grunde völlig unklar, worin die Motivation seines Handelns liegen könnte.
Kyle Reese appelliert noch in einer Szene an den Menschen in ihm. Aber wir können nicht mehr unterscheiden, ob im modernen Hybrid-Menschen noch ein Residuum von Menschlichkeit steckt. Woran wollen wir festmachen, ob ein Mensch wirklich Mensch ist, wenn die Maschinen uns sogar in Herz, Selbstironie und Gebrechlichkeit gleichen? Terminator: Genisys erzählt von der Unmöglichkeit die condition humaine in einem hybrid gewordenen Zeitalter auszumachen.