Ist der Kommunismus am Ende? Gerd Koenens „Die Farbe Rot: Ursprünge und Geschichte des Kommunismus“

Bestseller – Jörg Magenau im Interview

Jörg Magenau im Interview über sein neues Buch „Bestseller: Bücher, die wir liebten – und was sie über uns verraten“ (Hoffmann und Campe).
Wir sprechen über
– Kann man Qualität anhand von Zahlen messen?
– Gibt es einen Bestseller-Code?
– Sind Bestseller immer Trivialliteratur
– Gibt es einen Trend zum Eskapismus?
– Woher die Beschäftigung mit Bäumen, Bienen und Därmen?
– Ist Richard David Precht der Hape Kerkeling der Philosophie?
– Sollte man Bestsellerlisten bereinigen, wie im Fall Sieferle?

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Die Form der Schönheit – Frank Berzbach im Gespräch

Schönheit ist ein Grundbedürfnis. Jeder Mensch »verschönert« etwas und wenn er das tut, geht es ihm besser. Dennoch nehmen wir die Schönheit oft nicht als Bestandteil unseres Alltags war – wir vernachlässigen unsere ästhetischen Bedürfnisse, unser Formbewusstsein verkümmert. In seinem neuen Buch zeigt Frank Berzbach: den Sinn für Schönheit zu schärfen, ein Bewusstsein für Ästhetik zu entwickeln, heißt auch, ein glücklicheres Leben zu führen. Nur so können wir die Schönheit von Menschen, von Kleidung und Essen, die Schönheit des Analogen wie auch der Natur wertschätzen.

Frank Berzbach im Gespräch über die Macht der Schönheit, Spiritualität und Versenkung, ostasiatische Verständnisse von Schönheit, über die Heilsamkeit von Kunst und die Besonderheit von Schönheitserfahrungen.

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„Albert Speer“ von Magnus Brechtken – Michael Klugers Sachbuch des Jahres

„Ich lese gern Bücher über die Nazis und das „Dritte Reich“. Weil ich glaube, dass ich immer noch nicht verstanden habe, wie sie möglich waren und das, was sie taten. Über Albert Speer, Hitlers Architekt und Rüstungsminister, habe ich schon viel gelesen: die Biografien von Gitta Sereny und Joachim Fest, des früheren FAZ-Herausgebers. Speers „Erinnerungen“ und die „Spandauer Tagebücher“, an denen Joachim Fest mitgeschrieben hat.

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Fest schien den Schauer zu lieben, sich in der Nähe eines NS-Großverbrechers aufzuhalten, der in Nürnberg nur 20 Jahre Haft bekam und nicht den Tod, und sein Vertrauen zu gewinnen. Fest nahm Speer – wie viele Deutsche – die Geschichte ab, er, Speer, sei ein verführter Künstler und Idealist gewesen, der mit Hitler einen Teufelspakt geschlossen habe, um seinen Traum von großer Architektur zu verwirklichen. Speer war in dieser Geschichte immer der gute Nazi, ein Ästhet und Träumer, der einzige in der Nazi-Mischpoke mit Geist und Niveau. Er war Hitlers Freund, weil der eigentlich ein Künstler war und auch von großer Architektur träumte. Von den Verbrechen mag er geahnt und gewusst haben, interessiert hat er sich dafür nicht. Ein „Faust“-Stoff, wie man ihn in Deutschland mag. Die Geschichte stimmt aber nicht. Magnus Brechtkens „Albert Speer – Eine deutsche Karriere“ zeigt, dass die Geschichte anders ging. Sie handelt von einem Opportunisten und Karrieristen, der keine Skrupel kannte, wenn es um seine Interessen ging. Sie handelt von einem Überzeugungstäter, von einem fanatischen Nazi, der Fremdarbeiter und KZ-Häftlinge für seine Bauten und in seinen Rüstungsbetrieben zu Tode schinden ließ. Alles hat er gewusst. Er hat tatkräftig und in vollem Bewusstsein geholfen, das Monströse ins Werk zu setzen. Nach dem Untergang hat er sich eine neue Geschichte erlogen. Und die Deutschen wollten belogen werden. Magnus Brechtken erzählt dieses ernüchternde, vollends desillusionierende Geschichte in einem atemberaubenden Buch, und er kann sie belegen. Es gibt keinen guten Nazi. Keinen einzigen.

Der FAZ-Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hat einmal erzählt, wie es zum Bruch zwischen ihm und Joachim Fest kam: Fest hatte Speer zu einer Party eingeladen, zusammen mit dem Holocaust-Überlebenden Reich-Ranicki. Intuitiv hat der Speers Lügen nie geglaubt.“

 

 

Michael Kluger ist Journalist und schreibt für die Frankfurter Neue Presse.

 

Magnus Brechtken: Albert Speer. Eine deutsche Karriere.

Siedler Verlag 2017, 912 Seiten

ISBN: 978-3827500403

Planet Planlos – Frank Odenthals Sachbuch des Jahres

„Mein Sachbuch des Jahres 2017 ist „Planet Planlos“ von Anne Weiss und Stefan Bonner.

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Frank Odenthals Sachbuch des Jahres: Planet Planlos

Ich hatte mich beruflich in diesem Jahr selbst mit dem Klimawandel beschäftigt, hatte also schon gewisse Vorkenntnisse. Und trotzdem hat mich dieses Buch umgehauen.

Denn es trägt zusammen, was wir momentan über den Klimawandel wissen, und entwirft darauf aufbauend ein schonungsloses Szenario dessen, was uns erwartet: Wie unsere Welt in wenigen Jahren wahrscheinlich aussehen wird, wenn wir nicht jetzt – also: heute! – reagieren.

Und das Tollste an dem Buch: Die beiden Autoren benutzen eine Sprache, die die eigentlich eher dröge Wissenschaft greifbar und packend macht wie einen guten Krimi.

Mich hat dieses Buch ebenso schockiert wie es mich fasziniert hat. „Wir haben ja nicht gewusst, wie schlimm es werden wird“ zählt nach diesem Buch jedenfalls nicht mehr, wenn uns unsere Enkel später einmal zur Rede stellen sollten, warum wir nichts unternommen haben, als noch Zeit dazu war. „Ich hättet es wissen können“, werden sie nämlich entgegnen, „Ihr hättet doch ‚Planet Planlos‘ lesen können.“

Frank Odenthal

Frank Odenthal ist freischaffender Journalisten und Autor aus Köln

Stefan Bonner / Anne Weiss: Planet Planlos.

Knaur Verlag 2017, 320 Seiten

ISBN-13: 978-3426214329