Geimpft oder ungeimpft: Wie hoch ist das Übertragungsrisiko von SARS-CoV-2 denn nun wirklich?

von Robert Meier

Das gebetsmühlenartig wiederholte Heilsversprechen, das den Deutschen innerhalb der letzte eineinhalb Jahre immer wieder ins Gehör gedroschen wurde, kannte nur einen Weg und ein Ende: Die Heilung von COVID-19 und ein Ausweg aus der Pandemie seien ausschließlich durch den Einsatz der mRNA-Impfstoffe möglich. Die Behandlung der Menschen mit diesen Impfstoffen galt und gilt, wie vieles, das man aus den Mündern amtierender Politiker und Medienmacher hört, als „alternativlos“.

Die Strategie der Alternativlosigkeit ist insofern unwirksam und rückschrittlich, als sie das verhindert, was man für solide und auf Fakten basierende Entscheidungen benötigt: einen sachlichen, möglichst breitgefächerten Diskurs – sowohl innerhalb der Medizin als auch in den öffentlich-rechtlichen Medien. Werden bestimmte Ansichten innerhalb der Medizingemeinschaft behindert oder wichtige Daten gar nicht erst erhoben, macht das einen ehrlichen Diskurs unmöglich. Werden entscheidende Daten von großen Medienhäusern nicht verbreitet, damit sich der Großteil der Bevölkerung problemlos darüber informieren kann, kommt es zu Desinformation, Angst und Spaltung.

Was also tun, wenn wichtige Informationen nicht über die „großen Verteiler“ ihren Weg in die Köpfe eines großen Publikums finden? Antwort: Man macht sich die Mühe und sucht sie außerhalb dieses „Radius‘“, beispielsweise auf einschlägigen Websites führender Journale oder auf den Kanälen von Ärzten und Wissenschaftlern, die diesen Daten die entsprechende Aufmerksamkeit schenken.

Stellungnahmen von Dr. Mikolaj Raszek

So tut es zum Beispiel Dr. Mikolaj Raszek auf seinem Kanal Merogenomics. Er postet dort regelmäßig sachliche und unaufgeregte Updates zum aktuellen Forschungsstand hinsichtlich der Covid-19-Impfstoffe. In einem Video vom 02.11.2021 bezieht er sich unter anderem auf eine bei The Lancet veröffentlichte Studie von Singanayagam et. al. mit dem Titel:

“Community transmission and viral load kinetics of the SARS-CoV-2 delta (B.1.617.2) variant in vaccinated and unvaccinated individuals in the UK: a prospective, longitudinal, cohort study”

Zu Deutsch:

„Übertragung in der Gemeinschaft und Kinetik der Viruslast der SARS-CoV-2 delta (B.1.617.2)-Variante bei geimpften und ungeimpften Personen im Vereinigten Königreich: eine prospektive Längsschnitt-Kohortenstudie“

Darin wurden 8145 medizinische Proben aus den oberen Luftwegen der Probanden ausgewertet. Man verglich den Verlauf der Viruslast von vollständig geimpften und ungeimpften Personen. Raszek erklärt:

„So, what they did is, […] they traced the family members, who were exposed to a virus by another family member. And they were starting to see, what happens in such a situation – how are the different family members infected. And the take-home-message there was that, for any family members, who were vaccinated – if they were exposed by another family member in that household to the virus, about 25 percent got infected. Whereas unvaccinated […] once you got exposed to a virus brought to you by another family member in your household, approximately 38 percent of them got infected. So, you can clearly see there is a distinction there and vaccines afford you so much better protection from being infected. “

Übersetzung

„Sie haben also […] die Familienmitglieder ausfindig gemacht, die durch ein anderes Familienmitglied einem Virus ausgesetzt waren. Und sie begannen zu sehen, was in einer solchen Situation passiert – wie die verschiedenen Familienmitglieder infiziert werden. Und die Botschaft, die man mit nach Hause nehmen konnte, war, dass von allen Familienmitgliedern, die geimpft waren, etwa 25 Prozent infiziert wurden, wenn sie durch ein anderes Familienmitglied in diesem Haushalt dem Virus ausgesetzt waren. Ungeimpfte hingegen […] infizierten sich zu etwa 38 Prozent, wenn sie einem Virus ausgesetzt waren, das von einem anderen Familienmitglied in ihrem Haushalt eingeschleppt wurde. Sie sehen also, dass es hier einen Unterschied gibt und dass Impfungen einen viel besseren Schutz vor Ansteckung bieten.“

Nun könnte man denken, dass es sich hier um eine weitere einseitige Form der Impfwerbung handelt. Allerdings fügt Dr. Raszek seiner Aussage weitere wichtige Studienergebnisse hinzu, die deutlich mehr Beachtung finden sollten:

„However, this is also interesting, they also showed that, once you got infected, whether you’re vaccinated or unvaccinated – it didn’t matter in terms of how much virus you produce. You produce the same amount of virus, so the vaccine does not protect you in terms of what happens to you after you got infected. And as a consequence, because these people are able to produce similar virus in theory, then you can infect and spread the infection in the same way. So, once you get infected, whether you’re vaccinated or unvaccinated doesn’t matter. You will produce the same amount of virus apparently and then you canb spread it to others in the same fashion. “

Übersetzung

„Interessant ist aber auch, dass sie gezeigt haben, dass es, sobald man sich infiziert hat, egal ist, ob man geimpft oder ungeimpft ist – es spielt keine Rolle hinsichtlich der Virusproduktion. Der Impfstoff schützt also nicht vor dem, was nach der Infektion mit einem geschieht. Da diese Menschen theoretisch in der Lage sind, ähnliche Viren zu produzieren, können sie sich auf dieselbe Weise infizieren und die Infektion verbreiten. Sobald man sich also infiziert hat, spielt es keine Rolle mehr, ob man geimpft oder ungeimpft ist. Sie werden offenbar die gleiche Menge an Viren produzieren und können sie dann auf die gleiche Weise an andere weitergeben. „

Zum selben Ergebnis kamen zuvor bereits Riemersma et al. in ihrer Studie vom 24.08.2021 mit dem Titel „Shedding of infectious SARS-CoV-2 Despite Vaccination“. Darin wurde ebenfalls nachgewiesen, dass Geimpfte und Ungeimpfte dieselbe Viruslast vorweisen und das Virus entsprechend verbreiten können.

Überdies scheint es nach wie vor keine Möglichkeit oder Methode zu geben, die Ansteckungsrate genau zu bestimmen: Wenn sich 25% der geimpften Personen durch andere Familienmitglieder mit dem Virus infiziert haben, heißt das im Umkehrschluss, dass 75% gesund geblieben sind. Es wäre allerdings zu einfach, diese Nichtinfektion monokausal mit dem Wort „Impfschutzwirkung“ zu begründen, da die Zahlen ein Jahr zuvor wesentlich niedriger waren, obwohl noch kein Impfstoff auf dem Markt gewesen ist. Folglich gilt Ähnliches für Ungeimpfte: Trotz „fehlender Impfung“ liegt die Rate derer, die im Kontakt mit infizierten Familienmitgliedern waren und gesundgeblieben sind, bei 62%!  Das wirft erneut die Frage auf, wer sich unter welchen Umständen überhaupt infiziert. Es sieht so aus, als könne darüber selbst dann keine genaue Aussage getroffen werden, wenn es sich um Mitglieder desselben Haushaltes handelt. Wenn selbst innerhalb eines Haushaltes unklar ist, ob, und wenn ja, unter welchen Umständen man sich tatsächlich infiziert, wie will man dann verlässliche Aussagen über die Infektionswahrscheinlichkeit in anderen Bereichen des täglichen Lebens treffen? An dieser Stelle schalten viele Menschen auf Autopilot und verbitten sich trotz widerstreitender Ergebnisse weitere Auseinandersetzungen mit der immer gleichen Begründung: Better safe than sorry. „Man kann ja nie wissen!“ schallt es aus aller Munde – und damit wird jeglicher sachliche Dialog verhindert.  

Niedrigere Ansteckungsgefahr gleich Impfnotwendigkeit?

Nun mag dem einen oder anderen das Argument auf der Zunge liegen: Wenn die Impfstoffe zu einer Verringerung der Ansteckungsrate beitragen, dann ist es doch nur vernünftig, sich impfen zu lassen. Das erscheint allerdings nur auf den ersten Blick plausibel, und zwar so lange, wie wir annehmen, dass es die Infektionsrate sei, die für uns von Bedeutung ist. Hier stoßen wir auf eines der ältesten Probleme der letzten beiden Jahren, nämlich auf die Frage danach, welcher Richtwert für die Durchsetzung eines bestimmten medizinischen oder politischen Vorgehens verwendet wird. Viele seriöse Wissenschaftler gaben schon frühzeitig an, dass es nicht die „Infektionsrate“ ist, auf die man zur Beurteilung der Situation schauen sollte, da die Tests, mit deren Hilfe diese Zahlen erhoben werden, nicht aussagekräftig sind und folglich in verzerrte und irreführende Statistiken münden. Vielmehr solle man sich auf die Anzahl schwerer Erkrankungen und die Todesfälle fokussieren, um ein realistisches Bild zu erhalten. Die jeweiligen Krankheits- und Todesfälle müsse man ins Verhältnis zu den letzten Jahren setzen, um festzustellen, ob es sich um eine außergewöhnliche Erkrankung mit signifikant erhöhtem Sterberisiko handelt.

Die Daten, die bislang erhoben wurden, zeigen eindeutig, dass dem nicht so ist – und dass die „Infektionsrate“ in keinem Verhältnis zur Hospitalisierungs- oder Sterberate steht.

Fazit

Die obigen Ergebnisse werfen zum wiederholte Male zwei entscheidende Fragen auf:

1. Warum werden wichtige Studienergebnisse wie diese nicht ins Programm der öffentlich-rechtlichen Medien aufgenommen und dort breit diskutiert? Immer mehr Menschen behaupten felsenfest, es handele sich bei den Staatsmedien um linientreue Propagandaanstalten, die die Suche nach der Wahrheit verworfen und sich in den Dienst eines bestimmten Narrativs gestellt haben. Je länger derart wichtige Informationen aus dem öffentlichen Diskurs herausgehalten werden und je heftiger die großen Medienhäuser alles und jeden niedermachen, beschimpfen, diffamieren und anklagen, der etwas anderes sagt als sie, desto mehr wird sich dieses Bild verhärten und bestätigen. Covid-19 fungiert in diesem Zusammenhang als Brennglas, unter dem sich die vielen latenten Krisen unserer Gesellschaft verdichten und aufflammen – auch die Krise der Kommunikation und des Journalismus.

2. Wie kann ein Staat vor dem Hintergrund solcher Ergebnisse unbeirrt damit fortfahren, sein Volk durch überzogene und offenkundig unwirksame 2G- und 3G-Maßnahmen unter Druck zu setzen? Es erscheint beinahe unmöglich, dass keiner unserer hochrangigen Entscheidungsträger je mit diesen Studien konfrontiert wurde. In einer auf wissenschaftlichen Diskurs ausgerichteten Demokratie müsste es eigentlich zum Selbstverständnis führender Politiker und Mediziner gehören, alle relevanten wissenschaftlichen Daten einzubeziehen und erst dann ein Maßnahmenpaket zu schnüren. Nähme man die oben erwähnten Daten ernst, käme man auch als Politiker mit einem engen Zeitplan zu der Erkenntnis, dass sämtliche G-Modelle hinfällig sind.

Leider müssen wir allerdings davon ausgehen, dass die Politik die Ebene der rationalen Entscheidungsfindung verlassen und sich verrannt hat. „Vorwärts immer, rückwärts nimmer!“ scheint die neue alte Devise zu sein. Spitze Zungen kommen immer öfter auf die Idee, dass die Politik keine andere Chance mehr sieht, als weiter und weiter auf ihr einmal aufgebautes Argumentations- und Maßnahmengebäude zu bauen, mit dem Wissen, dass der Keller feucht ist – und die Stützbalken morsch. Covid-19 zeigt uns nicht nur eine Kommunikations-, Journalismus-, Medizin- und Wirtschaftskrise, sondern auch eine tiefgreifende Krise der Politik.

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