Wirtschaft wirklich verstehen – PhilosophieTube Folge 1

Ende August haben Dario Change Philosoph und ich uns in lockerer Runde zusammengesetzt und den modernen Klassiker über die Österreichische Schule der Nationalökonomie, Rahim Taghizadegans „Wirtschaft wirklich verstehen“, besprochen.

Hier ist das Ergebnis unserer kleinen Talks über Wirtschaft und Wohlstand, Staat und Steuern, Kapitalismus und Krisen, Innovation und Inflation …

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Du böses Kapitalistenschwein!

aus der Reihe „Welzer lesen!“ kommt heute Teil 3:

Ich lese Harald Welzers „Die smarte Diktatur“ und spreche über ein paar kritische Stellen im Buch.
Heute geht es um die Fragen
– ob der Markt regiert
– ob viel Kapital auch viel Macht bedeutet
– ob die bösen kapitalistischen Räuberbarone wie Vanderbilt und Rockefeller wirklich solche ausbeuterischen Schurken waren und
– worin der eigentliche Erfolg des Kapitalismus besteht

Die EU – ein super Staat oder ein Superstaat?

Der polnische Sender TVP Info leakt Pläne der EU, nach dem Brexit die Zusammenarbeit der EU-Staaten noch zu verstärken – auf der Ebene der Banken, der Justiz und … der Armee. Lässt euch das ruhiger schlummern oder raubt es euch den Schlaf?

In den deutschsprachigen Medien habe ich über den Leak übrigens keine Berichte gefunden.

Die geilste Ressource der Welt

Welzer lesen! (Teil 2):

Bringen die modernen Kommunikationstechnologien den Menschen nur noch mehr Kontrolle, Disziplinierung und Selbstzwang, oder sind sie ein Mittel zur Befreiung? Dient der Selbstzwang dazu, die Menschen den Staat akzeptieren zu lassen?

Und wer ist die eigentliche „übergeordnete Bewertungsinstanz“ in unserem Leben?

KaiserTV diskutiert einige Stellen im neuen Buch des Soziologen Harald Welzer, „Die smarte Diktatur“.

Weitere Fragen:
– Werden Ressourcen auf dem freien Markt immer teurer und gibt das einigen wenigen größere Macht? Was ist die „ultimative Ressource“?
– Wo genau liegt die Gefahr der Überwachung?

[Das ist Teil 2 meiner Welzer-Lektüre]

Das System kritisieren – aber richtig!

Tomáš Sedláček und David Graeber diskutieren über „Revolution oder Evolution“

Haben Sie auch manchmal das Gefühl, dass diejenigen, die am meisten von einem System profitieren, genau die sind, die es am stärksten kritisieren? Dass den Kapitalismus zu kritisieren derart zum guten Ton gehört, dass es wirtschaftlich nachteilig wäre, ihn zu loben? Zumindest auf dem Sachbuchmarkt scheint das zurzeit der Fall zu sein – Titel wie „Freiheit statt Kapitalismus“ (Sahra Wagenknecht), „23 Lügen, die sie uns über den Kapitalismus erzählen“ (Ha-Joon Chang) oder „Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus“ (Naomi Klein) werden nachgefragt wie nie zuvor. Ihr gemeinsames Credo: Der Markt hat versagt. Und so hat auch der Hanser Verlag, der die Gesetze des Buchmarkts kennt und nutzt wie kein zweiter, den Titel des neuen Buches von Tomáš Sedláčeks  und David Graebers Buch ebenso frei wie geschickt aus dem Tschechischen übersetzt. Führte das längere Interview, das Roman  Chlupatý  mit den beiden Bestsellerautoren 2013 geführt hat, noch zurückhaltend den Begriff „System“ im Untertitel, fragt die deutsche Ausgabe gleich doppelbödig nach dem „Ende des Kapitalismus“. Ein Reizwort, mit dem sich Käuferkreise erschließen lassen – geradezu ein ungeschützter Markenname.

Verständlich, ist doch nicht nur das Krisengefühl in den letzten Jahren virulent geworden, sondern auch die Suche nach Lösungen und Wegen aus der Krise – derart virulent, dass eine gründliche Terminologie da nur stören würde. Dass dem Mainstream dabei nur die eine Vokabel, das K-Wort, geblieben ist, um das herrschende System zu beschreiben, ist allerdings Ausdruck der Hoffnungslosigkeit allen Disputierens über die wirtschaftliche Ungleichheit und Ungerechtigkeit unter den Menschen. Denn Folge einer falschen Situationsbeschreibung ist freilich immer eine irrige Ursachenanalyse.

 

„Der Markt ist frei“, so lautet wohl das erste und wichtigste Fehlurteil, das das Gros der Kritiker fällt – resultierend in einem fehlgeleiteten Nachdenken über Gründe für die Misere – der freie Markt produziere durch seinen Mechanismus Ungleichheiten – sowie in einer immer wieder gehörten, deswegen aber nicht weniger hanebüchenen Folgerung, der freie Markt müsse (vom Staat) beschnitten werden, damit die unnatürlichen Ungleichheiten, die aus ihm entstanden sind, wieder zu Verhältnissen der Gleichheit und Gerechtigkeit modelliert werden. Ein hehres Ziel, weswegen es umso schwerer fällt, die so argumentierenden Kritiker zu kritisieren: Für sie ist das herrschende System eben der Kapitalismus, sie kennen keinen anderen Begriff, und so muss für sie dem Kapitalismus Einhalt geboten werden. Auf die Annahme, selbst in westlichen, liberalen Gesellschaften gebe es gar kein kapitalistisches System, da mit Staatsquoten von 50 %, Steuern und Abgaben von bis zu zwei Dritteln des Einkommens und einem täglich gepflegten, blühenden Garten des Lobbyismus und der Korruption wohl eher „Korporatismus“ der Begriff der Wahl sein müsste – auf diese Annahme kommen weder die Occupy-Aktivisten von der Straße noch ihre namhaften „Vordenker“ – nicht Naomi Klein, nicht Thomas Piketty, nicht Joseph Stiglitz, und eben auch nicht Tomáš Sedláček und David Graeber.

 

Dies beweisen die beiden in dem durch ermüdende Einmütigkeit geprägten Interview, dessen einziger Dissens sich in den beiden titelgebenden Stichworten zusammenfassen lässt: Revolution? (Graeber plädiert für die Abschaffung der staatlichen Institutionen, will jedoch direkte Demokratie und eine andere Wirtschaftsweise, offenbar eine „mit menschlichem Antlitz“, einführen.) – Oder Evolution? (für Sedláček liegt die Schuld, das Unmoralische bei den Institutionen – man müsse „nur“ die Institutionen reformieren, schon gesunde das System.)

 

Es ist wie mit diesem Buch wie mit der Mehrzahl derzeitiger kapitalismuskritischer Publikationen: Es verkennt den Einfluss des Staates auf den Markt, und das sogar, obwohl Graeber und Sedláček sich über das Geldsystem so ihre Gedanken machen. Darin zumindest sind sie, vor allem der Anarchist Graeber, der mit seinem 500-Seiten-Wälzer über „Schulden“ zurecht für Furore gesorgt hat, den üblichen Verdächtigen unter den sogenannten „Star-Ökonomen“ voraus; ist das Geldsystem mit seiner heimlich, still und leise umverteilenden Macht durch ungezügelte Papiergeldproduktion aus dem Nichts doch wie ein Zauberschleier, der den Kritikern die Sicht auf die eigentlichen Ursachen verhängt. Und doch – Graeber und Sedláček erkennen nicht, dass es dank dem staatlichen Geldmonopol, das den Akteuren auf den Märkten gar keine Freiheit in der Wahl der wichtigsten Ware lässt und sie gleichzeitig durch Inflation enteignet, überhaupt keine freien Märkte geben kann. Dass also ihr ganzes Gerede über moralische Kategorien und ökonomische Modelle nichts anderes ist als das – Gerede. Schnell sind sie mit einer ausufernden Metaphorik zur Hand, die man eher aus der Agitation kennt und die der Klarheit des Denkens nicht eben förderlich ist. Von Vampiren ist da die Rede, von Frankensteins Monster, und, wie könnte er fehlen: vom Bullen, denn die Märkte verhalten sich schließlich wie er. Dass so unsauberes Denken und bildhaftes Sprechen zu wohlfeilen Slogans und voreiligen Fehlschlüssen führt, aber nicht zu tieferen Erkenntnissen, beweisen die beiden Interviewpartner aufs Trefflichste.

 

Das gelingt ihnen mit Sottisen oder gut gemeinten Allerweltsphrasen wie den folgenden:

– „Man benötigt eine Art von systemischer Gewalt, weil (sic!) ein lebendiger Bulle, der nicht eingezäunt ist, einen schrecklichen Gewaltausbruch verursachen könnte.“ (Sedláček im bewährten Dreischritt irrige Analyse, ungenaue Terminologie und fehlgeleiteter Lösungsansatz)

– „Es ist effizienter, wenn der Markt keine Rolle spielt (sic!!). Die meisten Systeme sind effizienter, wenn sie nicht effizient sind.“ (Sedláček)

– „Das Revolutionärste besteht darin, eine Gemeinschaft aufzubauen, die auf dem Prinzip der revolutionären Güte beruht, in der die Menschen einfach nur (sic!!!) besonders gütig, nett und hilfsbereit zueinander sind.“ (Graeber)

 

Erstaunlich – ohne auf 144 Seiten auch nur ein einziges Mal einen freien Markt beschrieben zu haben (wie auch?), ist und bleibt die Wahnvorstellung: Freie Märkte sind wie Frankensteins Monster. Und es ist und bleibt die Lösung: Jemand muss uns vor dem Monster schützen. Sedláček ist mit Forderungen zurückhaltender, will als „Reformkapitalist“ jedoch Chaos um jeden Preis vermeiden. Bei Graeber klingt es hingegen so: Wir müssen eine Alternative schaffen, die aufzeigt, wie man die Dinge organisieren kann. Wenn es nicht der freie Markt sein kann (ergo: die Menschen, die aus freien Stücken und zu wechselseitigem Vorteil Verträge miteinander eingehen), dann muss es wohl jemand sein („die Mehrheit“, die Regierung, Experten …), der die höhere Einsicht in die bessere Organisationsweise hat und mit mehr oder weniger Nachdruck durchsetzt. Aber das sagt Graeber wohlweislich nicht.

 

Aber erstaunlich ist es doch. Zwar ist die Fragestellung des Interviewers Chlupatý zeitweilig voreingenommen („Wie kann man die Menschen vor den negativen Effekten der Märkte beschützen?“ – als wäre es der Markt und nicht der Staat, der die Menschen zwingt, Produkte zu kaufen oder ihr Eigentum herzugeben), doch vor allem Graeber beschreibt Ansätze des Korporatismus immer wieder zutreffend. So spricht er von Korruption und Bestechung, die als „Wahlkampfspende“ legalisiert wurden, spricht von einer Verschmelzung des wirtschaftlichen und des politischen Systems, spricht davon, dass „die Kapitalisten im Zusammenwirken mit der Regierung die Richtung der staatlichen Innovationsförderung bestimmen“; und auch Sedláček  spricht in helleren Momenten von der Sozialisierung der Verluste von Banken und Versicherungen. Dann aber, als unterlägen beide einem Sprachzauber, nennen sie das ganze „moderner Kapitalismus“. Sedláček versteigt sich sogar zu der absonderlichen Behauptung, der Markt funktioniere, wenn „General Motors bankrott geht“ und der Staat als Retter einspringt. Mit einer solchen Unfähigkeit zu terminologischer Schärfe sind stichhaltige Lösungsvorschläge nicht zu erwarten. Es bleibt der Verdacht, dass auch der Kritiker einfach zu sehr vom System profitiert, als dass er ihn bei seinem wahren Namen nennen wollte. Wer solche Systemkritiker hat, muss sich um die Zukunft des Systems wahrlich keine Sorgen machen.

 

Tomáš Sedláček / David Graeber: Revolution oder Evolution. Das Ende des Kapitalismus?
Gespräch mit Roman Chlupatý. Aus dem Englischen von Hans Freundl.
München: Hanser Verlag 2015.
144 Seiten, 15,90 €
ISBN 3446443045

Depressionen durch zu viel Kapitalismus?

Die Geschichte der Großen Depression – Märchen, Ursachen und Folgen

 

Von Zeit zu Zeit braucht der Mensch, um als guter Untertan funktionieren zu können, eine Gute-Nacht-Geschichte. In diesem Märchen treibt der böse Wolf der menschlichen Freiheit sein Unwesen, wird vom guten Staat aber letztlich doch vertrieben oder zumindest in seine Schranken verwiesen.

Eines dieser Märchen ist dabei das von der Großen Depression von 1929 bis 1941, die sich in Form großer wirtschaftlicher Schwierigkeiten und individueller Not und Armut vor allem auf das Leben von Millionen Amerikanern ausgewirkt hat.

Dieses Märchen erzählt von den Auswirkungen einer allzu freien Marktwirtschaft und von den rettenden Eingriffen durch die Hände des Staates. Und es ist der Grund dafür, dass Menschen heutzutage noch immer glauben, zu viel Freiheit sei schädlich, und dass sich in der freien Marktwirtschaft jederzeit, ohne Vorwarnung, gewaltige Rezessionen ereignen können, die Wohlstand und von heute auf morgen zerstören. Und dass “der Staat” dem eben vorbeugen müsse … und wenn er das dann nicht geschafft hat (wen wundert’s`?), müsse er wenigstens die Folgen so wenig hart wie möglich gestalten.

Das Märchen von der Schuld des Kapitalismus an der Weltwirtschaftskrise, dem Börsencrash von 1929 und der Great Depression ist jedoch nichts weiter als das – ein Märchen. Auch sein Happy End, nämlich die Erzählung davon, dass staatliche Interventionen schließlich zu der wirtschaftlichen Erholung geführt hätten, die sonst niemals oder nur unter sehr großen weiteren Opfern eingetreten wäre, ist ein gerne weitergetragener Mythos.

Da sich Menschen aber, wenn sie beherrscht werden wollen, gerne Märchen und Sagen erzählen lassen, ist es auch schwer, mit Fakten und Indizien ihre Ansichten über den Gang der Geschichte ändern zu wollen.
Gleichwohl ist es notwendig, es zu versuchen.

Fragen wir also: Was waren die wirklichen Ursachen der Großen Depression? Welche Folgen hat sie gezeitigt? und: Was haben die staatlichen Eingriffe tatsächlich gebracht?

Wie kam es zur Depression?

Nach Frederic Bastiat ist Ökonomie auch die Lehre „von dem, was man sieht, und von dem, was man nicht sieht“. Um das Offensichtliche zu erklären, muss man also erst das Verborgenen aufdecken.

Obwohl das moderne Märchen behauptet, dass der freie Markt sich im Verlauf der Zwanziger Jahre selbst zerstört habe, ist doch das Regierungshandeln der eigentliche Motor der Depression. Die Rezessionen, die zuvor stattfanden, dauerten nicht länger als 3 bis 4 Jahre, viele waren sogar um einiges kürzer, und es ist wahrscheinlich, dass auch sie sich bei einem Ausbleiben staatlicher Eingriffe nicht länger erstreckt hätten. Stattdessen wurde die Krise zu einer über ein Jahrzehnt anhaltenden Depression verstärkt.

Was war geschehen? Nun, das Jahrzehnt zuvor nennt man die Goldenen Zwanziger, die „Roaring Twenties“. Der Große Gatsby, das Model T von Ford, Al Capone und die Prohibition, der Caesar’s Salad wird erfunden, Charleston und Irving Berlins „Blue Skies“ … eine Zeit, an dem sich ein Boom an den anderen anschloss.

Es ist ein ehernes Gesetz, das wir in der Historie wie im persönlichen Leben nur zu oft beobachten können: Was aufsteigt, wird irgendwann fallen. Nach einem Aufschwung kommt der Abschwung, und der wird umso stärker sein, je höher und schneller sein Vorgänger war. Gerne blicken wir ja auf ein ganz bestimmtes Datum, hier den 24. 10. 1929, an dem wir alles festmachen zu können glauben. Doch dieses Ereignis, das so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, war nur ein weiteres Datum in einer Reihe von bewussten und unbewussten Aktionen, die sich dem Blick der Öffentlichkeit entziehen.

Nun ist die Frage, ob der Aufschwung, dessen Wirkungen wir im Aufblühen der Kultur der 20er Jahre sehen, nur eine Folge von zu großer wirtschaftlicher Freiheit, von rücksichtslosem Spekulieren und Investieren ist, oder ob auch der Staat dafür gesorgt hat, dass das Leben der Menschen sich innerhalb so kurzer Zeit so umfassend geändert hat.

Die eine staatliche Aktion, die den größten Einfluss auf das gesamte Leben der Menschen hat, ist die, das Geld zu drucken.
Und tatsächlich gibt es Schätzungen, dass die Federal Reserve die Dollar-Geldmenge von 1921 bis 1918 um mehr als 60 % erhöht hat. Dies musste unweigerlich zu geringeren Zinsraten führen – weil es ein größeres Angebot an Geld gab, wurde das Geld billiger. Denn Zins ist nichts anderes als der Preis des Geldes. In einer freien Wirtschaft zeigt der Zins an, wie viel Geld von den Menschen benötigt wird im Verhältnis zum Angebot. Wenn nun Geld billig ist, ist der Anreiz, zu investieren, viel stärker, als er normalerweise wäre. Die Börsenkurse steigen und die Aktienbesitzer und Unternehmer denken, es gäbe eine reale Nachfrage nach den Produkten des Unternehmens. Es wird also mehr und mehr produziert – während eine reale Nachfrage gar nicht in dem angenommenen Maße existiert.

Der österreichische Ökonom Ludwig von Mises hatte diesen Mechanismus schon 1924 beschrieben:

Der naive Inflationismus fordert Vermehrung der Geldmenge ohne zu ahnen, dass [dies] die Kaufkraft der Geldeinheit vermindert. Er will mehr Geld sehen, weil Geldfülle in seinen Augen schon Reichtum ist. Fiat money!

Als die Fed nach sieben Jahren des Aufblähens der Geldmenge zwischen 1929 und 1933 schließlich die Zinsen wieder in die Höhe trieb und den Geldhahn zudrehte, nämlich um 30%, wurde es den Anlegern klar, dass, wenn das Geld knapp wird, man die Aktien lieber vorher als zu spät verkaufen sollte. Eine Lawine brach los.

Denn zwischen 1929 und 1933 fiel die nationale Produktion um mehr als die Hälfte. Der Einkommensdurchschnitt fiel um 28 %, die Börsenkurse fielen auf ein Zehntel des ursprünglichen Werts, 1933 schließlich gab es 12,8 Millionen Arbeitslose. Betrug die Arbeitslosigkeit 1929 noch 3,2%, waren es 1933 bereits 25%!

Da aber der Mann auf der Straße die Eingriffe des Staates nicht sehen kann, steht er ratlos vor dem Trümmerhaufen seiner eigenen Existenz und singt, wie später Bruce Springsteen:

lately there ain’t been much work, on account of the economy

Ja, wegen der Wirtschaft halt, das muss als Begründung ausreichen.

Es scheint also, dass die Fed, eine private Bank, die vom Staat das Monopol zum Gelddrucken erhalten hat, den Boom künstlich erzeugt hat. Ben Bernanke, Präsident der Fed bis 2014, hat dies zugegeben:

You’re right, we did it. We’re very sorry. But thanks to you, we won’t do it again.


Was geschah dann?

Dann kam die Präsidentschaft Herbert Hoovers, eines Mannes, der oft als Laissez-faire-Politiker dargestellt wird. Er habe sich geweigert, zu intervenieren, sondern wollte alles den freien Märkten überlassen, so geht dieser Teil des Märchens.

Doch nicht einmal sein politischer Gegner in den 1932er Wahlen hätte Hoover so bezeichnet. Im Gegenteil: Franklin. D. Roosevelt beschuldigte Hoover, er führe das Land durch rücksichtslose extravagantes Ausgeben in den Abgrund, er sei verantwortlich für die größten Ausgaben in Friedenszeiten, die das Land zum auf die Ebene des Sozialismus runterziehen werden.

Was nun würde ein Laissez-faire-Politiker, neben vielen anderen Dingen, niemals machen? Den Markt beschränken, indem er über bestimmte Güter Zolltarife verhängt. Was Hoover aber, neben vielen anderen Dingen, tat, war genau das. Der Smoot-Hawley-Tariff Act von 1930 beschränkte den Import auf den höchsten Level seit 100 Jahren, und zwar so stark, dass die Preise fielen, die Banken schlossen, die Farmer ihre Farmen aufgaben, die Arbeitslosigkeit z. B. in Cleveland auf 50 % stieg, der Dow Jones Index erst ein Vierteljahrhundert später wieder den Stand von 1929 erreichte und die ausländischen Wirtschaften, vor allem die den Verpflichtungen des Versailler Vertrags unterworfene Wirtschaft der Weimarer Republik, darunter litten.

Das Gesetz hatte einen großen Anteil am Rückgang des US-amerikanischen Außenhandels, und damit am Zusammenbruch des Welthandels während derWeltwirtschaftskrise. Es verschärfte die protektionistischenTendenzen in der Welt. Die Importe der USA sanken zwischen 1929 und 1933 um 66 % von 4,4 Milliarden Dollar auf 1,5 Milliarden Dollar. Die Exporte fielen um 61 % von 5,4 Milliarden Dollar auf 2,1 Milliarden Dollar. Die Importe aus Europa fielen von 1,334 Milliarden im Jahr 1929 auf 390 Millionen Dollar im Jahr 1932, und die Exporte nach Europa von 2,341 Milliarden auf 784 Millionen Dollar. (Quelle: Wikipedia)

Sogar der Wirtschaftslehrer im Film „Ferris macht blau“ wusste das! Es ist eine Voodoo-Ökonomie!

 

Hoover also war alles andere als ein Non-Interventionist. Der Anteil der Staatsausgaben am Bruttosozialprodukt betrug beispielsweise 1931 über 20% – nicht gerade rein kapitalistisch. Und als ob mit Subventionen, hohen Zöllen und einer verfehlten Geldpolitik noch nicht genug getan worden wäre, um die Menschen davon abzuhalten, in Ruhe ihren Geschäften nachzugehen, wurde 1932 der Revenue Act verabschiedet, der die Einkommenssteuer verdoppelte!

Giftige Medizin

Als FDR dann Präsident wurde, führte er genau das fort, wogegen er sich zuvor immer gestellt hatte: Hoovers Interventionismus. Nun, 1933, war auch in seiner Antrittsrede nicht mehr die Rede von verfehltem Regierungshandeln – er gab den skrupellosen Geldwechslern die Schuld!

Plötzlich war jemand, der Gold besaß, ein Verbrecher. Die Menschen durften sich nicht mehr frei aussuchen, wie sie ihr Geld sparten. Roosevelt beschränkte den Goldbesitz und entwertete den Dollar damit um 40%. Bis 1936 stiegen die Staatsausgaben um 83%, die Staatsschulden auf 73%! 1933 zwang man die meisten Industrien in regierungsgesteuerte Kartelle, regulierte Preise und Löhne und trieb so die Kosten um 40 % nach oben. Die industrielle Produktion fiel so um ein Viertel.

Das Mindestlohngesetz von 1938 verhinderte, dass gering ausgebildete und junge Menschen in den Arbeitsmarkt einsteigen konnten – machte auf diese Weise viele von ihnen wiederum abhängig von der Sozialhilfe, die 1935 eingerichtet worden war. Landwirtschaftliche Produkte mussten zerstört werden, um die Preise künstlich zu erhöhen – Weizen und Mais wurden verbrannt, gesunde Schafe, Rinder und Schweine wurden in Massengräbern verscharrt. Sechs Millionen Ferkel wurden geschlachtet, ohne dass ihr Fleisch verkauft worden wäre. Farmer wurden vom Staat für ihre Untätigkeit bezahlt.

Schließlich kamen drastische Steuererhöhungen (Einkommenssteuerraten bis über 90 %) und die krypto-faschistischen Bestimmungen der National Recovery Administration (NRA), die Eingriffe noch in die kleinsten Teile des wirtschaftlichen Lebens vorsahen, bald aber vom Obersten Gerichtshof für verfassungswidrig erklärt wurden. 1941 plante Roosevelt sogar eine Einkommenssteuer von 99,5%!
Wie Roosevelts Finanzminister Henry Morgenthau in seinem Tagebuch schrieb:

Wir haben es mit Geldausgeben versucht, wir geben mehr aus als je zuvor, und es hat nicht funktioniert … Nach acht Jahren in der Regierung haben wir genauso viel Arbeitslosigkeit wie als wir begannen, und eine enorme Staatsschuld obendrein.

Und dann kam der Krieg, aber das ist eine andere Geschichte …
Obwohl FDR also das Amt von Hoover übernahm, mit dem Versprechen, weniger zu regulieren, tat er genau das Gegenteil, und dies verlängerte die Depression auf mehr als ein ganzes Jahrzehnt! Was also mit einer unverantwortlichen Geldpolitik der Regierung begann, wurde verlängert und verschlimmert mit Tarifen, Steuern, Regulationen von Produktion, Konsum und Arbeit, Fehlsubventionen und Zerstörung von Natur und persönlichem Eigentum.

Es ist wichtig, dass das Märchen von der bösen Freiheit nicht mehr erzählt wird – sondern Fakten und logische Schlussfolgerungen aufzeigen, wer für Arbeitslosigkeit, Armut und Hunger verantwortlich ist. Denn je öfter wir uns eine Geschichte erzählen, die dem Staat die Rolle des edlen Ritters zuschreibt, wird er stärker und mächtiger werden – und irgendwann sein wahres Wesen auch den schlafenden Kindern offenbaren.

Literatur:

Burton W. Folsom jr.: New Deal or Raw Deal?: How FDR’s Economic Legacy Has Damaged America

Jim Powell: FDR’s Folly: How Roosevelt and His New Deal Prolonged the Great Depression

Lawrence W. Reed: Great Myths of the Great Depression. Popular Accounts of the Depression Belong in a Book of Fairy Tales

Murray N. Rothbard: America’s Great Depression