Moralfalle, Hitler, Hochdeutschland und Drachenwand: Meine Bücher des Monats Januar 2019

Ich stelle euch die Bücher vor, die ich im Januar 2019 gelesen habe:

David Clay Large: Hitlers München
Arno Geiger: Unter der Drachenwand 
Bernd Stegemann: Die Moralfalle
Alexander Schimmelbuch: Hochdeutschland

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Zehn literarische Videos auf KaiserTV (und ein Extra)

Videos mit rein literarischen Themen werden generell etwas weniger gesehen und nachgefragt. Ob es sich um Neuerscheinungen der Gegenwartsliteratur, neue Übersetzungen oder um die Klassiker der Weltliteratur handelt – im Vergleich zu philosophischen und gesellschaftspolitischen Themen haben meine Literaturvideos ein bisschen weniger Erfolg beim Publikum.

Gleichwohl hatte ich immer Lust, über die alten und neuen Titel der Belletristik zu berichten, sie zu rezensieren, zu kritisieren, und werde das wohl auch weiterhin tun.

Hier folgt nun die Top 10 der erfolgreichsten Literaturvideos auf KaiserTV:

10. Die BücherSendung

Dieses Format war ein sehr früher Versuch, eine Art literarisches Quartett auf Youtube zu etablieren. Kerstin Eiwen, Simone Scharbert und ich besprachen Jonathan Safran Foers „Hier bin ich“ und Isabelle Lehns „Und binde zwei Vögel zusammen“. Leider blieb es nicht nur beim Trio, sondern auch bei dieser ersten Sendung …

9. Paul Auster: 4 3 2 1

Paul Auster fasziniert mich schon seit langem, nämlich seit Silvester 2003, als ich zum ersten Mal „Mond über Manhattan“ las. 2017 folgte dann meine Rezension zu Paul Austers Mammut-Werk „4 3 2 1“.

8. Das Gilgamesh-Epos

An meinem Geburtstag im Jahr 2018 begann ich eines meiner vielen Langzeitprojekte, die ich dann irgendwann aus Unlust oder anderweitiger Motivation aufgegeben habe. Ich wollte 52 Bücher der Weltliteratur innerhalb eines Jahres vorstellen. Jede Woche eins. Bis zum dritten Buch bin ich gekommen, vielleicht wird die Reihe ja irgendwann fortgesetzt. Das zweite Buch war Homers „Odyssee“.

https://youtu.be/rUQg-DVTkEM

7. Jana Hensel: Keinland

Hier mal ein Interview mit der Autorin selber. Mit Jana Hensel spreche ich über ihren ersten Roman „Keinland“.

6. Eckhart Nickel: Hysteria

Ein weiteres Mittelzeitprojekt war der literarische Adventskalender, in dem ich täglich eines des besten Bücher des Jahres vorstellen wollte, die mir Menschen aus der Literaturwelt vorschlugen – das Projekt läuft noch bzw. ich dehne es auf die Zeit nach Weihnachten aus, aber ein paar Türchen habe ich tatsächlich verpasst. Ijoma Mangolds Vorschlag war der Roman „Hysteria“ von Eckhart Nickel.

5. T. C. Boyle: Die Terranauten

Immer wieder fruchtbar ist das Gespräch über Bücher mit David Eisermann – mehrere Interviews haben wir bislang geführt, so zum Beispiel über Tom Wolfe. In diesem Video sprechen wir über T. C. Boyles neuen Roman „Die Terranauten“.

4. Isherwood, Aciman, Mishima, E. M. Forster

2018 war ich auf drei Gay Pride Parades, in Köln, in Hamburg und in London. Am Flughafen von London dachte ich dann, ich könnte mal spontan meine Lieblingsromane über schwule Liebe vorstellen. Nicht zuletzt unter dem Eindruck des faszinierenden „Call me by your name“ von André Aciman, das 2018 zur Liste hinzugekommen war. Bei den anderen Romanen handelt es sich um Klassiker wie „A Single Man“ von Christopher Isherwood oder Yukio Mishimas „Confessions of a Mask“.

3. Philip Roth: Der menschliche Makel

2018 starb der zweite amerikanische Schriftsteller, der mich stark beeinflusst hat: Philip Roth. Beim Vorstellen eines seines besten Romane merkte ich, wie aktuell viele seiner Themen heute noch sind.

2. Hermann Hesse: Der Steppenwolf

Mein zweiterfolgreichstes Video ist die Lesung von Hesses Essay (einem Hessay, sozusagen) über „Eigensinn“. Aber auch meine Rezension eines seiner bekanntesten Romane hat mit über 10.000 Abrufen einige Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

1. Virginia Woolf: Ein Zimmer für sich allein

Eigentlich kein literarisches Werk, sondern ein Essay, geht es Woolf doch hier ums Schreiben generell und um weibliches Schreiben im Speziellen, sodass ich meine Vorstellung von „A Room of One’s Own“ zu den literarischen Videos zähle.

Und ein Extra: Noch ein Interview mit einem Bestsellerautor!

Viel Freude hat es mir gemacht, mit Takis Würger über seinen Erfolgsroman „Der Club“ zu sprechen. Im Jahr 2019 kommt dann auch das Gespräch mit ihm über seinen neuen Roman „Stella“.

52 Wochen – 52 Bücher

Ich werde ja bald 29, und da habe ich mir gedacht, das nächste Lebensjahr begehe ich, indem ich auf KaiserTV die 52 besten Bücher der Weltliteratur vorstelle – vom Gilgamesh-Epos bis zu „Unter …“ ääääh bis zu Daniel Kehlmann oder so. Jede Woche eins. 
„Das ist ja alles schön und gut“, mögt ihr sagen, „aber was habe ich damit zu tun?“ … Und das ist der Moment, wo IHR ins Spiel kommt: Ihr dürft Bücher nicht nur vorschlagen, sondern auch Sendungen sponsern!  

Für jede Spende wird euer Name, euer Unternehmen, euer Buch, euer Blog, euer Produkt oder Projekt an prominenter Stelle erwähnt und angepriesen. Zudem wird es im Goldenen Buch der Guten Taten (GBGT) bei einem höchsten Wesen eurer Wahl festgehalten. 


Ab 10 €  seid ihr dabei. Alle Spenden gehen, wie immer, zu  % an die Valerian Literaturstiftung für Kinder und Jugendliche in Berlin. 

 

Spenden und einen Roman vorschlagen könnt ihr hier!

„Albert Speer“ von Magnus Brechtken – Michael Klugers Sachbuch des Jahres

„Ich lese gern Bücher über die Nazis und das „Dritte Reich“. Weil ich glaube, dass ich immer noch nicht verstanden habe, wie sie möglich waren und das, was sie taten. Über Albert Speer, Hitlers Architekt und Rüstungsminister, habe ich schon viel gelesen: die Biografien von Gitta Sereny und Joachim Fest, des früheren FAZ-Herausgebers. Speers „Erinnerungen“ und die „Spandauer Tagebücher“, an denen Joachim Fest mitgeschrieben hat.

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Fest schien den Schauer zu lieben, sich in der Nähe eines NS-Großverbrechers aufzuhalten, der in Nürnberg nur 20 Jahre Haft bekam und nicht den Tod, und sein Vertrauen zu gewinnen. Fest nahm Speer – wie viele Deutsche – die Geschichte ab, er, Speer, sei ein verführter Künstler und Idealist gewesen, der mit Hitler einen Teufelspakt geschlossen habe, um seinen Traum von großer Architektur zu verwirklichen. Speer war in dieser Geschichte immer der gute Nazi, ein Ästhet und Träumer, der einzige in der Nazi-Mischpoke mit Geist und Niveau. Er war Hitlers Freund, weil der eigentlich ein Künstler war und auch von großer Architektur träumte. Von den Verbrechen mag er geahnt und gewusst haben, interessiert hat er sich dafür nicht. Ein „Faust“-Stoff, wie man ihn in Deutschland mag. Die Geschichte stimmt aber nicht. Magnus Brechtkens „Albert Speer – Eine deutsche Karriere“ zeigt, dass die Geschichte anders ging. Sie handelt von einem Opportunisten und Karrieristen, der keine Skrupel kannte, wenn es um seine Interessen ging. Sie handelt von einem Überzeugungstäter, von einem fanatischen Nazi, der Fremdarbeiter und KZ-Häftlinge für seine Bauten und in seinen Rüstungsbetrieben zu Tode schinden ließ. Alles hat er gewusst. Er hat tatkräftig und in vollem Bewusstsein geholfen, das Monströse ins Werk zu setzen. Nach dem Untergang hat er sich eine neue Geschichte erlogen. Und die Deutschen wollten belogen werden. Magnus Brechtken erzählt dieses ernüchternde, vollends desillusionierende Geschichte in einem atemberaubenden Buch, und er kann sie belegen. Es gibt keinen guten Nazi. Keinen einzigen.

Der FAZ-Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hat einmal erzählt, wie es zum Bruch zwischen ihm und Joachim Fest kam: Fest hatte Speer zu einer Party eingeladen, zusammen mit dem Holocaust-Überlebenden Reich-Ranicki. Intuitiv hat der Speers Lügen nie geglaubt.“

 

 

Michael Kluger ist Journalist und schreibt für die Frankfurter Neue Presse.

 

Magnus Brechtken: Albert Speer. Eine deutsche Karriere.

Siedler Verlag 2017, 912 Seiten

ISBN: 978-3827500403

Interview über „Unter der Haut“

Seit Anfang März stehen alle Autorinnen und Autoren für den Blogbuster-Preis fest: 14 Manuskripte sind es, die nun auf der Longlist stehen, und mein Roman „Unter der Haut“ hat die Ehre, dabei zu sein.

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Photo: Markus Loosen

Uwe Kalkowski vom Blog Kaffeehaussitzer hat den Roman im Januar nominiert. Nun haben wir uns getroffen, um ein bisschen über Literatur und das Schreiben zu plaudern. Wo könnte ein besser Ort sein als in einem Kölner Café?

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Blog „Kaffeehaussitzer“

Es geht um Obsession und Inspiration, die Kunst des guten Buches, Berührungen und Gerüche, New York und Berlin und um die ewige Frage, ob man Bücher lieben kann …

Zum Interview: http://kaffeehaussitzer.de/blogbuster-ein-cafegespraech-mit-gunnar-kaiser/

Die Fotos wurden von Markus Loosen (VQM Productions) gemacht.